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ecotastic: Im Kleinen Großes bewirken

20.06.2013 – Das Leben ist ein Spiel dachten sich ecotastic und schufen eine App, die es umweltbewussten Menschen ein bisschen leichter macht, Ideen kontinuierlich im Alltag umzusetzen. Statt mit erhobenem Zeigefinger zu drohen, greifen die drei Gründer Anna Yukiko Bickenbach, Ralf Gehrer und Fabian Lindenberg Themen und Probleme unserer Gesellschaft spielerisch auf. Und belohnen die Nutzer für Ihr Umweltengagement mit Gutscheinen. Dies wiederum ist ideale Basis für nachhaltige Unternehmer, Ihre Produkte und Dienstleistungen potenziellen Interessenten anzubieten. Franziska sprach mit dem Berliner Startup.

Franziska: Hallo Fabian. Bitte stelle Dich kurz vor. Wer bist Du und was machst Du?

Fabian: Hallo, ich bin Fabian Lindenberg, einer der drei Gründer von ecotastic. ecotastic ist ein Belohnungssystem für umweltgerechtes Verhalten. Die Nutzer unserer Smartphone-App sammeln virtuelle Punkte, z.B. für das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder für die Verringerung des eigenen Energieverbrauchs im Büro und zu Hause.

Sie stehen im spielerischen Wettstreit mit den übrigen Nutzern des Belohnungssystems. Ihre gesammelten Punkte können sie gegen Gutscheine unserer Partnerunternehmen eintauschen. Für diese Partner wiederum verbindet ecotastic Kundenbindungs- und Marketingmaßnahmen mit einer konkreten Möglichkeit zum sozialen Engagement. Schließlich stiften sie die Anwender zu umweltfreundlichem Handeln an.

Uns reizt insbesondere die Herausforderung ein profitables, nachhaltiges Unternehmen zu gründen, bei dem die eigene Gewinnmaximierung nicht an erster Stelle steht. Gleichbedeutend ist stets der Erfolg unserer selbst gesetzten, sozialen Mission: Wir bieten Privatpersonen einen Anreiz, im Alltag umweltgerechter zu handeln.

Franziska: Warum brauchen wir ein Belohnungssystem? Geht es nicht auch ohne?

Fabian: Deine Frage ist berechtigt, schließlich verfügen die meisten Menschen in Deutschland bereits über ein vergleichsweise starkes Umweltbewusstsein. Doch seien wir mal ehrlich: wir denken zwar alle umweltbewusst, oft scheitert die Umsetzung jedoch im Alltag:

Es ist bequemer, mit dem Auto anstatt dem Fahrrad zum Sport zu fahren, wenn es draußen nass, kalt, windig – einfach ungemütlich – ist. Und wer denkt schon dran, jeden Morgen den Thermobecher auszuspülen und einzupacken, damit auf dem Weg zur Arbeit die nötige Portion Koffein nicht aus einem Pappbecher sondern aus der umweltfreundlicheren Alternative getrunken werden kann?

Deshalb belohnen wir unsere Nutzer dafür, wenn sie ihr Umweltbewusstsein in konkrete Taten umsetzen. Neben den Gutscheinen, die sie sich aus unserem aktuellen Sortiment aussuchen können, sind Spielspaß und Wettstreit mit Freunden oder Arbeitskollegen große Motivationsfaktoren.

Franziska: Ihr verbindet also Gaming mit Nachhaltigkeit.

Fabian: Wenn der Kollege im Büro nebenan oder die beste Freundin in dieser Woche mehr Punkte sammeln konnte, stachelt es Anwender zu mehr umweltgerechten Handlungen an – so unser Hintergedanke. Außerdem können jetzt auch Personen, die längst schon umweltgerecht handeln, dank ecotastic endlich die verdiente soziale Anerkennung dafür ernten.

Franziska: Was können wir auf dem Weg zur Arbeit bzw. auf dem Nach-Hause-Weg tun? Was wäre ecotastic?

Fabian: Da fallen mir gleich mehrere Beispiele ein. Im „Newsfeed“ unserer App werden alle Aktionen gezeigt. Das bringt auch uns immer wieder auf neue Ideen. Entscheidend für den Arbeitsweg ist die Wahl des präferierten Fortbewegungsmittels: ecotastic wäre, kurze Strecken zu Fuß zu gehen oder mit dem Fahrrad zu fahren. Schlechtes Wetter zählt ja zum Glück nicht mehr als Ausrede.

Einen langen Weg ins Büro oder die Werkstatt kann man bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. Anders als bei der Autofahrt hat man hierbei die Hände frei, um einen Kaffee zu trinken und Nachrichten zu lesen. Ist man aufs Auto angewiesen, empfiehlt es sich, Fahrgemeinschaften zu bilden. Viele Unternehmen bieten im Intranet bereits die Möglichkeit, sich mit Kollegen zu verabreden. Auch für die Fahrt zu Sonderterminen, wie entfernte Geschäftstreffen oder mehrtägige Seminare, macht das Sinn.

Franziska: Doch mit der Wahl des Transportmittels hören die Möglichkeiten auf dem Arbeitsweg umweltgerecht zu handeln noch nicht auf. Stimmt’s?

Fabian: Der besagte „Coffee-to-go“ sollte nicht aus Plastik- oder Pappbechern getrunken werden, sondern aus einem wiederverwendbaren Pendant. Die Rolltreppe zur U-Bahnstation kann getrost links liegen gelassen werden, genauso der Aufzug zum Büro. Das hilft nicht nur der eigenen Gesundheit sondern spart auch noch Strom.

