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Bücher, Bildung, Wandelmut

15.04.2016 – Schon sehr früh entdeckte ich meine Begeisterung für Bücher. Während ich zunächst unruhig auf dem Stuhl rutschend oder eingekuschelt auf dem Schoß meiner Großeltern den Worten lauschte, war ich überglücklich, mit sechs Jahren dann endlich lesen zu lernen. Unvergessen die Zeiten als ich unter der Bettdecke noch bis spät in die Nacht las. Druckwerke sind fester Bestandteil meines Lebens. Um so überraschender jetzt diese Liebesbeziehung zu reflektieren und dabei zu erkennen, wie stark sich mein Verhältnis zu ihnen im Verlauf meines Lebens bereits veränderte. Eine Zeitreise mit Ein- und Ausblick.

1976. Ich sitze auf dem Schoß meines Großvaters. Andächtig blättern wir in der großen “Busch-Ausgabe”. Da ist sie! Meine Lieblingsgeschichte: “Max & Moritz”. Mein Opi liest wunderbar. Was für ein Spaß! Noch mal. Noch mal. Noch mal. (Heute bewundere ich ihn für seine Geduld.) Später sitzt meine Großmutter an meinem Bett. Mir fallen zwar schon die Augen zu, doch sie muss weiterlesen. Räubergeschichten, Seemannsgarn, Märchen, Sagen, Gedichte – die Welt der Bücher ist fantastisch und regt meine Phantasie an. Ich kann einfach nicht genug davon bekommen.

1981. Endlich! Endlich lesen lernen. In meinen ersten Lebensjahren verliebe ich mich in Bücher. Ehrfürchtig schreite ich die schier endlosen Bücherregale meiner Großeltern und Eltern ab. Nur wenn ich die eingehende Qualitätsprüfung sorgfältig gewaschener Hände (keine Schokolade mehr dran?) bestehe, darf ich die Wälzer aus dem Regal nehmen. Ich setze mich direkt vors Bücherbord und bestaunte Bilder, Buchstaben und Zahlen. Ich atme den Duft von altem oder auch neuem Papier. Ich finde Spaß daran, die rauen wie die glatten Papiere unterscheiden zu können. Wie dick ist es? Wie elastisch oder porös? Ist der Einband aus Leder, Stoff, Pappe? Ist die Bindung genäht, geklebt, mit Fadenheftung? Wurde das Papier am Rand bemalt, vergoldet oder ist sonst wie farbig? Alles ist faszinierend. Doch wehe wehe ich hinterlasse ein Eselsohr!

1989. Mittlerweile kenne ich Bücher nicht mehr nur aus dem Regal der Familie. Da gibt es Bibliotheken mit hunderten von Druckwerken. Wahnsinn! Wer soll das alles lesen?! Ich fange an, Bücher mit Freunden zu tauschen. Meine Lieblingsbücher sind schon ganz abgegriffen und fallen teils auseinander, so oft las ich sie. Noch mehr liebe ich Antiquariate mit ihren alten Schwarten. Obwohl ich kaum je eine kaufe, muss ich zu meiner Schande gestehen. Oder auch die Buchgeschäfte mit den zahlreichen Neuauflagen von Belletristik bis Reiseführer. Diese Läden verlasse ich nie ohne zehn oder zwanzig Bücher unterm Arm.

1993. Eiserne, von Kindesbeinen an verinnerlichte Regel: In Bücher schreibt man nichts rein. Behandle sie sorgfältig. Sie sind wertvoll. Das sagten meine Großeltern so viele Male, dass es sich tief in mir einprägte. Also kopiere ich reihenweise Fachbücher. Ich fange an, Textpassagen farbig anzustreichen. Ab und an bin ich so mutig, Fragen zum Text zu formulieren. Zaghaft noch ergänze ich in Vorlesungen und unseren Arbeitsgruppen erarbeitetes Wissen als Randnotizen. Parallel dazu baue ich eine eigene Bibliothek an Fach- und Sachbüchern rund um Allgemeinbildung auf. Meine Großeltern, die die Leselust einst in mir weckten, unterstützen mich vor allem finanziell dabei. Belesen sein, Wissen miteinander verknüpfen und es schließlich anwenden zu können folgt nicht nur meiner Wissbegier. Ich mag es, tiefgreifende Gespräche mit anderen zu führen. Lesen hilft mir, verschiedene Sichtweisen kennenzulernen. Autodidaktisch gibt es mir die nötige Zeit, das Gelesene hinterfragen und mir zu eigen machen zu können.

