Meine Antworten auf häufige Fragen von Freiberuflern und Freischaffenden

Impuls

Arbeitswelten: Frühaufsteher und Nachtschwärmer

04.02.2014 – Morgenmenschen haben es leichter. Als Nachteule steht man schnell im Ruf, langsamer und weniger kompetent zu sein. Der „frühe Vogel“ entspricht eher unserem Ideal eines fleißigen, disziplinierten und leistungsfähigen Menschen. Doch so ganz stimmt das eben nicht. Es kommt weniger auf die Uhrzeit oder Dauer des persönlichen Einsatzes an, sondern auf die Fähigkeit zu individuellen Höchstleistungen während der Arbeitszeit. Zu viele Menschen kämpfen gegen ihre innere Uhr. Wir hätten also alle etwas davon, hergebrachte Vorurteile abzuwerfen und Arbeitswelten an menschliche Bedürfnisse anzupassen.

Selbständig zu sein ist super. Man schläft bis zwölf. Setzt sich dann mit einer großen Tasse Kaffee an den Schreibtisch und kommt langsam Schluck für Schluck in die Gänge. So das Klischee. Das mag zwar für den ein oder anderen zutreffen. Ganz so einfach ist es leider nicht. Jeder von uns kennt das Gefühl, dass die 24 Stunden pro Tag für die vielen Ideen und Aufgaben nicht ausreichen.

Gerade wenn wir Erfolg im Beruf haben möchten, scheint es maßgebend zu sein rund um die Uhr zu arbeiten. Als Erste/r kommen und als Letzte/r gehen – wer erfolgreich sein will, muss im Zweifel am Schlaf „sparen“. In unseren Breiten machen Frühaufsteher und Kurzschläfer eher Karriere. Die anderen selektiert vermutlich der Konkurrenzkampf aus.

Das heißt, zu erkennen, wie wichtig die eigene Nachtruhe ist und danach konsequent handeln zu können, scheinen zweierlei Dinge. Ich gestehe, auch mich packt ab und an der Neid auf Morgenmenschen. Bereits wenn es dämmert sitzen sie fröhlich pfeifend am Schreibtisch. Es scheint, bis zum Mittagessen haben sie schon ganze Berge versetzt.

Ich kann verstehen, dass es auf sie seltsam wirkt, wenn ein Nachtmensch wie ich verschlafen und zerknautscht gegen neun ins Büro schlurft. Quasi noch mit dem Kopfkissen im Gesicht werden wir belächelt und müssen uns manch Lästerzunge gefallen lassen. „Der frühe Vogel fängt den Wurm.“ so drückt der Volksmund aus, was zu den besten deutschen Tugenden zählt: fleißig, diszipliniert, aktiv. Manch Morgenmuffel denkt sich trotzig: „Ja, und der frühe Wurm wird eben gefressen …“. Unser Problem: Wenn wir zur Höchstform auflaufen, schaut halt keiner mehr zu.

Berufung und Biorhythmus passen nicht immer zusammen. Ärzte sind zu 24-Stunden-Schichten gezwungen (warum eigentlich?). Transatlantisch tätige Vertriebsleute plagt der Jetlag. Schichtarbeiter kämpfen ständig gegen die Müdigkeit. Wie schädlich diese Systeme für den Einzelnen sind, ist bekannt. Wir wissen, dass jeder Mensch seinem inneren Kompass folgt – sowohl was die Anzahl von Stunden angeht als auch zu welchen Zeiten er am besten schläft (bzw. wach ist).

Und doch bleibt hartnäckig das Klischee mit dem wir kämpfen. Dabei lassen sich für beide Seiten beliebig Beispiele finden, wie leistungsfähig sie sind: Winston Churchill schlief angeblich nur vier Stunden pro Nacht. Albert Einstein wiederum brauchte zehn Stunden Schlaf, um produktiv zu sein. Wer mag entscheiden, wer von beiden mehr geleistet hat?

Ob wir Lerchen oder Nachteulen, Kurz- oder Langschläfer sind – die Mehrzahl von uns arbeitet ihr gesamtes Leben lang gegen die innere Uhr. Für 60 Prozent aller Deutschen liegen die heute üblichen Arbeitszeiten zu früh. Schlaflosigkeit und gesundheitliche Probleme sind die Folge. Aus meiner Sicht ein Zustand, für den wir dringend kreative Lösungen benötigen.

Wir sollten einander mehr vertrauen und Arbeitszeiten flexibler gestalten, so dass sie Frühaufstehern und Morgenmuffeln gleichermaßen gerecht werden. Gerade im Wissen um die positiven Wirkungen eines gesunden Schlafs bin ich der Meinung, das wäre zum Wohle aller.

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