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Florian Schweer und die Bauchkröte - LifeWorkCamp 2013

20.08.2013 – Leider neigen wir dazu, uns mit dem Thema Gesundheit erst dann auseinanderzusetzen, wenn sich die ersten Zipperlein regen oder uns der Körper krankheitsbedingt eine Auszeit verordnet. Florian Schweer ist Impulsgeber des LifeWorkCamp 2013. Ich unterhielt mich mit dem Unternehmer über Gesundheit und Gesundheitsmanagement. Zum 30sten Geburtstag hat er sich eine Auszeit geschenkt und ist aus der Finanzbranche ausgestiegen. Heute produziert und vertreibt er Produkte, die er mit Händen greifen kann. Er wünscht sich Führungskräfte, die die Gesundheitsförderung ernst nehmen und unterstützt sie dabei.

Franziska: Hallo Florian. Bitte stelle Dich kurz vor. Wer bist Du und was machst Du?

Florian: Ich sehe mich selbst als „Business-Allrounder“, der sehr viele Fähigkeiten und Qualitäten in einer Person vereint. Ursprünglich komme ich aus dem Bank- und Wertpapierbereich. Zwischen 2003 und 2012 war ich bei mehreren Unternehmen in unterschiedlichen Positionen am Börsenplatz Stuttgart tätig.

Durch den Tipp einer Freundin bin ich auf die Heilpraktikerin Heike Mayer gestoßen, die mich erfolgreich hinsichtlich meiner Rückenbeschwerden behandelt hat. Mehr oder weniger zufällig wurde die Idee geboren, dass ich die Produktion für die von ihr entwickelte bauchkröte® übernehme.

Im Mai 2013 gründete ich die Florian Schweer Beratungs- & Vertriebsgesellschaft mbH (FSBV GmbH). Mit der bauchkröte® vertreibe ich mein erstes Produkt zur Prävention und Bekämpfung von Rückenproblemen. Unternehmen und öffentliche Einrichtungen können sie im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements einsetzen.

Darüber hinaus bin ich aktives Mitglied bei den Wirtschaftsjunioren Rems-Murr e.V. und engagiere mich ehrenamtlich im Rahmen einer Kooperation mit dem Berufsbildungswerk Waiblingen (BBW) im Bereich Bewerbercoaching für Auszubildende am BBW.

Franziska: Du hast fast eine Dekade für die Gruppe Börse Stuttgart gearbeitet. Was war für Dich der Auslöser, dass Du das Thema Gesundheit zu Deiner Berufung gewählt hast?

Florian: Zu meinem 30. Geburtstag habe ich mich selbst mit einer mehrmonatigen Auszeit beschenkt und mich aus der Finanzbranche verabschiedet. Der Antrieb, mich beruflich zu verändern, bestand vor allem darin, durch meine Tätigkeit etwas zu schaffen, das ich mit Händen greifen kann. Darüber hinaus wollte ich kreativer arbeiten, innovative Ideen weiterentwickeln, daraus vermarktbare Produkte generieren und so einen Mehrwert für meine Kunden schaffen.

Franziska: Zentraler Kern Deiner Tätigkeit ist die Gesundheit. Ein sehr interessantes Thema, mit dem wir uns (privat) jedoch oft erst dann beschäftigen, wenn die Zipperlein anfangen.

Florian: Das Thema mit den Zipperlein kenne ich sehr gut. Ich sehe beispielsweise meinen Zahnarzt deutlich seltener als ich sollte. Meistens nur dann, wenn etwas zu „reparieren“ ist.

Ich habe zwischen 2003 und 2012 nicht unbedingt den gesündesten Lebenswandel gepflegt. Beim Essen war gerne „gut und reichlich“ angesagt. Den alkoholischen Kaltgetränken war ich definitiv auch nicht abgeneigt. Und bis 2009 war ich zudem guter Kunde der Tabakindustrie.

Bewegung und Sport fanden, bedingt durch Schichtdienst, lange Arbeitszeiten und natürlich den stark ausgeprägten inneren Schweinehund, faktisch nicht mehr statt. Das Ergebnis waren fast 40 Kilo mehr auf den Rippen und die machen sich dann irgendwann bemerkbar.

