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Ein Startup ist ein Projekt ist ein Startup: PM Camp Berlin 2013

08.08.2013 – Erfolgreiche Unternehmer gestalten die Startup-Phase Ihrer Gründung als Projekt. Erfolgreiche Unternehmer sind und bleiben Entrapreneure. Ihnen ist gemein: Sie wollen bewegen. Etwas Neues zum Erfolg führen. Berlin ist Startup-Hochburg in Deutschland. Das Orga-Team des lokalen PM Camps läd daher Experten mit Anfängergeist in die Hauptstadt ein. Ich sprach mit Heiko Bartlog über die Zukunft des Projekt-Managements und den Schlüssel zum Projekt-Erfolg. Über Pitches. Über Design Thinking. Über Fehlerkultur. Und warum es sich lohnt, am 13. bis 15.09. beim PM Camp Berlin dabei zu sein.

Franziska: Hallo Heiko. Bitte stelle Dich kurz vor. Wer bist Du und was machst Du?

Heiko: Ich bin vor allem ein neugieriger Mensch: Innovationen faszinieren und motivieren mich. Denken macht mir Spaß: Natürlich nach aber auch vor und gerne quer! Menschen finde ich spannend, manchmal sogar inspirierend: Mit den meisten kann ich auch gut zusammenarbeiten. Die Welt ein ganz klein bisschen besser zu machen, das treibt mich an!

Zu den Fakten: Nach dem BWL-Studium mit einigen Projekten durfte ich ein großes SAP Einführungsprojekt koordinieren und bin auf den Geschmack gekommen. Es folgten knapp 12 spannende Jahre und unzählige Projekte als Projektmanager, Berater für Projektmanagement, die letzten Jahre als Führungskraft bei Campana & Schott.
Aktuell arbeite ich an eigenen Geschäftsideen und helfe anderen mit meiner Expertise.

Franziska: Das sind knapp anderthalb Dekaden Berufserfahrung im Projekt-Management – worin liegt die Zukunft?

Heiko: Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die Zukunft liegt im Projekt-Management! Im Ernst: Meines Erachtens sollte sich das Projekt-Management nicht zu ernst nehmen. Wichtig ist, was bei den Projekten heraus kommt! Projekt-Management ist Mittel zum Zweck, kein Selbstzweck!

Leider treffe ich zu oft auf Experten und Verantwortliche, die Projekt-Management um des Projekt-Managements Willen perfektionieren. Sie verlieren dabei das eigentliche Ziel aus den Augen: Projekte sollen Neues erschaffen, sollen etwas verbessern, sollen das Unternehmen zum Erfolg führen. Je nach Projekt wählt man die jeweils passenden Methoden, pragmatisch, nicht dogmatisch.

Franziska: Dem kann ich nur zustimmen. Lass uns das noch einmal genauer betrachten. Wann gelingen Projekte? Was ist für Dich der Schlüssel zum Erfolg?

Heiko: Aus meiner Erfahrung gelingen Projekte dann, wenn alle (idealerweise: alle!) an einem Strang ziehen. Wenn ein eingespieltes Projektteam eine gemeinsame Mission motiviert verfolgt, sich gegenseitig vertraut und den Erfolg wirklich will. Es kann nicht schaden, wenn Projekt-Manager auf der Klaviatur der Projektmanagement-Methoden virtuos zu spielen verstehen. Notwendig sind auch kommunikative Fähigkeiten. Den entscheidenden Unterschied jedoch macht der Wille zum Erfolg.

Dabei spielt Führung im eigentlichen Sinne eine immer bedeutendere Rolle. Es wird sicher spannend, wenn Maik Pfingsten mit uns über seine Erkenntnisse diskutieren wird, wie sich Führung (vor allem auf den höheren Ebenen) verändern muss, wenn Projekte zu agileren Vorgehensweisen wechseln, und wo die Schwierigkeiten dabei liegen.

Mein persönliches Fazit nach 15 Jahren Projekt-Management: Es sind die Menschen, nicht standardisierte Abläufe und Methoden oder gar IT-Werkzeuge, die ein Projekt zum Erfolg führen. Eberhard Huber hat dies auf dem ersten PM Camp 2011 in Dornbirn sehr schön erläutert.

Apropos Gelingen: Zwar sagt jeder „aus Fehlern wird man klug“ doch eine echte Fehlerkultur oder Kultur des Scheiterns ist noch immer Mangelware. Ich freue mich daher sehr, dass Jörn Hendrik Ast uns einen ganz besonderen, persönlichen Impuls zum Thema Scheitern geben wird!

Franziska: Du organisierst dieses Jahr zum ersten Mal das lokale PM Camp in Berlin. Warum? Was ist das Besondere?

Heiko: Ich war auf dem allerersten PM Camp 2011 in Dornbirn. Das war spannend! 2012 kam ich erneut nach Dornbirn und es war wie ein großes Familientreffen – nur ohne die blöden Verwandten!

Noch vor Ort habe ich mit Ralf Eichner beschlossen, dass wir dieses Erlebnis nach Berlin bringen müssen! Christian Vogel konnte leider nicht nach Dornbirn kommen, hat sich uns aber über Twitter sofort angeschlossen! Später stieß noch Fabian Fier hinzu, der 2011 mit mir in Dornbirn war.

Die Organisation des PM Camps in Berlin ist ein Projekt – und da viele Köche bekanntlich den Brei verderben, ist es überaus spannend, wie ein Projekt mit so vielen Projekt-Managern gelingen wird …

Im Ernst: Es macht Spaß und wir freuen uns schon riesig auf das Event! Und wir hoffen auf ganz viele Teilnehmer – denn 1) das PM Camp ist eine tolle Erfahrung und 2) Berlin ist immer eine Reise wert!

