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Jan Brendel im Portrait (Walk to Talk Frankfurt am Main)

17.06.2013 – Betreffen Zwangsversteigerungen nur hoffnungslos überschuldete Menschen mit einem verschwenderischen Umgang mit Geld? Nein. Jan Brendel weiß, dass es gerade gut verdienende Familien, Selbständige, Senioren, Akademiker trifft. Scham, Schuldgefühle und falscher Stolz hindern die offene Kommunikation mit Kapitalgebern. Menschlich überforderte Gläubiger und eine straffe Gesetzeslage stehen einer fairen Verhandlung im Weg. Aktion Neuanfang unterstützt beide Seiten, eine akzeptable, soziale und Gewinn versprechende Lösung zu erarbeiten. Ein Großteil dieser Gespräche findet in der Natur statt.

Franziska: Die meisten Zwangsversteigerungen sind wirtschaftlicher Unsinn. Das wissen alle Beteiligten, finden jedoch oft keinen Weg, frei zu handeln. Denn Geld ist nicht nur ein einfaches Zahlungsmittel. Mit Geld verbinden wir Macht, Einfluss – aber auch Abhängigkeit, sozialen Standard und individuelle Freiheit.

Sind wir in eine private Finanznot geraten, haben wir es also nicht nur mit einer sachlichen Angelegenheit zu tun, wir sind emotional und mental stark verhaftet. Dann werden Handlungen der Bank als ungerecht empfunden, persönlich genommen. Doch Forderungen von Gläubigern erklären sich oft durch gesetzliche und wirtschaftliche Bedingungen. Sie sind kein Rachefeldzug des Gegenübers.

Um die eigene Handlungskompetenz zu wahren, ist es hilfreich, alte und neue Fragestellungen mit der nötigen Distanz zu betrachten. Oft sind es liebgewonnene Gewohnheiten, die uns den Blick auf alternative Perspektiven verstellen. Das Ziel ist, (wieder) sicher und selbstbewusst im persönlichen Umfeld zu bewegen. Besonders in diesen heiklen Situationen unterstützt uns die Natur. Bei Gesprächen im Gehen lassen sich Dinge anders besprechen als an gegenüberliegenden Seiten eines Verhandlungstisches. Was zu zweit nicht gelingt, glückt möglicherweise zu dritt: Sich konstruktiv und fair auf Augenhöhe treffen, dafür brauchen wir mitunter einen neutralen Geschäfts- und Ansprechpartner.

Jan Brendel von der Aktion Neuanfang ist einer dieser Akteure. Gemeinsam moderieren wir Walk to Talk Frankfurt am Main, bei dem wir die Methode der Ge(h)spräche leben. Wir tauschen uns aus über Führung in Projekten, über zwischenmenschliche Kommunikation, über neue Wege des Wirtschaftens, das nicht auf eine Gewinnmaximierung fixiert ist.

Jan, bitte stelle Dich uns kurz vor. Wer bist Du und was machst Du?

Jan: Mein Name ist Jan Brendel. Ich bin geschäftsführender Gesellschafter von Aktion Neuanfang. Ich bewahre Menschen davor, durch eine Zwangsversteigerung Vermögen, Lebensmut und Gesundheit zu verlieren. Wir forschen seit vier Jahren nach Möglichkeiten, die Zwangsversteigerung zu vermeiden und – wenn es nicht gelingt – die Spätfolgen wie Altersarmut, jahrelangen Schuldendienst und verlorenes Selbstvertrauen zu mindern.

Es ist mir, meinen Partnern und unseren Unterstützern ein großes Anliegen, dieses gesellschaftliche Problem unseren Mitmenschen in das Gedächtnis zu rufen. Ein großer Teil unserer Klienten ist hochqualifiziert und ganz und gar nicht mittellos. Selbstständige, Senioren, Großfamilien – alle vereint die Fähigkeit ein gutes Einkommen zu beziehen. Kein Mensch, der sich den Traum seiner eigenen Immobilie, seinem zu Hause, verwirklicht hat, soll durch Dinge, die jedem von uns geschehen können, alles verlieren. Die Kosten für uns als Gemeinschaft sind immens und vielen Außenstehenden nicht bewusst.

Franziska: Als wir uns kennenlernten, stellten wir fest, dass wir beide Unternehmergespräche im Grünen führen. Was ist für Dich Walk to Talk? Worin liegt das Besondere?

Jan: Ich führe bereits jetzt schon einen großen Teil an wichtigen Gesprächen in der Natur durch. Der Geist öffnet sich beim Gang durch die Natur und dem Gefühl von Freiheit. Das trägt zur Ideenfindung und zur Entspannung bei. Vor allem das Gefühl von Freiheit ist ein Gut, dass ich gerne mit meinen Gesprächspartnern teile.

Das Besondere bei Walk to Talk werden für mich die Menschen und die Orte, zu denen wir uns leiten lassen, sein. Neue Menschen bringen frische Ideen, neue Ansichten und Lebensfreude mit sich – dies gilt es zu teilen und zu genießen.

Franziska: Aktion Neuanfang ist ein Social Business. Ihr widmet Euch dem Thema Zwangsversteigerung und tragt so zum Gemeinwohl in Deutschland bei.

Jan: Ja, ich bin Botschafter/in für Nachhaltigkeit weil Fairness und Offenheit im Geschäft, sowie im Privaten, selten gelebte Charaktereigenschaften sind und wir alle unser Leben lebenswerter machen können, wenn es fair zugeht.

Was für einen Planeten hinterlassen wir unseren zukünftigen Generationen, wenn Menschen sich belügen, ausnutzen und einzig das schnelle Geld sehen; wenn Wirtschaftskraft das einzige Maß ist an dem wir Menschen gemessen werden?

Wir verdienen unser Geld damit, Menschen aus einer Notlage zu befreien. Etwas Schöneres kann ich mir als Aufgabe auf diesem Planeten nicht vorstellen.

Franziska: Vielen Dank, Jan, für das Gespräch. Ich freue mich auf die Ge(h)spräche in Frankfurt am Main. Walk to Talk sind ohne Agenda, ohne Formalien und gratis. Wir folgen den Themen des Tages und sorgen für Erfahrungsaustausch aus der Praxis für die Praxis. Das erste dieser Ge(h)spräche findet bereits am Freitag dieser Woche statt. Wir treffen uns an der Friedensbrücke (Uferseite Westhafen Tower/Bahnhof). Jeder, der sich uns anschließen mag, ist dazu herzlich eingeladen.

Weitere Informationen

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Dieser Artikel wurde verschlagwortet mit: Walk to Talk, #WalktoTalk, Social Business, Gemeinwohl, Nachhaltigkeit, Zwangsversteigerung, Ausweg, Ge(h)spräche, Gläubiger, Schuldner, Beratung, Immobilieneigentümer, Hilfe, Projekte, Projektmanagement, Führen, Kommunikation, Handlungskompetenzen



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