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Impuls

Zwölf Tipps für ein umweltfreundliches Büro

14.06.2013 – Ausgedruckte E-Mails und Protokolle. Besprechungsnotizen, Gedankenskizzen, Post its. Dazu die tägliche Post aus Briefen, Rechnungen, Werbung, Fachzeitschriften, Tageszeitung und Publikationen. Im Büro führt das schnell zu Chaos. Selbst wenn wir Ordnung halten - Papierstapel kosten nicht nur Zeit und Aufmerksamkeit sondern auch viel Geld. Ein Grund mehr, sich mit dem Konzept des papierlosen, nachhaltigen Büros auseinanderzusetzen. Mit dem Wettbewerb "Büro & Umwelt" ruft B.A.U.M. dazu auf, mit kleinen Änderungen viel zu bewirken. Noch bis zum 30. Juni 2013 können sich Unternehmen bewerben.

In Deutschland arbeiten rund 17 Millionen Menschen an Büroarbeitsplätzen. 2012 lag der (rechnerische) Papierverbrauch bei 244 kg pro Person. Als ein Meter breites Papierband könnte die Papiermenge an die 250 Mal um den Äquator gelegt werden. Davon gingen 44 Prozent in grafische Papiere, 43 Prozent in Verpackungen sowie 6 Prozent in Spezialpapiere. 7 Prozent werden für Hygiene-Papiere (z. B. Toilettenpapier) verwendet.

Täglich werden etwa 750 g Holz, also ca. 274 kg Holz pro Jahr pro Kopf verbraucht. Schätzungsweise 800.000 Tonnen Papier werden pro Jahr als Büro- und Administrationspapiere in Deutschland eingesetzt. Ein damit beladener Güterzug wäre ca. 600 Kilometer lang. Er zöge sich also von Hamburg bis nach Nürnberg.

Noch deutlicher wird der extrem hohe Verbrauch, wenn wir uns den Hauptrohstoff Holz näher betrachten: Ein Baum hat ca. 50 kg Holz, das für Papier weiterverwendet werden kann. Dann bedeutet das per anno fünfeinhalb Bäume pro Person. Rechnen wir das hoch für Deutschland, entspräche das einem Wald mit mindestens 93,160 Millionen Bäumen pro Jahr.

Jedoch nicht jedes Holz ist für Papier geeeignet. Faserbildung und Härte des Holzes spielen bei der Auswahl als Papierrohstoff eine Rolle. Häufig werden Nadelhölzer wie Fichte, Tanne, Kiefer und Lärche verwendet. Aber auch Laubhölzer wie Buche, Pappel, Birke und Eukalyptus werden gemischt mit Nadelholz-Zellstoff eingesetzt. Nehmen wir also beispielhaft Fichte und Buche: In einem Fichtenbestand sollen zum Zeitpunkt der Ernte – das heißt für 80 bis 100 Jahre alte Stämme – 300 Bäume pro Hektar stehen. Bei der Buche mit ihrem deutlich größeren Kronendurchmesser sollte die Stammzahl im Endbestand rund 100 Bäume pro Hektar betragen.

Wir sprechen also von jährlich ca. 310.533 bis 931.600 ha Wald. Ganz Thüringen hat eine Waldfläche von 517.903 ha Wald. Komplett gerodet. Jedes Jahr. An Naherholung ist dann nicht mehr zu denken. Von den vielen anderen Folgen der Umweltschäden ganz zu schweigen. Dann bliebe uns nur noch dies:


© 2012 Wilderness by Fort Ripper


Zum Glück ist Deutschland Vorreiter in Sachen nachhaltiger Waldnutzung. In diesem Jahr feiern wir 300 Jahre nachhaltige Forstwirtschaft. Das heißt, hierzulande wird vornehmlich so genanntes „Durchforstungsholz“, Sturmholz oder Sägerestholz für die Papierproduktion verwendet. Der jährliche Zuwachs an Holz pro Hektar beträgt in Deutschland rund elf Festmeter (= Raummaß für Holz). Auf der gesamten deutschen Waldfläche wachsen jährlich über 120 Millionen Festmeter Holz hinzu. Diese Menge an Holz kann im Rahmen einer zukunftsfähigen Holzwirtschaft jährlich aus dem Wald genutzt werden. Wir sind damit Spitzenreiter in Europa.

Und noch einen Aspekt macht sich die Deutsche Papierwirtschaft zunutze: Altpapier als Sekundär-Rohstoff hat einen Anteil von ca. 61%, der für Papier, Pappe und Kartonagen eingesetzten Rohstoffe. Da Altpapier bereits einmal zu Papier verarbeitet wurde, enthält es jedoch viele Zusatzstoffe und wurde bereits gemahlen. Die Fasern werden durch die erneute Verarbeitung zu Papier weiter geschädigt. Der Anteil der Zusatzstoffe im Verhältnis zu den Faserstoffen nimmt weiter zu. Daher können in der Praxis Papierfasern im Schnitt nur fünf bis sechsmal recycelt werden.

Zum hohen Holz- kommt ein sehr hoher Wasser- und Energieverbrauch für die Papierherstellung. Zwar arbeiten moderne Zellstofffabriken energieautark und Kochchemikalien werden aus dem Abgas und der Asche zurückgewonnen, der Energiebedarf liegt bei etwa 2,5 kWh pro Kilogramm Papier dennoch sehr hoch.