Franziska: Hast Du noch konkrete Tipps für den Arbeitsplatz?

Fabian: Angekommen am Arbeitsplatz geht’s gleich weiter: Ein und dieselbe Kaffee- bzw. Teetasse kann über den ganzen Tag genutzt werden, anstatt sich in der Kantine oder in der Küche wiederholt eine neue zu greifen. Auch in der Kantine sind Porzellantassen den Plastikvarianten vorzuziehen.

Gibt es keine Kantine, in der man zu Mittag isst, lohnt es sich, am Vortag etwas mehr zu kochen und die zweite Portion in Tupperware verpackt am nächsten Tag ins Büro mitzunehmen. So vermeidet man ungesundes und umweltunfreundliches Fast Food zu konsumieren. Auch die mitgebrachte Stulle gehört in Tupperware verpackt und nicht in Butterbrotpapier oder, schlimmer noch, Alufolie.

Doch genug des Kulinarischen. Wir empfehlen zum Beispiel auch, auf Ausdrucke zu verzichten. Eine E-Mail liest sich genauso gut auf dem Bildschirm wie auf Papier. Wenn doch gedruckt werden muss, kann kinderleicht im Druckermenü doppelseitiger Druck und bestenfalls sogar zweiseitiger Druck pro Blatt ausgewählt werden. Schon hat man seinen Papierverbrauch um ein Vierfaches reduziert.

Nicht mehr benötigte Druckerzeugnisse genügen als Schmierpapier. Erhält man Post, kann man sich in einer freien Minute die Mühe machen, das Klarsichtfenster aus dem Briefumschlag zu reißen und beides getrennt zu entsorgen. Verlässt man abends den Arbeitsplatz lohnt es sich den Computer herunterzufahren, den Bildschirm auszuschalten und Standby-Geräte vom Strom zu trennen.

Du merkst, ich könnte noch ein Weilchen weiter reden. Das Beste ist: Diese Beispiele stammen nicht von mir, sondern von unseren Nutzern. Immer wieder stoßen wir durch sie auf neue Ideen, welche Aspekte wir in unserem eigenen Verhalten ändern können.

Franziska: Was mich an Umweltschutz immer wieder fasziniert ist, wie viel wir erreichen können, wenn sich zahlreiche Menschen mit kleinen Beiträgen daran beteiligen. Wir als Konsumenten unterschätzen so oft unseren Einfluss. Dabei summiert es sich ja oft zu gigantischen Zahlen.

Fabian: Dem kann ich nur zustimmen. Wir glauben, dass es vermeintlich kleine Dinge im Alltag sind, die letztlich den größten Beitrag zum Umweltschutz leisten. Für uns ist der tägliche Mehraufwand oft zu vernachlässigen. Im Laufe des Jahres sammele ich jedoch unzählige Umweltpunkte. Wenn wir alle kleinen Schritte gehen, ist die Wirkung umso größer.

Für den einen ist es der Thermobecher, für andere die Fahrt mit den Öffentlichen, das Herunterdrehen der Heizung beim Verlassen der Wohnung, der Einkauf von ökologischen Produkten aus regionaler Herstellung, oder … Mit ecotastic macht umweltfreundliches Handeln endlich Spaß und bringt jedem die verdiente Anerkennung.

Franziska: Nun habt Ihr ecotastic von Anfang an als Sozial-Unternehmen angelegt. Schließlich soll Euer Eco-Social Business wirtschaftlich tragfähig sein und Euch ein angemessenes Einkommen sichern. Um die Hürde auf Nutzerseite möglichst klein zu halten, ist Eure ecotastic-App kostenlos. Auf der anderen Seite stehen die nachhaltigen Unternehmen, die das individuelle Engagement belohnen. Wen wünscht Ihr Euch als Kooperationspartner?

Fabian: Als Partner wünschen wir uns Unternehmen, die Nachhaltigkeit wertschätzen und aktiv fördern. Mit ecotastic bieten wir ihnen die Chance, ihre Werte und ihr Engagement an die Menschen zu kommunizieren, die zu ihnen passen. Als Partner von ecotastic steigern sie so ihren Bekanntheitsgrad. Sie erreichen unsere Anwender als potentielle Neukunden und engagieren sich gleichzeitig sozial. Denn ihre Gutscheine sind es letztlich, die unsere Nutzer zum Klimasparen motivieren.

Überfliegt man die Liste unserer aktuellen Partner-Unternehmen wird – denke ich – sichtbar, worauf wir bei der Akquise achten. Sie haben oftmals ein Geschäftsmodell, bei dem nachhaltiges Handeln an zentraler Stelle steht: So zum Beispiel das private Carsharing-Netzwerk Autonetzer.de, das unsere Nutzer mit einem 15 Euro Gutschein belohnt. Oder das junge Start-up etagen erika, welches 10 Euro Rabatt auf seine Bio-Balkonpflanzen aus der Region bietet. Nachhaltige Mode von slowmo und Visitenkarten aus klimaneutralem Druck von Print-Pool sind weitere Beispiele. Aus dieser Umweltdruckerei stammen übrigens auch unsere eigenen Flyer und Postkarten…

Franziska: Vielen Dank, Fabian, für dieses interessante Gespräch. Noch ein Satz zum Abschied?
Ich bin Botschafter für Nachhaltigkeit …

Fabian: …, weil sich auch kleine Schritte im Alltag lohnen!

Vielen Dank für das Foto an ecotastic und ihren Fotografen Matthias Jacob.

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