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Aus der Werkstatt

KW 44 / 2021

veröffentlicht: 05.11.2021 · Franziska Köppe | madiko
aktualisiert: 08.11.2021 · Franziska Köppe | madiko

Aus der Werkstatt 2021

Die Themen der Woche: Auf dem Weg der Besserung. Feministische Ökonomik und Nachhaltigkeit beim Studium Generale der Uni Tübingen. Rollenwechsel beim OpenBikeSensor. Wartungsarbeiten madiko.com. Lesezirkel und Leselernreisen. Bürofensterblick.

Es ist Freitag. Der erste im November! Wo ist die Woche, der Monat, das Jahr nur schon wieder hin?! Mir geht das alles viel zu schnell. Vielleicht ist dies auch dem geschuldet, dass die Gesamtsituation mir so viele Kräfte abverlangt. Gleichwohl genieße ich innere Gelassenheit und Stabilität, was meine Arbeit an meinen Projekten anbelangt. Ich kann mich nicht erinnern, so geradlinig und unbeirrt auf ein Ziel zugelaufen zu sein. Das ist gut. Das auch mal aufschreiben und verinnerlichen.

Immerhin: Gesundheitlich geht es endlich wieder aufwärts. Das bedeutet leider auch, dass ich Menschengruppen weiter großräumig aus dem Weg gehe. Das mag so manche:n Spaziergänger:in seltsam erscheinen, die mir auf meinen Runden durchs Quartier begegnen. Im beruflichen Kontext gibt es keine Probleme, da sich Digitalien eingespielt hat. Das darf gern so bleiben. Es spart viel Reisezeiten ein, die ich lieber mit einem entspannten Schwatz bei einem Heißgetränk, einem schönen Spaziergang, Geige üben oder Zeichnen verbringe. WalkToTalk fehlt mir. Und die leckeren, interessanten Geschäftsessen (vor allem die im Café List). Das schon. Die aktuellen Inzidenzien tragen nicht gerade dazu bei, dass ich das bald wieder aufnehmen kann. Bleiben also weiterhin die langen Telefonate und Videokonferenzen.

Apropos Geige: Heute Abend findet die erste Probe mit dem Klezmer Trio statt. Ich freue mich total darauf und bin dezent nervös. Ich hätte vielleicht doch nicht so viel von meinem musikalischen Werdegang erzählen sollen. Da wohne ich nun schon 21 Jahre hier und habe das mit dem schwäbischen Unsterstatement noch nicht verinnerlicht. Heiligsblechle – ähm, Heiligshölzle wäre wohl passender!

Nehmen wir “Chronos” von meinem Lieblings-Klezmer-Trio als Soundtrack zu diesem Werkstattbericht:

Chronos
[ 2014-11-08 David Orlowsky Trio ]

Feministische Ökonomik
und Nachhaltigkeit

Gestern fand die dritte Vorlesung des Studium Generale an der Uni Tübingen zum Schwerpunkt “Zukunftsfähig und global gerecht? Nachhaltige Entwicklung als Herausforderung für die Wirtschaftswissenschaft” statt. Zu Gast war Dr. Anna Saave (Institut für Soziologie, Uni Jena). Ja genau das Institut, zu dem auch Prof. Hartmut Rosa gehört. ;-)

Anna Saave sprach über “The Forces of Reproduction – Neue Perspektiven für Feministische Ökonomik und Nachhaltigkeit”. Ein auf den ersten Blick recht sperriges, kopflastiges Thema.

Worum geht es?

Grob umrissen geht es bei Feministischer Ökonomik und ReproduktionsÖkonomik um drei Hauptaspekte der Gesellschaft, die hinterfragt werden:

Geschlechter in der Ökonomie
(gender in economics)

Dies berührt die Frage, welche Personen Gegenstand der wissenschaftlichen Betrachtung sind. Wir kommen zu unterschiedlichen Einsichten, wenn wir beispielsweise die Arbeitsmärkte im Tiefbau oder Kindergarten untersuchen. Wir haben heute eine vergeschlechtlichte Verteilung in der Gesellschaft. Daher spielt der Kontext und Gültigkeitsbereich der Fragestellung(en) eine entscheidende Rolle für die Aussagekraft der Ergebnisse und Thesen.