Franziska: Die größte Herausforderung, die ich im Thema Gesundheit sehe, ist ja immer wieder diesen Spagat zwischen Wünschen und Können, zwischen guten Vorsätzen und Schweinehund zu meistern.

Florian: Zur Integration in den Alltag benötigen wir effektive Trainingsmethoden und –geräte, für deren Durchführung bzw. Anwendung wir uns nicht extra zeitliche Freiräume in unseren Terminkalendern einplanen müssen.

Mit der bauchkröte® gelingt das deswegen so gut, weil 15-20 Sekunden pro Tag ausreichen. Einer meiner Pilotkunden (eine Steuerberatungsgesellschaft) testet aktuell den Einsatz. Wobei die Anwendung und die Durchführung des Trainings im häuslichen Umfeld des jeweiligen Mitarbeiters stattfindet.

Franziska: Ein gesunder Lebensstil fällt mir am leichtesten, wenn ich die gesundheitsförderlichen Dinge ganz selbstverständlich in meinen Alltag integrieren kann. Mich mit potenziellen Kunden und neuen Geschäftspartner zum Spaziergang statt im Büro zu treffen. Mit dem Rad zu Terminen fahren. Mir tut diese Form der Arbeit gut. Dieser Funke springt auch auf mein Gegenüber. Inzwischen fragen meine Kunden und Geschäftspartner sogar danach. So sind die Initiativen Walk to Talk und FAHRRADkultur entstanden. Was bietet Ihr interessierten Unternehmern an?

Florian: Was die Integration von gesundheitsfördernden Maßnahmen angeht, gibt es weder im privaten noch im beruflichen Umfeld ein Patentrezept. Im Unternehmen besteht die erste Herausforderung darin, die aktuelle Situation realistisch wahrzunehmen.

Daran scheitern insbesondere angestellte Führungskräfte in den oberen Management-Ebenen, Stichworte: Flughöhe und Realitäts-Entkoppelung. Nur wer sein Unternehmen und seine Mitarbeiter kennt, wird die richtigen Maßnahmen auswählen können und Gesundheitsinitiativen erfolgreich und nachhaltig implementieren.

Franziska: Bietet Ihr hierfür ein Audit?

Florian: Ich biete in diesem Zusammenhang an, Unternehmer und Führungskräfte bei der strukturierten Analyse des eigenen Unternehmens zu unterstützen. In einem ersten Schritt werden Gespräche mit Mitarbeitern aus unterschiedlichen Fachbereichen und quer durch alle Hierarchiestufen geführt. Oftmals sind bereits viele gute Ideen für gesundheitsfördernde Maßnahmen im Unternehmen vorhanden, diese gilt es zusammen zu tragen.

In einem zweiten Schritt wird ein Maßnahmenkatalog, passend zu den Gegebenheiten des jeweiligen Unternehmens (z.B. Budgets, Struktur und Interessen der Belegschaft) erstellt. Darüber hinaus suche ich nach den passenden Anbietern für die gewählten gesundheitsfördernden Maßnahmen.

Franziska: Maßnahmen oder auch Produkte aussuchen und das Ganze erfolgreich im Unternehmen umsetzen sind ja zwei paar Stiefel. Welche Faktoren spielen aus Deiner Sicht die entscheidende Rolle?

Florian: Wie immer entscheiden die Themen „Vorleben“ und „Authentizität“ auch im Gesundheitsmanagement über Erfolg oder Misserfolg. Wenn Sie vor Ihre Belegschaft treten und diese dazu auffordern, den neu eingerichteten Fitness-Raum und die neue Salat-Bar in der Kantine zu nutzen, in der Folge aber weder im Fitness-Raum noch an der Salat-Bar, sondern gerne auch mehrfach täglich an der Dessert-Ausgabe gesichtet werden, können Sie sich die Investition sparen.

Anders verhält es sich, wenn sie regelmäßig an der Salat-Bar und morgens als Erster auf dem Laufband oder Ergometer anzutreffen sind.

Franziska: Da ist was dran. Wobei ich mir durchaus auch vorstellen kann, dass man die gegenseitige Unterstützung braucht, um Neues in Bewegung zu bringen. Führungskräfte sind ja auch nur Menschen. Was ist Deine Vision?

