madiko Zeitmaschine

anno MMXVI – ein gutes Jahr

01.01.2017 – Ein Teil meiner Filterblase tat sich mit dem Jahr 2016 schwer. Zugegeben, so manche gesellschaftspolitische Entwicklung ist nicht schön. Mir ist es gerade deswegen wichtig, das Gute zu bewahren, es im Kleinen zu finden. Mit meinem Nischen-Thema bin ich es gewohnt, gegen den Strom zu schwimmen. Also konzentrierte ich mich unbeirrt darauf, meinen Teil zur Verbesserung der Lebens- & Arbeitswelten aktiv beizutragen; und ansonsten mal eher meine Klappe zu halten. Das war nicht immer einfach und das Bloggen hat mir doch sehr gefehlt. Es war auch gut und trug Früchte. Ein subjektiver Rückblick.

Vorherrschendes Gefühl 2016?

Die Saat und Jungpflanzen der vergangenen Jahre wachsen, gedeihen und tragen Früchte. Doch, so kann ich das Jahr 2016 für mich auf den Punkt bringen.


CC-BY-ND madiko & Tilo Hensel Media. Franziska Köppe mit den Teilnehmern des EnjoyWorkCamp 2016
[ Klick aufs Foto führt zum EnjoyWorkCamp ]

Mehrere Vereinbarungen mit Partnern und Kunden zu haben, die mich nicht nur bis zur selbstgewählten Kapazitätsgrenze ausbuchen, sondern von denen ich auch gut leben kann, steigerten meine Lebensqualität enorm. Diese Sicherheit ist fragil – sowohl unternehmerisch als auch emotional. Mein Kopf weiß, dass das immer so sein wird. Nichts ist beständiger als die Unbeständigkeit. Mein Herz wünscht sich vertieftes Vertrauen. Der Ökonom in mir wittert Morgenluft. Mein Körper weiß, dass das ein lebenslanger Balance-Akt sein wird.

Weite ich den Blick nun auf den Kontext, in dem ich mich bewege, so schaue ich mit zugleich Hoffnung und Sorge auf die Zukunft.

Die Hoffnung

… wird genährt, dass ich erkennen kann, wie die “NewWork”-Bewegung Schwung aufnimmt, weitere Anhänger und Mitstreiter hervor bringt und stärker wird. Teil dieser Transformation zu sein – sogar als “führende Persönlichkeit der NewWork-Bewegung” anerkannt zu werden – erfüllt mich mit Stolz und Frohsinn. Gastgeberin für eine Community zu sein, die sich Arbeitsfreude auf die Fahnen schreibt – ist einfach großartig. Was ich meine? Ich hoffe, mit unserem neuen EnjoyWork-Trailer kommt es zum Ausdruck:

Quelle: 2016 CC-BY-ND EnjoyWork: Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft

Und sonst so?

In all den Optimismus mischt sich Unbehagen ob der Entwicklungen, die sich anderorts ereignen:

  • Das Agieren der großen Medienhäuser: Statt guter Recherche geht es um Schnelligkeit? Wirklich? Und was ist das eigentlich, dass auf neonazistische Aktionen mit so viel Aufmerksamkeit reagiert wird. Die Massen-Medien verkommen immer mehr zu Angst-Schürern, Aufwieglern. Meiner Meinung nach geben sie den Gesellschaftstrollen viel zu viel Raum und Zeit. Es geht nicht ums “Klein-Reden” oder “Tot-Schweigen” – doch muss wirklich jeden Tag rassistische Hetze durch alle Medien-Kanäle verbreitet werden? Verstärkt durch diejenigen, die Kommentare auf Kommentare setzen? Macht es die Bewegung nicht größer und wichtiger als sie ist?
  • So wird etwas stärker, das ich nicht gutheißen kann. Die Zahl der AfD-Wähler in den Landtagswahlen 2016 zum Beispiel. Oder ein gewählter US-Präsident, der offen den Tod eines Menschen verkünden kann, sollte er jemals seinen Heimatboden wieder betreten. Türkei und Russland im Krieg von Syrien – was eine historische Stadt wie Aleppo innerhalb von fünf Jahren zum Trümmerhaufen verbrennt.
  • Die extrem gestiegene Zahl der Rüstungsexporte aus Deutschland auf der einen und die Feindlichkeiten gegenüber Flüchtlingen aus ebendiesen Krisengebieten auf der anderen Seite. Wann wird endlich dort der Zusammenhang gesucht, wo er tatsächlich liegt? Wann werden die Menschen zur Verantwortung gezogen, die von Krieg profitieren? Ach ja, da war doch was: Danke Süddeutsche Zeitung für den großartigen Investigativ-Journalismus rund um die “Panama-Papers”.
  • Den Rückbau von Privilegien der Freiheit wie beispielsweise das Recht auf freie Meinungsäußerung und unsere Würde – wie es mit der Vorratsdatenspeicherung, der Überwachung und anderen netzpolitischen Aktivitäten betrieben wird. Dass Edward Snowden der Tod droht, sollte Barack Obama ihn nicht noch bis 20.01.2017 begnadigen.
  • Die Tatsache, dass wir nun in ein Alter kommen, in denen unsere Idole ihr Lebensende erreichen. Manche in einem stattlichen Alter. Manche auch viel zu früh.

