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Impuls

Selbstorganisation im Mittelstand: Wie verändern sich die Rollen des Chefs und der Mitarbeiter?

01.03.2016 – "Sobald eine Firma einen gewissen Grad an Komplexität überschreitet, ist sie langfristig nicht überlebensfähig, wenn sie extrem enge Handlungsspielräume für ihre Mitarbeiter festzurrt und versucht, mit klugen Führungskräften den Markt zu meistern, Kunden zu begeistern und Zukunftstrends zu erkennen. Ich halte daher klassische Management-Methoden für uns nicht für passend." so Stephan Heiler zu seinen Motiven für den Veränderungsprozess. Als Geschäftsführer eines mittelständischen Handwerksbetriebs nutzte er den Generationenwechsel, um seine Firma zukunftsrobust aufzustellen.

Die Alois Heiler GmbH ist ein mittelständischer Handwerksbetrieb aus Baden-Württemberg. Die zirka siebzig Mitarbeiter gestalten Bad-, Wohn- und Arbeitswelten mit Glas. In Kooperation mit beispielsweise Architekten, Bauherren und Installateuren fertigen sie individuelles Interieur und passen es durch millimetergenaues Aufmaß und filigrane Montage in jedes Objekt ein. Dafür braucht es nicht nur ein hohes handwerkliches Geschick, sondern auch Entscheidungsfreude, unternehmerisches Denken und Leistungsbereitschaft in allen Bereichen des Familienunternehmens.

Ich sprach mit Stephan Heiler über den Veränderungsprozess seiner Firma im Zuge des Generationenwechsels.

Die Herausforderungen eines Pioniers

Als Alois Heiler 1984 begann, hochwertige rahmenlose Duschen direkt an Endkunden zu vertreiben, war er Pionier auf seinem Gebiet. In Kombination aus harter Arbeit und Disziplin auf der einen sowie seinem Sinn für das Feine auf der anderen Seite baute er einen gut florierenden, mittelständischen Handwerksbetrieb auf.

Anfangs verkaufte der damals 33-Jährige fertige Systeme. Um flexibler agieren zu können, übernahm er bald die Produktion in Eigenregie, kaufte Glas und Beschläge zu und bearbeitete diese im heimischen Keller. Doch die Kunden kamen nicht von selbst. Um auf sich aufmerksam zu machen, verteilte er Infoblätter in Neubaugebieten. Er konstruierte ein „Duschmobil“ und zog damit über die Lande. „Ich erinnere mich, wie ich bei minus 20°C und einem halben Meter Schnee auf dem Leonberger Pferdemarkt stand.“ so Alois Heiler zu den Anfängen seiner Selbständigkeit.

Die Mühen lohnten sich: Das Auftragsbuch füllte sich schnell, sodass er sich schon im dritten Jahr seiner Selbständigkeit nicht mehr als Einzelkämpfer durchboxen musste. „Damals stellte ich meine ersten Mitarbeiter ein. Beide sind übrigens heute noch bei uns.“, erzählt Alois Heiler nicht ohne Stolz. Außerdem zog er um: aus dem Keller seines Hauses in eine angemietete 150 m² große Gewerbefläche.

Unabhängigkeit als oberste Prämisse

Es war Alois Heiler immer wichtig, aus eigener Kraft zu wachsen und unabhängig von Banken zu bleiben. So erweiterte der Familienbetrieb im Verlauf der letzten drei Jahrzehnte sein Badwelt-Portfolio um den Bereich Wohn- und Arbeitswelt. Jetzt bieten die Baden-Württemberger maßgeschneiderte Glastüren zum Schieben, Drehen, Pendeln sowie Raumteiler, Wände, Treppen, Balustraden, Decken, Böden und Arbeitsplatten aus Glas für individuelle Inneneinrichtungen an.

2011 übernahm Stephan Heiler, Alois’ Sohn, die Geschäftsführung von HEILER. Auch er ist Vorreiter. In einem grundlegenden Veränderungsprozess baute er Schritt für Schritt gewachsene Hierarchien ab. Er nutzte so den Generationenwechsel, um die Firma von einem patriarchalischen Führungsstil hin zu Selbstorganisation und Mitbestimmung weiterzuentwickeln. Heute sind alle Mitarbeiter eingeladen, den Handwerksbetrieb gemeinsam aktiv zu gestalten und daran zu wachsen.

“Will ich den Markt meistern, Kunden begeistern und Zukunftstrends erkennen, halte ich für uns klassische Management-Methoden für nicht passend. Ich habe mich viele Jahre mit klassischem Management beschäftigt und wusste, ich muss da was Besseres finden. Die ersten Alternativen, die mir begegneten, entpuppten sich dann leider wieder als klassische BWL in anderem Gewand. Wo man erst auf den dritten Blick erkennt, irgendwie ist es doch das Gleiche. Seit gut acht Jahren verfolge ich jedoch Ansätze, von denen ich absolut überzeugt bin, dass sie nicht nur zeitgemäß sind – sondern angelegt auf die Zukunft und ausgerichtet auf die Menschen an sich.” so Stephan Heiler.

Vom Treiber zum Getriebenen – Hohes Engagement und Organisationsintelligenz als Lohn

Im Rahmen vom EnjoyWorkCamp 2015 reflektierten Stephan und ich darüber, wie sich seine Rolle als Chef der mittelständischen Glas-Manufaktur seither verändert hat. Wir sprachen über die Anforderungen, denen er sich gegenüber Mitarbeitern und Markt stellt. Eigenverantwortlichkeit, Autonomie und Mitarbeiterkompetenzen sind für ihn nicht nur Herzensangelegenheit. Sie folgen logisch aus seinem unternehmerischen Grundverständnis. In der Dokumentation spricht Stephan über die Herausforderungen und wie sie sie meisterten. Er formuliert das “Invest” und auch die Ergebnisse des Change-Prozesses.

Gebhard Borck – der Stephan Heiler und die Mitarbeiter der Alois Heiler GmbH in diesem Veränderungsprozess von Anfang an begleitet – ergänzt die aus seiner Sicht interessanten Aspekte zur veränderten Rolle eines Geschäftsführers. Unter anderem geht er darauf ein, wie sich der Führungsstil in einem sich selbst organisierenden Unternehmen wandelt. Und dass es bei Unternehmensdemokratie nicht darauf ankommt, ob die Mitarbeiter unternehmerisch denken können – sondern ob sie diese Form ihrer Intelligenz in die Firma einbringen wollen.

2016-02 · CC-BY-ND madiko · Selbstorganisation im Mittelstand – die veränderte Rolle des Chefs und der Mitarbeiter. Stephan Heiler [Inhaber und Geschäftsführer der Alois Heiler GmbH] und Gebhard Borck [Inhaber und Geschäftsführer der GB KOMMUNIKATION GmbH] im Gespräch mit Franziska Köppe [madiko] über den Veränderungsprozess im Rahmen der Unternehmensnachfolge bei der Alois Heiler GmbH.

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Stephan Heiler und Gebhard Borck sind Impulsgeber der Initiative Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft. Sie sind beim EnjoyWorkCamp mit dabei.

Lass Dich inspirieren von den Einblicken in die gelebte Praxis unserer Impulsgeber.

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