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Auf ins Grüne! Wandern in den Mai und Walk to Talk

29.03.2014 – Bleiben wir noch einmal bei liebgewonnenen Traditionen. Es gibt da nämlich in meinem Leben mindestens noch eine: das Wandern und regelmäßige Spazierengehen. Ich nenne es auch "den inneren Schweinehund Gassi führen". Ich beobachte an mir immer wieder: Wenn ich regelmäßig meinen Auslauf hatte, bin ich gelassener. Dann packe ich das Tagwerk mit Begeisterung an. Ich bin kreativer und offener für Neues. Das genial Einfache und einfach Geniale: Alles steht mir gratis zur Verfügung. Ohne Gebühren. Kein Geruch nach Schweiß. Stattdessen frische Luft, vielfältige Sinneseindrücke, Ruhe, Entspannung.

Seit ich mich zurückerinnern kann, ist der 1. Mai mit Wandern verknüpft. Nachdem dem Schwenken des Winkelements – einer leider unvermeidlichen politischen Aufgabe meiner Jugend – endlich hinter uns lag, schnürten wir die Stiefel. Als buntes Völkchen zogen wir in die Natur. Der obligatorische Mai-Umzug hatte uns zumeist so hungrig gemacht, dass wir die nächstbeste Lichtung ansteuerten und Rast machten.

In der Mitte breitete sich dann zumeist eine wunderbare Brotzeit aus frischem Brot, Emmentaler, ungarischer Salami, Gurken, Möhren, Äpfeln und selbstgebrautem Holunder- und Apfelsaft. Gestärkt und mit deutlich erleichtertem Gepäck war die Tour dann um so fröhlicher und unterhaltsamer. Unterbrochen nur noch von einer Keksrast (das musste sein!). Abgerundet – auch das war Tradition – wurde unsere Mai-Wanderung immer mit einem warmen Abendessen, entweder “Arme Ritter” oder ein “Bauernfrühstück”.

Tägliche Spaziergänge und wöchentliche Wanderungen waren vermutlich auch das, was meine Großeltern bis ins hohe Alter fit hielten. Ich habe sie oft begleitet, weil ich die Gespräche mochte und immer wieder neue Gegenden und Touren mit ihnen entdeckt habe. Ich freue mich, dass in meinem Bekannten- und Freundeskreis auch einige Wanderlustige sind. Denn mit Wandern verbinde ich verschiedene, für mich sehr schöne Dinge:

Die Schönheit der Natur

Unberührte Landschaft bietet so viel für alle Sinne: Vögel zwitschern, Hummeln summen, Blätter rascheln, Plätschern von Wasser, Schritte auf Kies, das Knacken von Ästen unter den Sohlen. Klopft ein Specht, vergewissere ich mich stets, dass ich mein Portemonnaie dabei habe. Meine Omi meinte immer “Hörst Du heuer erstmals den Specht und hast Geld dabei, reicht’s für’s ganze Jahr.”

Natur ist auch der Duft von Blüten, Sträuchern, Wiese, Feldern, Wald. Den Temperaturumschwung fühlen, wenn Du aus dem kühlen Schatten der Bäume auf eine sonnige Lichtung trittst. Sonnenstrahlen, die durch saftig grüne Blätterdächer scheinen. Das diamantene Reflektieren der Sonne auf einem See. Der Wind, der die Haare verwuschelt. Der Geschmack von wilden Erdbeeren, Brombeeren oder Heidelbeeren auf der Zunge.

Beim Wandern habe ich Zeit und Ruhe, alles zu genießen. Beim Anblick von Streuobstwiesen, überwucherten Waldwegen und gelben Rapsfeldern vor strahlend blauem Himmel überkommt mich die Freude am Fotografieren. Ich möchte diese genialen Bilder festhalten. Mich später – an grauen Tagen oder wenn es unvermeidlich ist, im Büro zu sitzen – daran erinnern.

Die Gesellschaft – schweigen und reden

Wandern mit Freunden ist aber mehr: Es ist gemeinsam ins Blaue gehen, etwas zusammen unternehmen. Miteinander plaudern – und nichts sagen müssen. Sich auf das Tempo des anderen einlassen. Sie/ihn vorneweg ziehen oder hinterhertrollern lassen. Sich wieder treffen. Einvernehmlich auf einem Ausblick in die Ferne schweifen. Erfahrungen und Erlebnisse, Ratschläge tauschen. Zuhören, mitdenken, Proviant teilen.

Unterwegs erfahre ich allerlei über meine Begleiter. Sind es Strategen, die einen fertigen Plan ausgearbeitet haben und nun minutiös umsetzen? Sind es Freigeister, die ihre Intuition beherzigen? Wie führt sie/er? Wie folgen die anderen? Sind es Frohnaturen oder Quälgeister? Gibt sie/er auf Schwächere acht? Wird das Vesper brüderlich geteilt? Bleibt die Gruppe beisammen? Bilden sich Grüppchen? Gibt es Einzelgänger? Vom Schnatterinchen bis zum Wortkargen sind mir unterschiedliche Persönlichkeiten begegnet.