Es sind nur Stichworte, Fragmente, Puzzelteile eines großen Ganzen. Jeder Punkt würde mindestens einen Abend oder, virtuell gesprochen, einen Blogbeitrag füllen. Mir macht es die Sache nicht einfacher, die Zusammenhänge von Gesellschaftspolitik und Medien besser verstanden zu haben und dann das zu beobachten, was um uns geschieht.

Meine Lösung kann jedoch nur sein, um so konsequenter daran zu arbeiten, dass die Alternativen bekannt sind. Den Menschen Kraft, Mut und Zuversicht zu schenken, die sich auf den Weg machen, die Lebens- & Arbeitsbedingungen in ihrem Umfeld zu verbessern. Mein Optimismus wird immer die Sorgen und Nöte dieser Welt übertrumpfen. Das ist vermutlich dieser Sinn im Leben, von dem Viktor E. Frankl spricht:


CC-BY-ND madiko. Viktor E. Frankl über Verantwortung und Sinn [ Klick auf die Zeichnung für vergrößerte Ansicht ]

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Tiefe Demut empfinde ich stets, wenn mir Vertrauen geschenkt wird. Glücklich macht mich ein Lächeln. Zufrieden und zuversichtlich das Einhalten von Zusagen und Versprechen. Auch in diesem Jahr wurde ich reich beschenkt. Es sind diese Dinge, die meinen Lebensmut und meinen (Über)Lebenswillen stärken.

Die gefährlichste Unternehmung?

Das war wohl die unfreiwillige Fahrt mit Notarzt ins Krankenhaus dieses Jahr. Wieder einmal bin ich dem Tod nur knapp von der Schippe gesprungen.

Da ich aus Krisen und Notsituationen stets etwas lerne: Meine Freude am Leben hält unsägliche Schmerzen, Schlafentzug und Angstzustände aus. Ins Krankenhaus gebracht zu werden, ohne zu wissen, ob ich überleben werde – eine Grenzerfahrung, die ich niemandem wünsche. Doch dieses unzähmbare Glück zu empfinden, wenn der Körper nach schwarzen, langen Tagen wieder seine Selbstheilungskräfte aktiviert – das ist einfach großartig.

Liebes Universum, das reicht jetzt für den Rest des Lebens. Ich habe es nun verstanden. Ja? Danke.

Die meiste Zeit verbracht mit …?

Reflexion. In der Begleitung von Transformationsprozessen bin ich stets auf mehreren Ebenen zugleich gefordert: Da ist zunächst der konkrete Anlass, der Auslöser für die Arbeit. Ihn gilt es zu analysieren, auf das Muster und den Kern zu kommen. Wertvoll erweist sich, die Arbeitsebene von der Prozess- und Strategie-Ebene zu unterscheiden. Zugleich formen sich erste Ideen, wie wir die Sache für alle Beteiligten vereinfachen könnten.

Das geht einher mit dem Nachsinnen, was ich und vor allem wie ich denke und handle. Die Herausforderung dabei ist, das Intuitive in die bewusste Kompetenz zu holen. Die nächste Stufe: Diese Erkenntnisse so zu vermitteln, dass ich keine fertigen Ergebnisse liefere á la “So machst Du es jetzt.” sondern dem Gegenüber den eigenen Erkenntnisprozess ergebnissoffen ermögliche.

Die vierte Ebene ist dann die des Supervisors, Coaches und Mentors: Die Ruhe, die Gelassenheit aufzubringen, das das Tempo mein Gegenüber vorgibt. Das kann bedeuten, selbst kaum hinterher zu kommen. Oder aber ich kämpfe mit der eigenen Ungeduld.

