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Peak Oil – Der Kampf ums schwarze Gold (Studie Münster)

15.08.2013 – Unser Wohlstand fußt auf dem Rohstoff Öl. Erdöl ist Transport-, Schmier- und Heizmittel. Aber auch Nahrungsmittel, Medikamente, Elektrogeräte, Dünger und Kosmetika werden mit Oel hergestellt. Doch die weltweiten Ölvorräte sind endlich. Daran können selbst Fördermethoden wie das umstrittene Fracking nichts ändern. Studenten der Universität Münster legten nun eine umfassende Studie vor, wie das Leben in Zeiten knapper werdender Öl-Vorräte weitergehen könnte. Wie verändert sich Logistik, Einzelhandel, Dienstleistungen, Landwirtschaft, Gesundheitssystem und nicht zuletzt der soziale Zusammenhalt?

Erdöl ist der wichtigste und bislang am schwersten zu ersetzende Rohstoff unserer Industriegesellschaft. Ohne Erdöl als Grundlage für Kunststoffe ist kein Freizeitartikel denkbar. Computer, Smartphones, Waschmaschinen, Spülmaschinen – die Dinge, an die wir uns wie selbstverständlich gewöhnt haben, in allen steckt in irgendeiner Form Erdöl.

Es ist ein Rohstoff mit hoher Energiedichte und vielfältigen chemischen Eigenschaften. Alle fossil betriebenen Heizung- und Transportsysteme – vom Auto über das Flugzeug bis hin zu Schiffen – sind direkt davon abhängig. Mittels synthetischer Dünger, Pestizide und nicht zuletzt durch den Einsatz von Maschinen reguliert das schwarze Gold weite Teile der industriellen Nahrungsmittelproduktion.

Mit anderen Worten: Öl hat eine tiefgreifende Bedeutung für unsere Gesellschaft:

Quelle: © 2012 Peak Oil und die Zukunft der Ölförderung via WestDoku


Die Abhängigkeit von preiswertem Erdöl betrifft also alle gesellschaftlichen Bereiche, den Transport, Energieerzeugung, das Gesundheitssystem, alle Branchen, die Politik, Landwirtschaft und private Haushalte. Grund genug, sich einmal näher mit den Auswirkungen auseinanderzusetzen.

So dachte auch eine Gruppe Studenten aus Münster. Im Winter 2011/12 schlossen sie sich zu einer Projektgruppe zusammen. Gemäß dem Motto „Think Global – act local“ beschäftigten sie sich insbesondere mit den Auswirkungen der „Peak-Oli-Thematik“ auf die Stadt Münster. Anfang Juli stellten sie nun ihren 140-Seiten-starken Abschlussbericht „Peak Oil – Die Herausforderung lokaler Erdöl-Abhängigkeit am Beispiel Münster“ (.pdf) vor.

Im Bericht gehen sie auf die sechs wichtigsten Handlungsfelder ein:

  • Energie
  • Transport und Mobilität
  • Wirtschaft
  • Ernährung und Landwirtschaft
  • Gesundheit
  • Private Haushalte und soziale Kohäsion

… und schließen die sektorale Betrachtung mit einem übergreifenden Beispiel aus Münster ab.

Besonders lesenswert ist aus meiner Sicht der fünfte Teil „Öffnung des Horizonts“. Zum einen finden die Autoren mit „Peak Oil als Chance“ einen positiven Betrachtungsrahmen für die bevorstehenden Herausforderungen. Zum anderen reflektieren sie die tiefliegende Verbindung zwischen dem heute leider allgegenwärtigen Anspruch zu steigendem Wirtschaftswachstum. Sie zweifeln zu Recht an der Nachhaltigkeit eines derartigen Wirtschaftsrahmens!

Doch keine Angst. Selbst wenn der Bericht Besorgnis erregen muss, wir müssen deswegen nicht zurück in die Steinzeit. Es gibt viele Möglichkeiten, sich aktiv einzubringen. Nicht auf andere warten. Selbst aktiv werden und sich mit anderen zusammenschließen. Die Peak-Oil-Initiative aus Münster formuliert dies so und dem kann ich mich uneingeschränkt anschließen:

„Die politischen Entwicklungen der letzten Jahre gehen vermehrt in Richtung öffentlicher Beteiligung. Verschiedene Formate wie BürgerInnen- und Volksentscheide, Dialogforen, Runde Tische oder Twitter-Walls laden zur Mitgestaltung ein. Ob jedoch in jedem Angebot eine transparente und tatsächliche Mitbestimmung enthalten ist, darf bezweifelt werden. Selbstbestimmter und direkter sind dementsprechend selbst initiierte Projekte, in denen konstruktiv das oben genannte Ziel- und Transformationswissen aufgebaut, weitergegeben und angewendet wird.

Nach wie vor sind alle Handlungen als Reaktion auf Peak-Oil-Szenarien Entscheidungen unter Unsicherheit: Wie sich die Welt tatsächlich verändern wird und welche Ressourcen wir in 50 Jahren zur Verfügung haben, wissen wir nicht. Die Entscheidungen müssen jedoch nicht alleine Regierungen, internationalen Gremien, machtvollen Rohstoffkonzernen oder Finanzinstituten und -institutionen überlassen werden. Abhängigkeiten können vor Ort abgebaut und gleichzeitig mehr Lebensqualität aufgebaut werden.

Gerade Bewegungen von unten wie das Transition Netzwerk oder occupy stellen geeignete mentale und konkrete Konzepte zur Verfügung, mit denen eine solche Aneignungsbewegung erfolgen kann. Die Städte und Dörfer gehören allen Menschen, die in ihnen leben. Gemeinsam kann Zukunftsfähigkeit gestaltet werden.“

Ich danke Matthias Wanner von der Transition-Initiative für diesen wertvollen Hinweis auf die Studie und sende herzliche Grüße nach Münster.


Weiterführende Links

Quellen

  • Illustration: Tine Fetz, Berlin © 2013
  • Initiative Peak Oil Münster (Link siehe oben)
  • Initiative TransitionTown (Link siehe oben)

Dieser Artikel wurde verschlagwortet mit: Peak Oil, Erdöl, Öl, Erdoel, Oel, Erdölvorräte, Rohstoff, Reserven, Ressourcen, Fracking, Transition



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