Mehr Bauch und Herz, weniger Kopf

Morgens brauche ich zunächst zirka eine Stunde, bis meine Gedanken sortiert sind. Das ist die Zeit, die ich mich gern austausche oder auch schweige. Irgendwann schaltet mein Kopf auf Pause. Und meine Sinne stehen auf “Aufnahme”. Spätestens jetzt genieße ich es, zu schweigen. Einem tiefschürfenden Gespräch zuzuhören oder gar zu diskutieren ist mir aufgrund der zahlreichen Impressionen (siehe oben) zu viel. Sinnvolle Sätze bringe ich dann eher wenig zusammen. Auch wenn ich es in Gesellschaft hinderlich ist, kognitiv eingeschränkt zu sein – ich genieße diese Zeit.

Das, was im Alltag so super wichtig ist, wird sanft wieder zurecht gerückt. Es ist eine ganz besondere Form der Entspannung. Ich habe gelernt, darauf zu vertrauen, dass mein Unterbewusstsein durchaus weiter für mich arbeitet. Ideen, die ich beim Wandern entwickle, sind ohne Aufschreiben später – im richtigen Moment – abrufbar. Das macht es mir sehr leicht, unterwegs einfach loszulassen. Geistesblitze kommen und gehen. Ich lasse sie an mir vorbei ziehen. Ich verarbeite dadurch etliche Eindrücke aus meinem Alltag. Eine Wohltat!

Mein persönliches Wander-Setup

Denke ich an meine schönsten Ausflüge im Freundeskreis, so weiß ich von mir: Ich mag es, beim Wandern Zeit zu haben. Daher mag ich Ganztages-Wanderungen ohne fixe Zielvorgaben in Kilometern oder Stunden. Nicht zu früh aufstehen müssen, kommt mir auch entgegen. Mit Einbruch der Dunkelheit zurück sein, ist gut. Und ich mag es, Touren zu gehen, weniger Hin-Zurück-Märsche oder Drei-Mal-im-Kreis-Laufen.

Ich mag eine Mischung aus sich angenehm unterhalten und schweigend genießen können. Ich mag die Kombination aus meinem Tempo und mich auf andere einlassen. Meinen Schnitt von 4-6 km pro Stunde (je nach Gelände) schaffe ich zurzeit vermutlich nicht. Schnelle Läufer sind mit mir eher nicht glücklich. Ich teile gern mein Essen – am liebsten mit allen. Nicht freigiebig bin ich beim Wasser. Dafür ist jeder selbst verantwortlich.

Ich bin gern vorbereitet, halte mich jedoch nicht akribisch an den Plan. Es ist schön, kleine Abstecher einzubauen, wenn mich etwas spontan lockt. Oder auch Routen abzukürzen, wenn es die Tagesform nicht zulässt. Ich kann führen, freue mich jedoch genauso, geführt zu werden. Am besten funktioniert meine Orientierung, wenn ich auf meine Intuition und Erfahrung vertraue. Dafür brauche ich wiederum Zeit und mag es überhaupt nicht, dabei gehetzt zu werden.

Ich mag am Wandern das Einfache und Minimalistische. Wobei ich eine gute Ausrüstung (Schuhe, Kleidung, Rucksack, Wanderkarten) durchaus zu schätzen weiß. Im Setup nicht fehlen darf meine Spiegelreflex. Obschon ich mich an manchen Tagen bewusst entscheide, keine Kamera mitzunehmen und die Tour dann in meinem persönlichen Schatzkästchen verwahre.

Wanderung in den Mai

Bis 2011 bin ich regelmäßig mindestens ein Mal pro Quartal gewandert. Seither waren Wanderungen – aus verschiedenen, persönlichen Gründen – sehr rar. In diesem Jahr möchte ich meine liebgewonnene Tradition wieder aufnehmen.

Zurzeit laufe ich regelmäßig eine individuelle Abendrunde, um wie oben beschrieben, den Kopf frei zu bekommen und gleichzeitig meine Grundfitness zu fördern. Insofern macht mir auch die Initiative Walk to Talk besonders Spaß. Ich kann meinen eigenen Bewegungsdrang erfolgreich mit strategischer Beratung und geschickt mit dem Fördern vom Netzwerken verbinden. Eine Idee, die immer mehr Anhänger in ganz Deutschland findet, was mich besonders freut! Wer sich uns anschließen mag: die aktuellen Termine findest Du unter Inspirierende Ge(h)spräche im Grünen – Walk to Talk.

Die nächste Tageswanderung ist ganz traditionell für den 1. Mai geplant. Die ersten Freunde haben schon zugesagt. Nach aktueller Planung geht es in den Schönbuch. Wohin uns die Tour führt, werden wir in den nächsten Wochen beschließen. Ich freue mich über Vorschläge und Anmeldungen unter Wanderung in den Mai 2014. Dort findest Du auch mehr Infos zur geplanten Tour.

Viel Freude auf Schusters Rappen wünscht,

PS: Dieser Artikel erschien adaptiert ebenfalls via Walk to Talk. Dort rufe ich auch zu einer unbefristeten Blogparade auf und freue mich sehr über Gastbeiträge.

Dieser Artikel wurde verschlagwortet mit: Walk to Talk, Wandern, Spazieren, Gehspräche, Gespräche, Sinne, Sinneseindrücke, Entspannung, Ruhe, Alltag, Kreativität, Leistungsfähigkeit, innerer Schweinehund, Setup, Netzwerken



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