Vielen Dank allen, die mich auf meiner Reise des Verstehens begleiten und uns die Nüsschen zum knacken mitbringen. Das macht mein Leben bunt, intensiv und sinnerfüllt.

Das größte Vorhaben?

Was mir dieses Jahr besonders gefehlt hat, war das Bloggen. Doch dafür gibt es einen sehr schönen Grund: Ich entschied mich, nun endlich die großen Vorhaben anzugehen: Buch-Projekte und die Multimedia-Publikationen, für die ich seit Jahren Material sammle.


CC-BY-ND madiko. Wetten statt Planen – Wie Du die Intelligenz Deiner Firma besser nutzt
[ Hier gratis das Probekapitel lesen. ]

Dagmar Woyde-Koehler, Gebhard Borck und ich veröffentlichten im April unser Buch Wetten statt Planen. Die gemeinsame Arbeit an diesem Werk hat meine Sicht auf Bücher für immer verändert. Wenn unser Bemühen dann von Menschen honoriert wird, die ich schätze, ist das doppelt schön. Zwei zitiere ich hier. Beide Rezensionen gehören in meine Motivationsschatzkiste und möchte ich mit Dir, liebe Leserin, lieber Leser gern teilen:


“Das ist ein wichtiges und richtiges Buch, in dem einmal klar und verständlich ein Kernproblem unseres überholten Denkens angesprochen wird. Und das so, dass ich gerne darin lese. Ich hoffe und wünsche dem Buch eine maximale Verbreitung und empfehle es gerne weiter. Super, wichtig, lesenswert und erhellend. Mein Lesetipp!!”
Wolf Lotter, verantwortlich für Schwerpunkte & Entwicklung bei brandeins


“Plans had their golden age in the industrial era. They are based on an analytical, engineering-type mindset that assumes reality can be captured and extrapolated in figures and rational intellectual constructs. Relative stability was the base criterion for planners. Even though thinkers such as Friedrich Hayek and Joseph Schumpeter had shown the futility of plans in the presence of dynamic and complex competitive markets, corporate planning became the norm in the 1970s and 1980s.

Mounting opposition to this type of ideas culminated in Henry Mintzberg’s critique of the strategic planning approach in the early 1990s, which tries to have it both ways: analysis (plan) and synthesis (strategy). For Peter Drucker, plans needed an immediate reality check: they ‘are only good intentions unless they immediately degenerate into hard work’. With this he shifted planning away from pure intellectual constructs towards action.

Fast forward to today: in a society where global digital networks are augmenting the natural networking capabilities of humans by leaps and bounds – and this is before the advent of a new layer of interconnection provided by the Internet of Things – the limits of traditional planning are increasingly evident. Complexity and uncertainty are visibly increasing. But what is the alternative?

The plan gave us the illusion of control, allowing us to measure deviations and take corrective actions to attempt to get back on track. However, the new realities won’t lend themselves to formal planning in the traditional sense. Take large software projects where the professional project management approach is complemented by new agile methods or Design Thinking and Lean Startup in which experimentation and prototyping are the norm.

A new synthesis between rigorous and systematic approaches that are at the heart of traditional management and emergent, flexible and adaptive ways of working towards results will have to be found. Big data and algorithms provide us with new tools, but human judgment, creativity and emotion will remain the essential ingredients of the 21st century society.

This booklet gets us thinking in a provocative way – its outrageous title is a wake-up call to challenge our mental models. It is a light-footed and humorous way to tackle a subject of fundamental importance. I was reminded of the great historical bets launched by John F. Kennedy with the quest to bring a man to the moon and back and by Thomas Watson Jr who staked the IBM company on the System/360 project. Yet even in the mundane areas of daily business we are faced with a similar type of challenge – making our own judgment calls to create the little piece of the future that we can contribute to the world. Enjoy the reading of an unconventional book!”
Dr. Richard Straub, President Peter Drucker Society Europe


Der Fortschrittsbalken für unser neuestes Sachbuch steht aktuell bei geschätzt 90%. Wieder bin ich Illustratorin und leiste meinen Beitrag dazu, dass es Spaß macht, sich mit den Thesen und Ideen von Gebhard auseinanderzusetzen. Wir ließen unsere Erfahrungen aus “Wetten statt Planen” einfließen. Es wird das Beste, das ich bisher veröffentlichen durfte. Womit natürlich das Lampenfieber verbunden ist, was Ihr, unsere Leser, dazu sagen werdet und wie der Markt darauf reagiert.