Alles zusammengenommen verdeutlicht den Sinn, sich mit umweltfreundlichen Aspekten rund um das Büro auseinanderzusetzen. Doch nicht nur aus Gründen des Umwelt- und Naturschutzes und zur Erhaltung der Biodiversität lohnt es sich, den Papierverbrauch zu senken.

Ressourcen zu schonen, pflegt auch den eigenen Geldbeutel: Weniger Papier, weniger Porto, weniger Lagerhaltung also Platzbedarf usw. heißt weniger Kosten. Selbst bei einem ggf. notwendigen Ausbau der IT-Infrastruktur als Ersatz für das Papier ergeben sich Einsparpotenziale. Schon auch aufgrund der eingangs beschriebenen Möglichkeiten, effizienter und mit mehr Freude arbeiten zu können. Wer macht gern Ablage oder schreddert vertrauliche Unterlagen, wenn er seine Zeit sinnvoller verbringen kann?

Papier ist nicht das Einzige, das eingespart werden kann. Drucker verbrauchen Strom. Bereits heute benötigen Bürogeräte in Deutschland ca. 3% des gesamten Stromverbrauchs eines Unternehmens. Tendenz steigend. Hierzulande werden jährlich schätzungsweise acht Millionen Tonerkartuschen und 55 Millionen Tonerpatronen verbraucht. Anschließend landen Sie auf dem Müll. Auch hier liegt für Unternehmen ein enormes Einsparungspotenzial – sowohl im Einkauf als auch im Recycling und der Müllverwertung.

Hier also zwölf Einsteiger- Tipps für ein “Grünes Büro”

  1. 100% Recyclingpapier mit dem “Blauen Engel” als Standard für alle Büropapiere verwenden. Es gibt mittlerweile sehr schönes Recyclingpapier auch für hochwertige Drucksachen.
  2. Geschäftsdrucke sparsam einsetzen (Mailings nur bei Bedarf und dann nur an sorgfältig ausgewählte Kunden, auf Postwurfsendungen komplett verzichten – es gibt viel bessere und sinnvollere Marketing-Maßnahmen)
  3. E-Mails nur dann ausdrucken, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Ist das Drucken notwendig, Duplex für beidseitiges Kopieren/Drucken als Voreinstellung wählen. Ich nutze zusätzlich die Funktion “zwei Seiten pro Blatt”.
  5. Bürogeräte nach Geschäftsschluss ausschalten (Ich habe eine Mehrsteckerleiste und betätige so nur einen zentralen Schalter für alle).
  6. Computer, Drucker etc. und Licht nur bei Bedarf einschalten. Ab zwei Stunden Abwesenheit vom Arbeitsplatz (z. B. bei Besprechungen oder Kundenterminen) lohnt es sich, den Rechner herunterzufahren und auszuschalten.
  7. Für Smartphones und andere Mobil-Geräte lohnt sich der Blick in die Energiespar-Funktionen. Zum Beispiel ist bei meinem Handy einstellbar, welche Apps herunterfahren, wenn sie nicht verwende. Zudem schalte ich GPS, WLAN, Bluetoth, Synchronisierungsrhythmen und die Helligkeit der Bildschirmbeleuchtung so ein, dass ich viel Energie spare.
  8. Auf Bildschirmschoner verzichten, stattdessen den Bildschirm ausschalten (auch beim Smartphone und Tablet darauf achten!).
  9. Beim Einkauf von EDV-Geräten auf einen geringen Energieverbrauch achten.
  10. Büromöbel sollten über einen modularen Aufbau, recyclinggerechte Konstruktion und zehn Jahre Garantie für Ersatzteile verfügen.
  11. Abfälle aus Papier und anderen Wertstoffen getrennt sammeln und der Wiederverwertung zuführen.
  12. Externe Termine so planen, dass keine unnötigen Wege (vor allem mit dem Auto oder anderen Fahrzeugen) zurückgelegt werden müssen. In vielen Fällen können im Verlauf des Projektes auch Telefon-, Web- und Videokonferenzen Entfernungen überbücken.

Wer diese Tipps bereits beherrscht und sich darüber hinaus hat mehr einfallen lassen, ist herzlich zum Wettbewerb “Büro und Umwelt“ des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) e.V. eingeladen. Bis zum 30. Juni können sich Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und Verwaltungen um die Auszeichnung bewerben.

Unter den Einsendungen wählt eine achtköpfige Fachjury die umweltfreundlichsten Büros auf Grundlage eines Fragebogens aus. Im Herbst präsentieren die Bestplatzierten ihre Praxisbeispiele und werden mit einer Urkunde und je 100.000 Blatt Recyclingpapier für ihre Aktionen belohnt.

Auch wenn der Preis kontraproduktiv anmutet, auf das Engagement kommt es an. Ich drücke daher allen Teilnehmern die Daumen und wünsche gutes Gelingen beim Umstellen auf ein nachhaltiges Büro.

Eure,

Quellen:
  • http://www.nachhaltigwirtschaften.net/scripts/basics/eco-world/wirtschaft/basics.prg?a_no=7013#.UbsG85z9VPf
  • http://frag.wikia.com/wiki/Wieviel_blatt_papier_ergibt_ein_baum
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Papier
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Hektar
  • http://www.forstpraxis.de/-wald-genau-rechnen
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Forstwirtschaft#Wald_als_Wirtschaftsfaktor
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Festmeter
  • http://www.buero-und-umwelt.de

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