Florian: Was ich mir wünsche sind Führungskräfte, die das Thema Gesundheitsförderung ernst nehmen. Es sind Unternehmer, die nicht nur alibimäßig ein entsprechendes Projekt aufsetzen, als Ergebnis mit viel Getöse den wöchentlichen Obstteller implementieren, der dann zwei Mal in der Besenkammer aufgestellt wird und nach ein paar Wochen heimlich still und leise wieder verschwindet.

Das Ziel meiner Arbeit ist es, den Entscheidern anhand harter Fakten aufzuzeigen, welche Einsparpotentiale realisiert werden können. Wer sich ernsthaft und kontinuierlich mit dem Thema beschäftigt, ein entsprechendes Angebot für die Mitarbeiter und vor allem die dazugehörige Kultur im Unternehmen schafft, profitiert auch wirtschaftlich.

Franziska: Leben und Arbeiten gehören zusammen….

Florian: …weil das Eine ohne das Andere einfach weniger Spaß macht.

Leben und Arbeit sind die Stützen der eigenen Existenz. Inwieweit dabei Leben oder Arbeit überwiegt, kann in unterschiedlichen Lebensphasen deutlich variieren. Das Idealmaß und die Ausgewogenheit zwischen den beiden Faktoren muss am Ende jeder für sich und abgestimmt auf das private wie berufliche Umfeld individuell definieren.

Franziska: Worin liegt für Dich die Zukunft der Arbeit?

Florian: Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung, Fachkräftemangel, verlängerter Lebensarbeitszeit, veränderten Lebensgewohnheiten und gesellschaftlichen Entwicklungen müssen sich Unternehmen vielfältigen Herausforderungen stellen. Arbeitgeber müssen bereits heute und in Zukunft ihren Mitarbeitern mehr bieten als einen sicheren Arbeitsplatz, ein gutes Gehalt und 30 Tage bezahlten Urlaub.

Die Menschen sind sensibler geworden für die sogenannten „weichen Gehaltsbestandteile“. Sie legen neben den genannten Aspekten Wert auf Themen wie flexible Arbeitszeiten für Mütter oder Väter, die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten, betriebliche Kinderbetreuung, kontinuierliche Weiterbildung und eben auch Maßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit.

Unternehmer müssen verstehen, dass sie durch entsprechende Maßnahmen qualifizierte Mitarbeiter nicht nur gewinnen, sondern auch Know How langfristig im Unternehmen halten können. Durch Investitionen in entsprechende Angebote kann die Attraktivität als Arbeitgeber deutlich gesteigert werden, das rechnet sich mittelfristig auch in der wirtschaftlichen Betrachtung.

Wir benötigen in diesem Bereich mehr interessante Angebote sowie für den Einsatz im Arbeitsumfeld optimierte Produkte. In diesem Zusammenhang freue ich mich auf die Kooperation mit Produktentwicklern, die ich auf dem Weg zur Marktreife und beim Vertrieb unterstützen kann. Auf diesem Wege möchte ich mein Produktportfolio kontinuierlich ausbauen. Entwickler mit innovativen Produkten dürfen sich gerne an mich wenden.

Franziska: Du hast es gerade schon angesprochen: Der demografische Wandel macht vor Unternehmern nicht Halt. Lass uns noch einmal gemeinsam schauen, was Unternehmer und Führungskräfte tun können, um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu erhalten und zu fördern.

Florian: Wie bereits erläutert, muss jeder Unternehmer bzw. jede Führungskraft individuell entscheiden, welche Maßnahmen zum eigenen Unternehmen passen. Da spielen Budgets genauso eine Rolle wie die Struktur der Belegschaft hinsichtlich Geschlecht, Alter etc.

Wenn Du einer Gruppe von Damen zwischen 25 und 30 Jahren aus der Innenrevision einen Ausflug ins Squash-Center vorschlägst, wirst Du mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit eine völlig andere Reaktion erhalten, als wenn Du den gleichen Vorschlag in einer Werbeagentur mit einer Belegschaft von Jungs mit einem Altersdurchschnitt von 60 Jahren formulierst.

