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Ramadān Karim! Tipps rund um ein nachhaltiges Fest (1/3)

09.07.2013 – Vielfalt der Kulturen bereichert die Innovationskraft von Unternehmen. Religiöse Feste können den Zusammenhalt der Belegschaft und eine motivierende Führungskultur stärken. Durch den Respekt der Traditionen schaffe ich eine Kultur des Vertrauens und Miteinanders. Wichtig für den Erfolg ist, alle Mitarbeiter in die Lösungsfindung für die einhergehenden Herausforderungen und die Umsetzung der Entscheidungen einzubeziehen. Mitbestimmung im Unternehmen bietet gleichzeitig die Chance, ökologische und soziale Aspekte sowie nachhaltig-unternehmerisches Denken zu fördern.

In der zweiten Sure, Vers 181 des Korans heißt es „… und esset und trinket, bis ihr einen weißen Faden von einem schwarzen in der Morgenröte unterscheidet. Alsdann haltet streng das Fasten bis zur Nacht“. Für weltweit ca. 1,6 bis 1,7 Milliarden Muslime, das heißt fast jeden vierten Mensch auf unserem Planeten, beginnt heute (am 9. Juli 2013) der Ramadān. Sie sind Araber, Kurden, Berberen oder stammen aus Idonesien, Pakistan, Indien, Bangladesch, Persien, Nordafrika und dem Balkan.

Bereits seit dem 17. Jahrhundert leben Moslems in unserem Land. 1763 wurde im Zuge der preußisch-osmanischen Kontaktaufnahme eine ständige osmanische Gesandtschaft in Berlin eingerichtet. Die heutige Präsenz von 3,8 bis 4,3 Millionen Muslimen ist jedoch in erster Linie eine Folge der Arbeitsmigration der 1960er und 1970er Jahre. Die überwiegend männlichen Migranten sind mit durchschnittlich 30 Jahren im Vergleich zur gesamtdeutschen Gesellschaft deutlich jünger. Etwa 60 bis 75 % von ihnen begehen alle neun Monate den Ramadān.

Glaube besiegt Hunger, Durst und die Sehnsüchte nach Genuss

Der Ramadān gehört zu den fünf Säulen des Islam: Das Glaubensbekenntnis (Shahāda), das Gebet (Salāt), die Almosensteuer (Zakāt), das Fasten im Monat Ramadān (Saum) und die Pilgerfahrt nach Mekka (Hajj). Solange die Sonne scheint, darf während der 30 Tage nichts von außen in den Körper eindringen – weder Speisen, Getränke noch Zigarettenrauch. Liebende verzichten auf Sex. Es ist die Zeit der Nächstenliebe und Bescheidenheit. Viele Muslime beten im islamischen Fastenmonat für Frieden und Stabilität in ihrem Land.

Ramadān ist arabisch und bedeutet sinngemäß „der heiße Monat“ oder auch „brennende Hitze und Trockenheit“. Gemeint ist damit zum einen das Brennen im Magen, das durch das Fasten ohne Speisen und Getränke ausgelöst wird. Es wird zum Zweiten als ein „Ausbrennen der Sünden“ interpretiert. Zum Fasten im neunten Monat des islamischen Mondkalenders ist jeder praktizierende Muslim verpflichtet, der in vollem Besitz seiner Geisteskräfte, volljährig und körperlich dazu imstande ist. Vom Fastengebot ausgenommen sind kranke Menschen, Kinder bis zur Pubertät, schwangere und stillende Frauen oder Reisende.

Ramadān ist vor allem eine Zeit von Nähe und Gemeinsamkeit. „Die schönste Zeit im Ramadān ist die Zeit nach dem Fastenbrechen in den späten Abendstunden. Mit engen Freunden und Verwandten sitzt man bei Tee oder Kaffee in gemütlicher Runde. Im Alltag außerhalb des Ramadan hat man dazu oft nicht die Zeit.“ formuliert es Buchautor Eren Güvercin. Das Ende des Ramadān wird mit dem Zuckerfest gefeiert. In ihren schönsten Kleidern gehen Muslime morgens in die Moschee und beten, dass Allah ihnen nun ihre Sünden vergibt und sie segnet. Anschließend feiern sie im Kreis der Familie und mit Freunden.

Der Respekt vor Traditionen anderer Kulturen stärkt die Unternehmenskultur

Meine erste Begegnung mit dem höchsten Fest der Muslime hatte ich vor knapp 13 Jahren. Als Marketing-Managerin war ich für die interne Kommunikation und damit für die Firmen-Weihnachtsfeier verantwortlich. 2000 fiel sie just in den islamischen Festmonat. Uns war wichtig, die Interessen der Kollegen in Einklang zu bringen und niemanden von den Feierlichkeiten auszuschließen.

Es freut mich heute noch, dass mir mein damaliger Chef und Geschäftsführer des Konzerns seinerzeit sein Vertrauen geschenkt hat. So war es mir möglich, Mitarbeiter verschiedener Konfessionen aus der ganzen Welt zu gewinnen und mit allen gemeinsam ein „Fest der Kulturen“ (statt einer „Weihnachtsfeier“) zu organisieren. Zum Erfolg der Feier hat sicherlich beigetragen, dass wir hohen Wert auf die Transparenz der Beschlüsse legten. Jede Gruppe entsandte einen Vertreter in das Orga-Team.

Wir hatten in der Arbeitsgruppe viel Spaß und tauschten uns anregend über die verschiedenen Traditionen und Wünsche aus. Über den offenen Dialog traten die Unterschiede in den Hintergrund. Wir fanden für alle Bedürfnisse eine sinnvolle Lösung. Mithilfe des vorher festgelegten Budgets stellten wir so schöne Ideen auf die Beine. Das Wertvollste war die gewachsene Unternehmenskultur. Wir sind in den Wochen der Vorbereitung als Menschen zusammengerückt. Das haben wir in zahlreichen – vor allem den einschneidenden – Entscheidungen später sehr deutlich wahrgenommen und erneut bekräftigt.

Ich habe Respekt vor den Traditionen der Kulturen und sehe Diversität als Bereicherung für die Innovationskraft von Unternehmen an. Je selbstbestimmter Menschen leben können, desto mehr Enthusiasmus empfinden sie im Spannungsfeld Leben-Arbeiten. Je besser es den Menschen im Beruf gelingt, mit Toleranz und Achtsamkeit miteinander zu arbeiten, desto größer wird der gemeinsame Erfolg.

In den beiden folgenden Blogbeiträgen fasse ich meine Tipps an alle – Muslime und ihre Geschäftspartner, Führungskräfte und Kollegen – für ein nachhaltiges Fest des Ramadān zusammen:

In diesem Sinne: Ramadān Karim! Ich wünsche uns einen friedlichen und besinnlichen Ramadān sowie allen (praktizierenden) Muslimen ein glückliches Zuckerfest ab dem 9. August 2013,

Quellen und Weiterlesen

Dieser Artikel wurde verschlagwortet mit: Ramadan, Fasten, Fastenzeit, Unternehmenskultur, Diversität, Vielfalt, Kultur, Toleranz, Religion, Tradition, Mitbestimmung, Respekt, selbstbestimmt Leben, selbstbestimmt Arbeiten, Führung, Personalentwicklung, Motivation



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