Handelt es sich um Fragestellungen, die nur einen Bruchteil der Lebensverhältnisse abbilden? Betrifft es eher nur Männer oder eher nur Frauen? Und wie steht es um LGBTQIA+? Vorsicht also bei Verallgemeinerungen.

Geschlechter der Ökonomie
(gender of economics)

Dieser Aspekt schaut sich an, wer die Wissenschaftler:innen sind, die die Arbeit leisten. Dahinter steht nicht nur die Frage, welches Geschlecht die:der Forscher:in hat, sondern auch welcher sozialen Gruppe die Person angehört (weiß, männlich, mittel-europäisch, akademischer Grad usw.).

Wer entscheidet über Wissenschaftspolitik? Wer stellt Fragen über ökonomische Zusammenhänge? Wessen Antworten werden als wissenschaftlich fundiertes Wissen akzeptiert? Welchen Wert messen wir als Gesellschaft indigenen Erkenntnissen oder auch dem Know-how anderer sozialer Gruppen (z. B. Handwerker:innen, Pfleger:innen oder Produktionsmitarbeiter:innen) bei?

Wie codieren sich wiederum die Grundannahmen und Ergebnisse der Ökonomie in die Sozialisation ein? Das zeigt sich beispielsweise darin, welche Charaktere unsere Vorstellungskraft erzeugt bei einem “CEO” oder “VWL-Professor”. Was wir uns (bildlich, gedanklich) vorstellen können, kann real werden. Damit beeinflusst dieses Bild Berufswahl, sozialen Status usw. in der Gesellschaft. Wer erhält einen angemessenen Lohn, und wer nur Applaus vom Balkon?

Geschlechter-Ökonomie
(gendered economics)

Beim dritten Aspekt wird hinterfragt, in welchem Ausmaß die Art der Untersuchung oder Betrachtung Geschlechter-Stereotypen unterliegt. Inwiefern sind die genutzten Forschungsmethoden oder Weltanschauungen vergeschlechtlicht? Es geht bei “gendered economics” um die wissenschaftlichen Vorannahmen, die sich auf das Durchführen von Studien und Diskursen auswirken.

Die feministische Wissenschaftskritik richtet sich dabei nicht nur an die Ökonomik, sondern beispielsweise auch an die Philosophie und Soziologie. Aus meiner Sicht betrifft es ebenso die Frage, wie interdisziplinär und transsektoral sich Wissenschaft begreift, wie offen sie ist für Einflüsse aus anderen Feldern und Erfahrungshorizonten.

Nachhaltigkeit und Geschlechter-Sensibilität

Im Rahmen der Agenda 2030 wurden als fünftes und zehntes der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung die “Geschlechtergleichheit” sowie “weniger Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern” mit aufgenommen. In vielen Ländern dieser Welt sind Frauen und Mädchen sowie LGBTQIA+, Migranten, Vertreter:innen indigener Völker, Minderheiten usw. beim Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, im Beruf oder in ihrem alltäglichen Leben nicht gleichberechtigt.

Dabei ist Gleichstellung nicht nur eine Frage elementarer Menschenrechte. Wir alle profitieren davon, wenn jede:r ihre:seine politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rechte und Potenziale voll entfalten kann. Alle Menschen sollen ihr Leben selbst bestimmen können. Ihre Teilhabe soll gefördert werden. Das stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirkt sich positiv auf die ökonomische Entwicklung, auf Lebensqualität und Wohlstand aus.

Das Besondere am feministischen Gedanken ist dabei, dass dies im Einklang mit der Natur, mehr noch innerhalb der planetaren Grenzen (Raworth) geschieht. Wir also vom Anthropozän zurück ins Holozän streben.

Praktische Relevanz
von feministischer Ökonomie und Nachhaltigkeit

Worin äußert sich das in der Gesellschaft? Gestern fielen uns diese Beispiele ein:

Zugang zu Bildung

Weltweit gibt es große Unterschiede für Männer und Frauen im Zugang zu Bildung. Und damit meine ich nicht nur Schulbildung für Mädchen und Jungen. Es geht genauso um Erwachsenenbildung, Entfalten von Potenzialen und Ermächtigen zur Teilhabe. Welche Rahmenbedingungen schaffen wir, dass allen Menschen gleichermaßen die Türen offen stehen?