Bestenfalls gibt mir Erfolg weiter Rückenwind. Denn ich werde anschließend den Schritt zum nächsten “Level” wagen: Herausgeberin für die ersten “EnjoyWork”-Mukltimedia-Publikationen. Meine Intuition sagt mir: Es ist so weit. Genug Erfahrung und Material gesammelt – jetzt heißt es, ins kalte Wasser springen und schwimmen. Oder vielmehr: Transkriptionen, Lektorat, Redaktion, Film-Schnitt, Rendering, Web-Redaktion, Illustration, Design, … und dann in die Welt damit!

Die teuerste Anschaffung?

Die teuerste Anschaffung 2016 war keine Anschaffung, eher eine Befreiungsaktion. Nachdem ich 2012 voll auf eine Kooperation setzte, die dann jedoch nicht in gewünschter Form aufging und ich auch 2013 erneut Pech mit einer Gemeinschaftsarbeit hatte, bin ich sehr vorsichtig geworden, was Partnerschaften anbelangt. Um so mehr freut mich, wie konstruktiv und erfolgreich sich meine Zusammenarbeit mit Gebhard Borck gestaltet.

So ist es sicher auch mit seiner Empfehlung zu verdanken, dass ich meinen aktuell größten Auftrag erhielt. Und dieser wiederum ermöglichte es mir, nun auch die letzten Schulden in diesem Jahr zu tilgen. Ein bisschen ungläubig schaue ich noch einmal auf die Zahlen: 2012: ./. 95.000 EUR. 2016 schuldenfrei!

Konfetti für alle!

Die wichtigste Sache, die ich dieses Jahr gelernt habe?

Anfang des Jahres traf ich zwei wichtige Entscheidungen, die mir nicht leicht fielen. Sie erwiesen sich jedoch als sehr nützlich als es darum ging, mir Raum und Zeit für Reflexion und die Arbeit an den Publikationen zu schaffen:

  • Aufgeben oder zumindest Pausieren der ehrenamtlichen Arbeit für die PM Camp-Bewegung.
  • Besuch von Veranstaltungen auf ein Minimum reduzieren.

“Wetten statt Planen” ist nicht nur ein Buch, das ich veröffentlichte, es ist Teil meines Lebens geworden. Am stärksten wird es spürbar in der Anwendung auf meine Projekte. Ich arbeite – sowohl mit meinen Partnern und Kunden als auch für madiko – nur noch an einem großen Vorhaben. Ist das aktuelle fertiggestellt formuliere ich eine Wette, entscheide mich für das nächste und verfolge es konsequent bis es abgeschlossen ist.

Das hört sich einfacher an als es ist. Gerade bei so arbeitsintensiven Dingen wie Buch-oder Film-Projekten, oder auch in Transformationsprozessen. Ich neige dazu, Aufgaben auf der strategischen Ebene und auf grundsätzliche Weise anzugehen. Das macht es meinen Mitstreitern und mir oft komplex und aufwändig. Es kommt dabei nicht selten vor, dass wir einige Zwischenschritte gehen müssen, bevor wir letztlich den gewünschten Erfolg verbuchen zu können.

Was ich mit der Fokussierung auf ein Vorhaben lernte ist: Das gibt Kraft, beschleunigt die Arbeit enorm und erhöht deutlich die Qualität. Mithilfe eines individuellen Feedback-Systems, das uns einen Ist-Ist-Vergleich ermöglicht (nicht zu verwechseln mit dem Soll-Ist-Vergleich einer Planung), kürzten wir im letzten Jahr einige Lernkurven ab.

Es kostet Mut, Nein zu sagen. Ich könnte stets mehr Zeit gebrauchen. Meine Ideen übersteigen immer meine Ressourcen (irgendwie auch schön!). Das befriedigende Gefühl, dass sich einstellt, wenn etwas als fertig deklariert werden konnte – das ist jedoch unbezahlbar.

