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Impuls

Der Ironie-Effekt – wie wir uns ungewollt mental sabotieren

11.02.2014 – Perfektionisten haben es schon schwer. Vorausschauend bemühen sie sich nach Leibeskräften, Fehler zu vermeiden. Sie denken an alle Risiken und Schwierigkeiten. Nur um festzustellen, dass genau die Missgeschicke und unglückseligen Ereignisse eingetreten sind, die sie unbedingt zu verhindern trachten. Da hilft nur eins: Entspannen! Vertrauen und mit viel Mut das Beste hoffen - und plötzlich werden aus Pedanten liebenswerte Menschen. Ich wünsche mir Fehlertoleranz und Freude am Scheitern. Aus Fehlern werden wir klug. Und das wäre ein Segen für zahlreiche Unternehmen.

Kennst Du das? Der Chef schaut über die Schulter: „Schmidt, jetzt nicht zittern. Sonst wird es schief.“ Was passiert? Genau! Zwei Wochen später, kurz vor der Präsentation des Entwurfs beim Kunden: „Versuchen Sie nachher nicht so zu stottern. Das wirkt immer so unsicher.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mitarbeiter einen zusammenhängenden Satz über die Lippen bekommt, steigt. Nicht.

Selbsterfüllte Prophezeiung nennt man das. Die Ironie an der Geschichte ist: Wer überall Gefahren sieht, tappt zwangsläufig in die Falle. Die Überzeugungen werden zum Fluch. Ihre Macht ist so groß, dass die negative Voraussage Wirklichkeit werden muss. Dann geschehen just die Missgeschicke und unglückseligen Ereignisse, die wir auf jeden Fall zu verhindern trachten. Psychologen nennen es den Ironie-Effekt.

Natürlich gibt es auch die gegenteilige Reaktion. Dein Beifahrer rät Dir, auf der glatten Fahrbahn nur wenig Gas zu geben. Du lässt die Kupplung kommen. Tippst das Gas so vorsichtig an, dass der Motor sofort absäuft. Oder aber das Fahrzeug rollt gar nicht erst los. Das nennt der Experte dann Überkompensation.

Ob Ironie-Effekt oder Überkompensation – am Ende kommt nicht das heraus, was eigentlich beabsichtigt war. Gut gemeinte Ratschläge verfehlen das Ziel. Denn wir trauen unseren eigenen, natürlichen Impulsen nicht (mehr). Was wir auch tun, dem Verhängnis entgehen wir nicht. Aus Angst schwören wir herauf, was wir zu verhindern suchen. Auf Dauer führt mentale Sabotage zu Kontrollwahn. Dieser wiederum setzt alles Potenzial frei für Sinn-ent-kopplung und Frust aller Beteiligter.

Das Vertrackte an diesen Situationen ist: Diese Verhaltensmuster sind uns nicht immer bewusst. Wir fühlen uns erfolglos, frustriert und unzufrieden, ohne genau zu wissen, was dahinter steckt. Ein Teufelskreis aus Erfahrungen und negativen Glaubenssätzen, die sich gegenseitig bestätigen. Wir werden mutloser und unzufriedener. Beim nächsten Mal nehmen wir uns noch mehr vor, alles genau zu planen und Fehler von vornherein verhindern zu wollen. Und tappen damit wieder in die Falle.

Da hilft nur eins: Entspannen! Der Rheinländer würde sagen: Es kütt wie es kütt. Du wirst überrascht sein, was Du und Deine Mitarbeiter, Deine Geschäftspartner und Kollegen mit Mut und einem gesunden Maß an Risikofreude leisten können. Mein Rat: Denke und sage exakt das, was sie am besten tun sollten. Den Rest erledigt mit neunzig-prozentiger Wahrscheinlichkeit die Psychologie.

Ob es uns bewusst ist oder nicht – unser Auftreten spiegelt wider, welches Bild wir von uns im Kopf haben. Vertrauen wir in uns und in die Fähigkeiten unserer Zeitgenossen. Wir werden belohnt. Mit sehr guten Ergebnissen und wohlwollender Wertschätzung unserer Mitmenschen.

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