Franziska: Ihr habt das Motto “Voneinander lernen: Ein Startup ist ein Projekt ist ein Startup?” ausgerufen. Wie interpretierst Du diesen Ansatz? Welche Fragen stellst Du Dir dazu?

Heiko: Berlin ist Startup-Hochburg. Wir haben uns schon früh die Frage gestellt, ob ein PM Camp nicht auch für Gründerinnen und Gründer interessant sein könnte. Wir glauben ja. Ich bin der Überzeugung, dass Projektmanager von Gründern lernen können. Und umgekehrt!

In meinen Augen handelt es sich im Idealzustand um Entrepreneure und Intrapreneure. Beide haben die Mission, etwas zu bewegen, etwas Neues zum Erfolg zu führen. Beispielweise steht ein Gründer immer wieder vor der Herausforderung, sein Startup zu erklären – im Rahmen eines „Pitches“ versucht er potentielle Investoren zu überzeugen.

Das klingt zunächst einmal nach einer sehr speziellen Herausforderung! Doch müssen nicht auch Projektmanager ihre Projekte immer wieder vor ihren Sponsoren erläutern? Marcus Raitner hat diesen Gedanken in seinem Blog aufgegriffen: Projekte verkaufen. Mit Alexander Kölpin konnten wir einen ausgewiesenen Fachmann für einen Impuls gewinnen.

Ich denke, die Gemeinsamkeiten sind größer, als man spontan denkt. Gleichermaßen erscheint mir aktuell kaum ein Austausch zwischen beiden Gruppen stattzufinden. Manch ein Gründer entgegnet mir, dass er in den ersten Jahren doch noch gar kein Projektmanagement benötigt. Manch ein Projektmanager reagiert mit Desinteresse und befürchtet eine Spaltung der Veranstaltung, wenn Startup-Themen auf der Agenda stehen.

Doch wo, wenn nicht auf einem PM Camp in Berlin, besteht die Chance, beide Gruppen einander ein Stückchen näher zu bringen? Zum Beispiel durch Impulse zum Thema Design Thinking und Fehlerkultur aus dem Hause Dark Horse.

Franziska: Ich bin mir sicher, das wird für beide Seiten wertvoll: Wissen teilen – Wissen vermehren. Das Ganze praxisnah. Darin liegt ja einer der bestechendsten Gründe, weswegen ich mich für open PM engagiere.

Was mich vor allem mit den Teilgebern des Netzwerkes verbindet ist, dass wir uns fragen, wie Menschlichkeit stärker Einzug in den Berufsalltag findet. Wie wir unserem Beruf und den Projekten Sinn geben können und andere mit unserer Begeisterung anstecken.

Wir beide gehören der open PM Community an, die hinter den PM Camps steht. Was ist für Dich das Besondere am PM Camp?

Heiko: Ich finde es toll, dass das PM Camp das Thema Projekt Management zwar als Kern behält aber über den eigenen Tellerrand hinaus blickt und so ganz unterschiedliche Menschen und Themen vereint. Daraus schließen sich neue Netzwerke. Daraus entsteht Bewegung und Veränderung.

Das spiegelt sich auch schon in unseren Medienpartnern wider: Mit Projektwerk erreichen wir viele freiberuflich tätige Projektmanager. Mit changeX erreichen wir Leser, die sich darüber hinaus für Zukunftsideen, neue Wirtschaft und Innovation interessieren.

Ich habe ja berichtet, dass ich persönlich von der Wirksamkeit von standardisierten Vorgehensweisen, Prozessen, Methoden und IT-Werkzeugen inzwischen nicht mehr sehr überzeugt bin. Stattdessen sehe ich den Schlüssel zum (Projekt-)Erfolg in der Arbeitskultur, in den Menschen und ihrem Vertrauen untereinander, in sinnstiftender und motivierender Arbeit, in „menschlichen“ Organisationen mit Persönlichkeiten.

Es ist toll, dass ich die PM Camp-Bewegung dazu nicht verlassen muss, sondern innerhalb dieser Community gleichgesinnte Menschen finde, die am selben Strang ziehen! So freuen wir uns zum Beispiel auf einen hochinteressanten Beitrag von Olaf Lewitz und Christine Neidhardt zum Thema Arbeitskultur und Vertrauen als auch auf einen sicherlich gewohnt überraschenden Impuls von Nadja Petranovskaja rund um das Thema Motivation.

Das finde ich großartig und spannend für die Zukunft!

Franziska: Heiko, vielen herzlichen Dank für die spannenden Impulse!

Heiko: Gerne!

Franziska: Liebe/r LeserIn: Kein Halten mehr? Du willst dabei sein? Hier findest Du den Link zur Anmeldung zum M Camp Berlin am 13. bis 15. September, gebündelt alle im Interview verlinkten Blogbeiträge sowie weitere interessante Beiträge rund um open PM, Projekt Management Praxis und PM Camps / BarCamps allgemein:

Ich wünsche allen open PM Akteuren und Teilgebern auf PM Camps viele inspirierende Impulse!


Weitere meiner Gespräche mit Unternehmern

unterschiedlichster Branchen und Disziplinen findest Du via Zeitmaschine > Interviews

Dieser Artikel wurde verschlagwortet mit: PM Camp, Berlin, 2013, open PM, Projekt Management, Projektmanagement, Projekt-Management, Projekte, Startup, Gründung, Unternehmensgründung, Erfolg, Design Thnking, Fehlerkultur, Zukunft der Arbeit



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