Ich danke drei Menschen, die mich – jeder auf seine Art – zu dieser Erkenntnis führten:

Gebhard und Holger kommen später im Jahr dazu noch persönlich zu Wort. Sie sind Teil der geplanten Publikationen, von denen ich oben sprach. Lass mich hier also Jake verlinken, dessen YouTube-Kanal nicht nur für Zeichner und Illustratoren interessant ist, sondern für alle Menschen, die ihr Leben und Arbeiten aktiv gestalten wollen:

Quelle: © 2016 “Finished — Not Perfect” by Jake Parker

2016 zum ersten Mal getan?

Wenn wir schon bei Jake Parker sind: Mein Novum 2016 war der inktober.


CC-BY-ND madiko. madiko inktober — challenge accepted [ Klick aufs Foto für die Beschreibung der Aktionen von Jake Parker und meine Zeichnungen ]

Leider konnte ich heuer nur einen minktober beisteuern. Der Oktober ist traditionell hektisch. Es ist der Vorbereitungsmonat vor dem EnjoyWorkCamp. Also die Zeit, in der ich mich um Dinge kümmere wie Catering organisieren, Auf- und Abbau-Team instruieren, Film-Team und Fotograf briefen, update der Profile (ja, das fällt den meisten leider erst kurz vorher ein *rüffel), mobile Bibliothek und LeseLust-Marktplatz moderieren, Druck der Namensschilder vorbereiten, letzter Aufruf an Sponsoren, Bildungspaten, Förderer und natürlich potenzielle Teilnehmer, Publikation des Who-is-Who und vieles vieles mehr. Dieses Jahr kam ich auch noch auf die Idee, eine Veranstaltungsmappe zu erstellen…

Das wird 2017 wohl nicht anders sein. Mal sehen, wie ich inktober dennoch in meinen Jahresrhythmus einbauen kann. Vielleicht vereinfache ich es mir dadurch, alles zeitlich zu entkoppeln: Die Zeichnungen in einer 30-Tage-Challenge wie von Jake empfohlen oder regelmäßig über das ganze Jahr verteilt und dann die Publikation (die ja auch viel Zeit benötigt) im Oktober. Kommt Zeit, kommt Rat. Zwei motivierende Ideen für Themen habe ich schon gefunden. Beide passend zu Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft.

2016 nach langer Zeit wieder getan?

Als ich mit siebzehn, achtzehn ernsthaft in Erwähnung zog, Architektur zu studieren, beschäftigte ich mich natürlich auch mit Perspektive, Raum und Form, Funktion, Materialien und so weiter. Das Thema hat mich nie losgelassen – wenngleich ich mich beruflich auf andere Fachgebiete spezialisierte. Es ist sehr cool, wie viele Anknüpfungspunkte sich allein 2016 ergaben, mich wieder intensiver mit Baustil und Bauweise zu beschäftigen:

Räumlich zeichnen

Lange Jahre dachte ich, räumlich zeichnen heißt, die Kanten auf zirka zwischen 9° und 45° zu zeichnen. Alles schön parallel. Dann ist das richtig. Heute schmunzle ich darüber.


CC-BY-ND madiko. Würfel perspektivisch gezeichnet [ Klick auf die Zeichnung für vergrößerte Ansicht ]

Seit ein paar Monaten erarbeite ich mir das Können rund um Perspektiv-Konstruktion aus dem Tutorium von Marshall Vandruff Perspective Drawing Series. Es ist das beste Video-Semiar, das ich zum Thema bisher fand. Es ist anspruchsvoll in der Umsetzung und ich lerne nur durch Üben-Üben-Üben. Was als Auffrischung dieser Lernmethode zur Abwechslung auch mal nicht schlecht ist ;-)

So langsam scheine ich jedenfalls das mit den Würfeln inklusive Licht und Schatten rauszuhaben… Nächste Stufe: Kugeln, Spiegelungen und alles was noch dazu gehört.


CC-BY-ND madiko. Verschiedene Kuben im Raum mit Schatten

Ich arbeite sowohl von Hand mit Bleistift oder Copics auf Papier als auch mit Stift-Tablet und Photoshop. Für letzteres hatte ich den Durchbruch als ich den Tipp von Daniel Lieske aufschnappte, die Perspektiv-Linien mit Pfaden anzulegen und sie so als Hilfslinien zu nutzen. Überhaupt ist Daniel eine Fundgrube an Inspiration. Was er mit einem digitalen Pinsel zaubert ist sagenhaft: “Wormworld”-Saga.

