Meine Antworten auf häufige Fragen von Freiberuflern und Freischaffenden

Impuls

Cyber War - und was hat das mit mir zu tun?

12.10.2013 – Dokumentation WandelBarCamp 2013: Vierzehn Jahre lang lebte ich in einem System der Überwachung. Dann kam die Wende und ein Aufatmen. Nach den Enthüllungen Edward Snowdens wird mir bewusst: Der Eindruck täuscht. Spätestens seit dem Anschlag auf das World Trade Center 2011 werden unsere Persönlichkeitsrechte zugunsten eines vermeintlichen Sicherheitsbedürfnisses des Staates gegenüber seinen Staatsbürgern gestutzt. Doch damit nicht genug. Deutschland wird ausspioniert nicht nur um Terrorzellen frühzeitig zu identifizieren - sondern auch für Wirtschaftsspionage.

Das von Michael Schommer beim WandelBarCamp 2013 aufgeworfene Thema “CyberWar” wurde von der überwiegenden Mehrzahl der TeilnehmerInnen gewählt. So saßen wir letztlich alle im Raum und beschäftigten uns mit dem Spannungsfeld “Sicherheit versus individuelle Freiheit”. Michael eröffnete die Session mit einer kurzen Einführung, stellte die Initiatoren und Hauptakteure Edward Snowden, Laura Poitras und Glenn Greenwald vor.

Im Grunde sind die von Whistleblower Edward Snowden enthüllten, als top secret gekennzeichneten Dokumente der National Security Agency (NSA) schon ein Affront gegen unser Rechtssystem. Brisanz erhalten sie jedoch vor allem durch

Überwachung durch den Staat – Worum geht es eigentlich?

PRISM, Boundless Informant, Tempora, XKeyScore, FAIRVIEW, Bullrun – die Programme und Systeme zur systematischen und international flächendeckenden Überwachung der Bürger sind erschreckend. Das Ausmaß kann hier nachgelesen werden: Spionage im Rahmen der systematischen Überwachung durch die NSA (via Wikipedia).

Der laxe Umgang mit der Überwachung in Politikerkreisen (“Ich habe nichts zu verbergen – also habe ich nichts zu befürchten.”) macht mich sprachlos. OK, vielleicht sehe ich das anders, gerade weil ich von der Stasi überwacht und gedemütigt wurde. Ich kann nur Michaels Aufforderung wiederholen: “Geht mal ins Stasimuseum in Berlin.” Oder schaut Euch Filme wie z. B. “Das Leben der anderen“ an. Das ist keine Fiktion. Das war Realität. Auch für mich. Und offensichtlich jetzt auch für uns und Whistleblower wie Edward Snowden.

© 2005/06 Buena Vista International Das Leben der anderen

Es mag als unkritisch erscheinen, wenn “nur” Meta-Daten unseres Handelns (Name, Aufenthaltsorte, Interaktion mit anderen Personen wie beispielsweise über Telefonverbindungen, Chats, SMS, E-Mails sowie Banktransaktionen usw.) gesammelt werden. Doch welche Informationen lassen sich schon allein daraus ableiten, dass z. B. Reisedaten von zwei Personen in einer Mobilfunk-Wabe konglomeriert ein Treffen ergeben.

Michael brachte es so auf den Punkt: “Für uns ist es das WandelBarCamp. Für die NSA und den Bundesverfassungsschutz ist es ein konspiratives Treffen.” Und das nicht erst, wenn auch nur eine/r von uns einen gesellschaftskritischen Tweet via Twitter absetzt. Spätestens die Vorstellung, dass auch meine Banktransfers überwacht werden, finde ich jedenfalls sehr beunruhigend.

Das Sammeln von Meta-Daten – und was hat das mit mir zu tun?

Karriere-Chancen werden schon heute durch Social Media beeinflusst. Das ist allgemein bekannt. Ich habe mir sagen lassen, dass auch die Solvenz bei Kreditanträgen inzwischen davon abhängig ist, wen wir zu unseren Social Media-Kreisen zählen und wie zahlungskräftig diese, unsere virtuellen Freunde sind. (Quelle ergänze ich hier, sobald ich sie wieder finde.)