2000. Bücher intensiv studieren. Bücher querlesen. Bücher genüsslich verdauen. Bücher wälzen. Bücher nicht zu Ende auslesen. Drei Bücher parallel lesen. Den ersten und den letzten Satz eines Buches erfassen, bevor ich mich dem Klappentext zuwende. Ganze Bücher in vierundzwanzig Stunden verschlingen. Kurzum: Ich bin mitten im Bücheruniversum angekommen. Das Studium ist abgeschlossen. Befreit von irgendwelchen Klausuren kann ich Printmedien wieder mit viel Eigenmotivation und aus Neugier in die Hand nehmen. Sie verteilen sich in meiner Wohnung vom Arbeitszimmer, über gute Stube, der Küche, dem Klo bis zum Platz direkt neben dem Kopfkissen. Ich habe aufgehört, sie zu zählen. In Zeiten der digitalen Transformation bleiben mir gedruckte Bücher weiterhin wertvoll. Sie in der Hand zu halten wirkt in vielerlei Hinsicht beruhigender auf mich. Ich kann sie ganz anders begreifen. Doch miste ich regelmäßig aus und bin wählerischer beim Kauf geworden. Verschenke Ausgelesenes an Menschen, die sich dafür interessieren. Oder stelle sie in die Tausch-Regale der wilden Bücher, die ausgesetzt werden um neue Leser zu finden. Lese Lieblingsbücher nun schon zum zehnten Mal (und entdecke immer wieder Neues). Leihe und verleihe weiterhin Bücher. Lasse mich vom Buchregal von Freunden und Geschäftspartnern inspirieren. Schleppe regelmäßig eine kleine Auswahl zu Veranstaltungen wie beispielsweise für die LeseLust beim EnjoyWorkCamp.

2016. Seit 2012 blogge ich. Von daher war es vielleicht nur eine Frage der Zeit. Und doch ist es mir ein ganz großes Ding: Ich gestalte Bücher selbst! Wow! Ich meine nicht die unzähligen Publikationen, die ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Marketing-Managerin oder während meiner Freiberuflichkeit schon verfasste. Auch nicht den ein oder anderen Beitrag, den ich zu einem Buch beitrug. Ich erlebe eine ganz neue Qualität im Umgang mit Büchern: Nicht nur, dass mir Autoren erlauben, ihre Texte zu setzen – ich illustriere und hinterfrage ihre Aussagen. Mir ihrer Erlaubnis. Gewünscht. Für den Druck (nicht erst danach). Die neue Idee: Mehrwert für den Nutzer und Bücher neu denken. Leser sollen nicht mehr Konsumenten des geschriebenen Wortes bleiben. Wir ziehen sie hinein ins draufrumdenken. Wir wecken ihren Widerstand. Wir konfrontieren unsere Ideen mit Ihrer Wirklichkeit.

So mischt sich heute in mir unbändige Freude, Stolz, Gelassenheit mit Nervosität, Lampenfieber und … irgendwas undefinierbares, schmetterlingshaftes Aufregendes. Ich beschäftige mich also noch einmal neu mit Typo – typographischer Ästhetik des Humanismus, um genau zu sein. Farbe, Laufweite, Ausrichtung, Lesbarkeit, Auszeichnungen, Rhythmus und Grauwert eines Schriftbildes – eine ganz neue Welt der Bücher öffnet sich für mich. Ich feile am Text bis er ohne vereinzeltes Wort am Absatzende steht. Keine Zeile soll verlassen von anderem Text auf einer Seite bleiben. Wie ziehe ich den Leser von einem Kapitel ins nächste? Ich ergänze Randnotizen. Das Ganze kombiniere ich mit der neu entdeckten Leidenschaft für Sketchnotes, Comic-Zeichnen und meinem kritischen Geist. Ich bin sehr neugierig, was mit dieser Erfahrung Neues wächst und meine Beziehung zu Büchern verändert.

Und ich bin gespannt, ob Leser diese Freude und Begeisterung, mit der wir uns an unser Buch wagten, spüren. Ob sich diese Energie überträgt, die uns dabei erfüllte.

Neugierig geworden auf unser Buch? Hier das Ergebnis eines wunderbaren, intensiven wie inspirierenden Austausches mit den Autoren:
wetten statt planen – new&able thinktalk mit Dagmar Woyde-Koehler & Gebhard Borck.

Unsere Leseprobe bringt hoffentlich die gewünschte Klarheit und läd ein, das Buch zu bestellen.

Ich danke Dagmar und Gebhard von Herzen. Gemeinsam mit ihnen freue ich mich nun auf die Fortsetzung der spannenden Gespräche mit Euch, unseren Lesern.

Bleib neugierig,

Dieser Artikel wurde verschlagwortet mit: Bücher, Druck, Publikation, geschriebenes Wort, Sketchnotes, Comic, Randnotizen, Lesen, LeseLust, Schreiben, Leseprobe



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