Das Photoshop-Training gibt es via video2brain: Digital Zeichnen in Photoshop. Wer dann auf den Geschmack gekommen ist, sollte gleich noch Illustrieren in Photoshop: Comics zeichnen, kolorieren, layouten und in Ergänzung zu MarshallArt Zeichnen lernen: Perspektive, Räumliche Tiefe erzeugen – Konstruieren mit Horizont und Fluchtpunkten anschauen.

Wie denkt ein Architekt?

Über das Zeichnen hinaus lese und recherchiere ich viel über Baukunst und ihre Wirkung auf uns Menschen. Mich fasziniert die wechselseitige Wirkung von Kultur und Bauwerk. Letztlich sind es die Menschen, die aus den Gegebenheiten etwas machen. Nichtdestotrotz verstärkt jede Umgebung eine positive wie auch eine negative Wirkung. Diese Zusammenhänge finde ich spannend.

Der Bauphysik nähere ich mich seit Jahren in der Zusammenarbeit mit Bertram Witz, einem Berater für Energie- und Gebäudetechnik. Dieses Jahr hat es nicht geklappt, dass Bertram oder Tilo Kiess dabei sind. Vielleicht gelingt es uns 2017 den Prototyp unserer 2012 entwickelten stromlosen Klimaanlage auf dem EnjoyWorkCamp zu präsentieren.

Die sich anbahnende Kooperation mit dem Industrieverband Büro und Arbeitswelt e. V. eröffnet mir weitere Einblicke. Sehr aufschlussreich war beispielsweise ein exklusives Gespräch mit Birgit Gebhardt über die Gestaltung von Arbeitsumfeldern und kreativen Lernfeldern, das kurz vor der ORGATEC stattfand. Eines der Gespräche, die ich für die Initiative EnjoyWork zusammenfassen, aufbereiten und publizieren möchte.

Wir beteiligten uns weiterhin am Architektur-Wettbewerb Architects Darling. Auch wenn wir letzlich nicht preisgekrönt wurden, erhielten wir nutzbringendes Feedback. Ich danke allen Teilnehmern und der Jury für eine wirklich konstruktive Rückmeldung. Im Auftrag nahm ich schon an unzähligen Wettbewerben teil und kann daher sagen: Das ist was Besonderes. Es hilft mir, mich in Architekten hineinversetzen und uns als Team so bessere Dienstleistungen für Architekten entwickeln zu können. Sehr wertvoll für die Professionalisierung meiner Arbeit.

Was machen die da? Hotelbau hinter den Kulissen

Ein weiterer Höhepunkt 2016 waren die Filmarbeiten rund um die Sanierung des Golden Tulip-Hotels in Offenbach am Main. Im Juni eröffnete am Standort das New Century Hotel.


© madiko. New Century Hotel: Patrick Schulze gebeugt über den Bauplan

Bauen im Bestand gehört mit zu den größten Herausforderungen im Bau. Dieses Projekt wurde zudem zur interkulturellen Herausforderung: Die Investoren und nun Betreiber sind Hoteliers aus China. Entstanden ist ein 4-Sterne-Hotel mit 5-Sterne-Service für internationale Gäste. Wir hatten die Gelegenheit, mehr darüber zu erfahren, wie es zum Projekt kam und wie es die Beteiligten in Erfolg verwandelten.


© madiko. New Century Hotel: Jianlin Dai, Geschäftsführer des New Century Hotels

Gemeinsam mit meinem geschätzten Film-Team führten wir lange Interviews mit Jianlin Dai / Geschäftsführer (mein erstes Interview in Mandarin! Dank Chen Tong, unserer Dolmetscherin, konnten wir uns wunderbar austauschen.), Rodderich Leffler / General Manager, Christian Naeve / Architekt, Patrick Schulze / Oberbauleiter und Pierre Lindenau / Projektleiter und verantwortlich für den Einbau der Echtglasduschen.


© madiko. New Century Hotel: Pierre Lindenau von Heiler bei der Qualitätssicherung für den Einbau der Echtglasduschen


© madiko. New Century Hotel: Patrick Schulze und Pierre Lindenau bei der Abnahme der Echtglasduschen

Die Erkenntnis, die ich auch hier wiederfand: Alle Beteiligten trugen zum Erfolg bei und nur mit Kooperation und Kollaboration gelang es, das Hotel zu eröffnen. Wir tauschten uns aus über Baukunst, internationale Zusammenarbeit, interkulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede von China und Deutschland, über Projekt Management, über Nachhaltigkeit, über Leben und Arbeiten mit seinen Herausforderungen und schönen Seiten. Allesamt sehr persönliche Gespräche. Ich freue mich darauf, in diesem Jahr das Material zu veröffentlichen.