Denken wir noch ein Stückchen weiter: Welchen Einfluss haben Social Media dadurch, dass unser Chef sehen kann, dass ich bei der “Konkurrenz” zum Beispiel automatisch via Foresquare eingeloggt bin? Welchen Rückschluss können Dritte daraus ziehen, dass sich Firmenchefs zweiter Mittelständler oder Konzerne an einem Ort treffen? Da müssen sie noch nicht einmal gezielt die entsprechenden Nachrichten herausziehen und Inhalte der Korrespondenz nachlesen.

Ich weiß aus meiner Erfahrung als Marketing-Manager, wie viel wir schon für die Marktbeobachtung daraus ablesen konnten, wer im eigenen Hause ein- und ausging. Der Flurfunk trieb Blüten. Mit Systemen wie den oben genannten sind gesammelte Informationen vergleichsweise konkret. Da Geheimdienste und auch Unternehmen zur Herausgabe von Informationen im Falle eines Verdachts verpflichtet sind (und darüber bekannterweise nichts verlauten lassen dürfen), sind im Grunde alle Informationen frei zugänglich. Und wir brauchen uns auch nichts vormachen: Das wird genutzt.

Wer mehr über die Hintergründe von Cyberwar und die Bedeutung für unser Leben erfahren möchte, dem empfehle ich die ZDF-Dokumentation “World Wide War“ (publiziert am 11.09.2013 via ZDFzoom). Die Inhalte der Dokumentation – und dazu noch die Musik von “Herr der Ringe” jagen mir Schauer über den Rücken. Die NSA ist ein Sauron. Cyberwar wird so zu einer neuen Form von kaltem Krieg. Ein Wettrüsten von IT- und Spionage-Spezialisten, um die Weltmacht an sich zu reißen. Was unsere Politiker als Streben nach Sicherheit bezeichnen, nichts anderes als Streben nach Weltherrschaft. (Vermeintliche) Sicherheit vor Freiheit. Big Brother (erinnert Ihr Euch an das Auge des Sauron?) is watching you.

Ich werde überwacht – was kann ich tun?

Nun, als Einzelperson sollten wir jetzt nicht in eine Paraneua verfallen, alle Social Media kappen und am besten auch nicht mehr telefonieren. Es lebe die Buschtrommel? Das Bankkonto auflösen. Nur Bares ist Wahres? Nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen (so lange bis die RFID-Technik auch unsere Autos und Fahrräder vollständig eingeholt hat). Nein. Das wohl nicht. Schon die Beispiele zeigen: Es würde unser Leben auf eine schmerzhafte Weise einschneiden. Kaum ein Lebensbereich, der davon nicht betroffen wäre. Es wäre ein “zurück in die Steinzeit”. Das kann keiner wollen.

Möglicherweise ist es ein Weg, die Menge der Daten gemeinsam so zu steigern, dass aus technischen Gründen heraus, eine sinnvolle Auswertung gar nicht erst möglich ist (Big-Data lassen grüßen). Wenn wir nicht gemeinsam daran arbeiten auch schwierig – vor allem in Zeiten in denen sich die Technik rasant weiterentwickelt.

Halten wir es für tatsächlich notwendig, sensible Daten zu vermeiden, scheint mir am sinnvollsten, die Kommunikation entsprechend rechtzeitig vor einem Treffpunkt komplett auszuschalten. Was hierbei tatsächlich ausschalten heißt, erklärt Michael Schommer in seinem Beitrag “Handy aus, ausser, am aussesten”. Doch auch hier sollte ich mir bewusst sein, was ich vorab schon per E-Mail an Informationen preisgegeben habe… Letztendlich bleibt es also schwierig.

Mein persönliches Fazit: Bleiben wir wachsam!

Eine allseits richtige oder falsche Lösung gibt es also nicht. In jedem Fall sollte ich mir bewusst sein, welche Daten über mich bekannt sind. Wir sollten aufklären und Informationen auch im Bekanntenkreis weitergeben.

Michael Schommer ruft auf “Holen wir uns das Internet zurück!“ Wehren wir uns gegen dieses Vorgehen, dass Sicherheit vor Freiheit setzt. Es ist nicht vereinbar mit der unantastbaren Würde des Menschen (Paragraph Eins des Grundgesetzes).


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