Maßnahmen lassen sich für jedes Budget und jedes Unternehmen definieren. Das kann der Obsttag sein, wenn er ernst gemeint ist und von den Entscheidern auch selbst befolgt wird. Ebenso sind Massage- oder Sportangebote, die das Unternehmen finanziert, denkbar.

Noch bevor wir uns allerdings konkrete gesundheitsfördernde Maßnahmen anschauen, können Unternehmer einen sehr guten Beitrag zur Gesundheit Ihrer Mitarbeiter leisten, wenn sie eine kooperative Unternehmenskultur vorleben, ihren Mitarbeitern Wertschätzung entgegenbringen und sie am Erfolg des Unternehmens – in welcher Form auch immer – beteiligen.

Franziska: Damit sind wir beim Thema Unternehmenskultur, das auch mir sehr wichtig ist. Wann gelingen Projekte zur Förderung der Gesundheit in Unternehmen? Was ist für Dich der Schlüssel zum Erfolg?

Florian: Lass´ uns den Manager von vorhin ins Gedächtnis rufen. Er hat dann Erfolg, wenn er sich im Vorfeld Gedanken gemacht hat, welche Maßnahmen zu seinen Mitarbeitern und zu seinem Unternehmen passen. Er sollte vorab entscheiden, wie er mit gutem Beispiel vorangehen wird. Wenn ein Unternehmer sich diese Gedanken macht und die aufgeworfenen Fragen positiv beantwortet, wird er intuitiv die richtigen Maßnahmen auswählen und erfolgreich implementieren.

Zunehmend bekommen Unternehmen in diesem Themenbereich auch Unterstützung von Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und privaten Anbietern. Ich biete entsprechende Beratungsleistungen bei der Auswahl und Implementierung gesundheitsfördernder Maßnahmen in Unternehmen ebenfalls an.

Franziska: Du wirst beim LifeWorkCamp in Stuttgart dabei sein. Hast Du schon eine Idee für Deine Session?

Florian: „Ich hab´ dann mal gekündigt.“ könnte ich mir als Titel für den Workshop vorstellen. Wir könnten über berufliche Neuorientierung und meine Erfahrungen als Aussteiger sprechen. Damit spreche ich Interessenten an, die sich zum Beispiel gerade mit der Frage beschäftigen „Kündigen oder bleiben?“, die bereits gekündigt haben und aktuell auf der Suche nach Orientierung sind. Ich würde mich auch über Teilnehmer freuen, die diesen Prozess hinter sich gebracht haben und heute glücklich damit sind oder aber auch die Entscheidung bereuen.

Franziska: Was rätst Du Interessenten? Was ist das Besondere am LifeWorkCamp?

Florian: Das LifeWorkCamp lebt von den persönlichen Erfahrungen der einzelnen Teilnehmer. Je tiefer und persönlicher Einblicke von den Teilnehmern gewährt werden, desto höher kann der Erkenntnisgewinn für Teilnehmer sein.

Ich freue mich auf den Austausch mit einem komplett heterogenen Teilnehmerkreis und bin schon sehr gespannt auf interessante Gespräche und angeregte Diskussionen.

Franziska: Vielen Dank, Florian!

Liebe Leserin, lieber Leser. Du hast die Möglichkeit mit Florian Schweer und vielen anderen sehr interessanten Menschen beim LifeWorkCamp über Gesundheitsmanagement oder jedes andere Thema zu diskutieren, das Dich rund um die Lebens- und Arbeitswelten der Zukunft bewegt. Wir treffen uns am 25. und 26. Oktober im Literaturhaus Stuttgart. Bist Du auch dabei? Hier geht es zur Anmeldung.

In den nächsten Wochen werde ich Euch noch weitere Impulsgeber vorstellen. Bis dahin wünsche ich viel Spaß beim Schmöckern allgemein in meinem Blog und natürlich in den Artikeln rund ums LifeWorkCamp:


Weitere meiner Gespräche mit Unternehmern

unterschiedlichster Branchen und Disziplinen findest Du via Zeitmaschine > Interviews

Dieser Artikel wurde verschlagwortet mit: LifeWorkCamp, Leben, Arbeiten, Life-Work, Work-Life,



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