© madiko. New Century Hotel: Rodderich Leffler begrüßt einen chinesischen Gast

Das leckerste Essen?

Über das Film-Projekt kam ich auch zum ungewöhnlichsten Essen in diesem Jahr. Im New Century Hotel (NCH) gibt es ein original chinesisches Restaurant, das Four Seasons Chamber. Wir filmten zwei Mal in der Hightech-Küche. Beide Male wurden wir von der jeweiligen Crew zum Essen eingeladen. Etwas, das wir nicht ausschlagen wollten.


© madiko. New Century Hotel: High-Tech Küche


© madiko. New Century Hotel: High-Tech Küche

Jedes Essen wurde zelebriert und war ein außergewöhnliches Erlebnis, das ich nur allen empfehlen kann. Keine Überraschung: Mit dem, was üblicherweise als “Chinesisch” verkauft wird, hat es nichts gemein. Überraschend ist jedoch der Geschmack und die Konsistenz der Speisen. Mir war es fremd und zugleich wohlbekömmlich. Ich könnte die Speisen nicht täglich essen (schon allein deswegen, weil ich auch in diesem Lebensbereich die Vielfalt liebe). Doch es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich im NCH zu Gast war. Mein Tipp für Interessierte: Geht am besten in einer Gruppe. Der wahre Clou liegt in der großen Auswahl zum Probieren.


© madiko. New Century Hotel: Four Seasons Chamber

Anschließend gönnt Euch noch einen Absacker in der Lounge. Die Cocktails, die wir natürlich nur für die Foto-Story richteten (*hüstel), sind saulecker!


© madiko. New Century Hotel: Lounge Bar

Das beeindruckendste Buch?

Das Beschäftigen mit meinen eigenen Erfahrungen und Gedanken, die Arbeit an unseren Büchern und die Projekte – da blieb neben dem Lesen von Neuem aus der Blogosphäre und Medien nicht viel Energie für Gedrucktes. Drei Werke erwiesen sich jedoch als wichtig. Danke Gebhard für die Lesetipps, die ich an Euch sehr gern weitergebe:

Ich verlinke via Affiliate-Link zu amazon. Kaufst Du das Buch über diesen Link, so honoriert amazon diese Empfehlung. Dieser kleine Bonus kommt der Initiative “EnjoyWork” zugute.

Das schönste Kultur-Erlebnis?


CC-BY-ND Tilo Hensel Media & madiko. EnjoyWork OpenStage 2016 [ Klick aufs Foto für mehr Info ]


CC-BY-ND Tilo Hensel Media & madiko. EnjoyWork OpenStage 2016 [ Klick aufs Foto für mehr Info ]

Das war ohne Frage die OpenStage am Freitag Abend vom EnjoyWorkCamp. ImproTheater, Lesungen, Poetry-Slam.


Nicht nur ich habe herzlich gelacht. Ich bin sehr angetan von dem, was hier entsteht.


CC-BY-ND Tilo Hensel Media & madiko. EnjoyWork OpenStage 2016 [ Klick aufs Foto für mehr Info ]


CC-BY-ND Tilo Hensel Media & madiko. EnjoyWork OpenStage 2016 [ Klick aufs Foto für mehr Info ]


CC-BY-ND Tilo Hensel Media & madiko. EnjoyWork OpenStage 2016 [ Klick aufs Foto für mehr Info ]

Mehr Fotos und Impressionen fotografiert von Tilo Hensel? Bitte hier entlang: EnjoyWork OpenStage 2016

Die schönste Zeit verbracht mit …?

… Freunden und vielen Menschen mit spannenden Lebensläufen. Danke für die wunderbaren, tiefgründigen und die humorvollen Gespräche.

2016 war mit einem Wort…?

Es war mir eine Freude!


Bleib neugierig,

Mehr davon?

Dieser Artikel wurde verschlagwortet mit: Jahresrückblick, Arbeitswelten, Lebenswelten, Sinn, Vorhaben, Unternehmen, EnjoyWorkCamp, Geschäftsmodell, Unternehmertum, Fotos, Reportagen, inktober, draufrumdenken, Transformation, Transformationsprozess, Reflexion, Wetten statt Planen, Bücher, Archite



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