Blogging 4 charity und Corporate Social Responsibility

23.12.2013 – Darf man Geschenke weiterschenken? Ja! Man darf. Vor allem, wenn es für einen noblen Zweck ist. Stets auf der Suche nach Erfolgsbeispielen für Corporate Social Responsibility bin ich Anfang Dezember auf die Aktion „Blogging 4 Charity“ von Bonprix aufmerksam geworden. Der Anbieter für Mode lobt 50 Euro für jeden Blogbeitrag aus. Das Geld wird direkt nach Weihnachten gespendet. Die Blogger wählen, in wessen Topf der Beitrag fällt: Das Kinder-Hospiz „Sternenbrücke“ in Hamburg oder die Gehörlosen-Schule „bonhelp“ in Indien. Bonprix ist eine Kampagne ohne großen Rummel mit viel Wirkung gelungen.

Mit dem Lesen befreundeter Blogs stoße ich oft auf Perlen im Web. Einen Tag nach Nikolaus veröffentlichte Oliver Gassner seinen Beitrag zur Spendenaktion von Bonprix. Kurz darauf las ich Silkes Beitrag Bloggen für einen guten Zweck. Mein Interesse war geweckt, ich war jedoch sehr skeptisch, ob es sich hierbei um Greenwashing handelt. Die Vorweihnachtszeit ist schließlich beliebt dafür, Ablasszahlungen zu erbringen. Also machte ich mich schlau im Netz und auf einschlägigen Webseiten, um mir eine Meinung bilden zu können.

Bonprix – Jeder Mensch ist etwas Besonderes

Bonprix ist Anbieter für Kleidung in Deutschland und Europa. Die Tochter der Otto-Gruppe wurde 1986 gegründet. „Mit einem konsequent preisgünstigen Angebot bei hohen Qualitätsansprüchen demokratisiert bonprix seit 26 Jahren die Mode. Jeder kann sich mit bonprix aktuelle Trends leisten und seinen Stil leben – unabhängig von Geldbeutel und Kleidergröße.“ – so steht es auf der Internetseite des Moderiesen.

Mit Demokratie erhebt bonprix hohen ethischem Anspruch. Damit kann ich mich sofort identifizieren. Selbstbestimmt leben – sich Wünsche erfüllen. Das klingt sehr schön gerade zu Weihnachten. Es weckt in mir positive Assoziationen. Doch verleitet uns, sich alles leisten zu können, nicht auch dazu, mehr zu kaufen als wir wirklich brauchen? Verführt es uns nicht, jedes Jahr einem neuen Trend hinterher zu laufen ¬– statt unserem eigenen Stil zu folgen, der länger anhält als eine Saison? Können wir uns – gesellschaftlich betrachtet – das überhaupt „leisten“?

Wenn Kleidung langlebig sein soll, setzt dies Qualität voraus. Wie passt dann „hohe Qualität und preisgünstig“ in einem Satz? Das sind Formulierungen, die mich stets aufhorchen lassen. Für mich ist es eine strategische Option, die nicht funktionieren kann. Sie enthält einen unauflösbaren Widerspruch. Ich bezweifle, dass ein Leitbild, dass beidem gerecht werden möchte, zu vernünftigen, sinnvollen Entscheidungen im Unternehmen führt.

Und dann noch eine Aktion in Indien? Steckt da nicht noch ein Widerspruch drin? Viel zu oft haben wir in diesem Jahr von Unglücken und menschlichen Tragödien der Arbeiter der Textilindustrie lesen müssen.

Nachhaltigkeit bedeutet, alles jeden Tag ein bisschen besser zu machen

Ich war also mehr als skeptisch, diese Aktion zu unterstützen. Warum beteilige ich mich nun doch? Zum einen gibt sie mir die Gelegenheit, hier meine Bedenken äußern zu können. Zum anderen gefällt mir, wie unaufgeregt und damit authentisch für die Aktion geworben wird – nämlich ausschließlich in der Bloggergemeinde, die sich gegenseitig auf die Aktion aufmerksam macht.

Ich stimme Stephan Koß zu, dass es bonprix mit ihrem Spendenaufruf gelungen ist, Blogger für sich zu gewinnen. Mir gefällt auch, dass bonprix sich lokal engagiert. Global denken, lokal handeln eng verknüpft mit dem Kerngeschäft — das sind wichtige Grundsätze für ein sinnvolles, unternehmerisches Engagement (Corporate Social Responsibility, kurz CSR).

Nachhaltigkeit ist für mich ein Ideal, an das wir uns schrittweise annähern müssen. Wenn es uns gelingt, immer besser wirtschaftliche Interessen, Umweltschutz und soziale Verantwortung miteinander zu vereinen – gelingt uns auch die größte Aufgabe der Menschheit. Dann können wir unseren Enkeln einen Gestaltungsraum wie wir ihn heute erleben übergeben. Vielleicht sogar eine bessere Welt.

Ohne Heilung, jedoch nicht ohne Hoffnung und Unterstützung


Mein Blog unterstützt die Sternenbrücke

Ich habe darüber hinaus einen altruistischen Grund, mich zu beteiligen. Mit diesem Beitrag kann ich für Kinder, Jugendliche und ihre Familien in Hamburg die Welt ein ganz klein wenig besser machen.

Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Kinder-Hospiz Sternenbrücke helfen unheilbar erkrankten Kindern und Jugendlichen, zusammen mit ihren Eltern und Geschwistern einen würdevollen Weg bis zu ihrem Tod zu gehen. Auch nach dem Verlust ihres Kindes stehen sie den betroffenen Familien weiter zur Seite.

Geliebte Menschen bis in den Tod zu begleiten, gehört zu den schwierigsten Aufgaben in unserem Leben. Es ist ein schmerzhafter, kräftezehrender Prozess. Wir wachsen daran. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie hilfreich dabei wertschätzende Hilfe von Dritten ist.

Ich habe größte Achtung vor Menschen, die Betroffene in diesen schweren Zeiten unterstützen. Ihnen an dieser Stelle mein aufrichtiger Dank. Ich verbinde mit meinem Beitrag zur Aktion „Blogging 4 Charity“ die Hoffnung, ihnen diese Arbeit erleichtern zu können.

Demut. Nächstenliebe. Wertschätzung.

Mich für Nachhaltigkeit einzusetzen, heißt auch, mich in Demut zu üben. Natürlich kann ich auf Unternehmen wie bonprix mit dem Stinkefinger zeigen und sie für ihre ausbeuterischen Methoden tadeln. Ich lehne ab, dass Konsumenten in Europa nur deswegen billige Kleidung kaufen können, weil ArbeiterInnen der Textilindustrie unter unmenschlichen Bedingungen zu einem Hungerlohn Kleidung produzieren.

Mit der Auswahl meiner Kleidung und vor allem mit der Dauer der Nutzung leiste ich meinen Beitrag. Ich kann es nicht mehr anders. Mit Glück erreicht mein Beitrag die Verantwortlichen in der Unternehmensspitze. Vielleicht kann ich aufrütteln, zum Denken anregen — und so Veränderungen anstoßen. Doch das steht dabei erst an zweiter Stelle.

Unsere Welt ist nicht nur Schwarz-Weiß. Mit Ihrem Aufruf Blogging 4 Charity leisten die Mitarbeiter einen wertvollen Beitrag. Diesen honoriere ich – sehr gern sogar. Und gern darf das Unternehmen dann auch von der ehrlich verdienten Aufmerksamkeit profitieren.

Fröhliche Weihnachten,


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