Ich fasse mich da selbst an die Nase und erinnere mich, wie schwierig es in der Organisation des EnjoyWork Camps war, wirklich für alle offen zu sein. Männer, Frauen, LGBTQIA+, Menschen mit Migrationshintergrund, mit Behinderungen, mit wirtschaftlich angespannten Verhältnissen… Dasselbe betrifft die Ausrichtung der EnjoyWork Labs oder auch WalkToTalks. Weil das Thema Fürsorge und Arbeit sich in vielen Kontexten ausschließt. Weil “Nicht-Weiße” ungern als Einzige auf Veranstaltungen unterwegs sind.

Es ist nicht klever, dass Teilnehmende entweder-oder entscheiden müssen. Als Organisatorin geht es bereits mit der Frage los: Zu welcher Uhrzeit findet die Veranstaltung statt? Wie viel Sichtbarkeit bekommt unsere Diversität? Heute kommt hinzu: vor Ort oder in Digitalien? Welche technische Ausstattung kann ich voraussetzen? Biete ich Kinderbetreuung an? Was ist mit Fürsorge für Pflegebedürftige? Was mit Gebärdensprachdolmetschen und Multisprachigkeit? Was mit Bildbeschreibungen und Barrierefreiheit?

Stadt- und Verkehrsplanung

Städtebauliche Projekte und Verkehrswege-Konzepte orientieren sich heute hauptsächlich am Bedarf des Mannes als Hauptverdiener – ein sehr konservatives Bild der Gesellschaft, unreflektiert seit Jahrzehnten. Die Wege der (männlichen) Erwerbstätigen sollen kurz und mühelos sein. Motorisierter Individualverkehr über allem.

Wie unsere Städte heute gestaltet sind, hängt mit der Unterscheidung zusammen, die wir zwischen bezahlter versus unbezahlter Arbeit treffen. Erwerbsarbeit (vergütet, Männer) wird mehr Wert beigemessen als Fürsorge-Arbeit (zumeist unentgeltlich, Frauen). Zusammen mit der Politik der Nachkriegsjahre, die das Auto förderte und heute vollkommen fehlgeleitet scheint, haben wir nun den Salat von lebensfeindlichen Städten.

Stereotypen in der Produktgestaltung und Sozialisation

Die Emanzipationsbewegung geht über die Einteilung unserer Gesellschaft in Mann oder Frau hinaus. Gemeint ist die gesamte LGBTQIA+ Initiative. Das zeigt sich nicht nur an der Stereotypisierung bereits der Kleinsten. Erinnert sei da an die unsägliche Rosa-Hellblau-Falle. Feminismus addressiert beispielsweise auch Hygiene-Produkte, die nicht ausschließlich für Frauen, sondern gender-sensibel für “menstruierende Personen” hergestellt, vertrieben, entsorgt/wiederverwertet und dabei hoffentlich nachhaltig gestaltet sind.

Beim Forschungsprojekt OpenBikeSensor stießen wir selbst auf die Problematik, als es um die Montage der Überholabstandsmesser am Rad ging. Wo die Sensoren zunächst ans Oberrohr des Rads gehängt wurden, stellten wir um auf eine Befestigung am Sattelrohr – was ebenso für Fahrräder mit tiefem Einstieg geeignet ist. Gleichzeitig konzipierten wir den Anbau so, dass weitere Fahrzeugtypen (z. B. Rollstühle) eine adaptierte Version nutzen können. Somit schafften wir Barrierefreiheit und lösten uns zugleich vom Klischee “Männer- versus Frauen-Rahmen”. Das ist bei Fahrradherstellern und -händlern übrigens auch noch nicht durchgedrungen, dass diese Unterscheidung nicht mehr zeitgemäß ist.

Mangelnde Repräsentanz von Frauen in der Medizin

Obwohl bekannt ist, dass es große Unterschiede in der Reaktion von Männern, Frauen, Transgender usw. auf Medikamente gibt, fehlen geschlechtsdifferenzierte Dosierungsangaben auf dem Beipackzettel. Während die Bevölkerung die allgemeinen Anzeichen für einen Herzinfarkt bei Männern (Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel, Herzrhythmus-Störungen) gut kennen, sind die Symptome von Frauen (Kurzatmigkeit, Schweißausbrüche, Rückenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, unerklärliche Müdigkeit) zumeist unbekannt.

Der weitgehende Ausschluss von Frauen aus biomedizinischer Forschung und klinischen Studien geht mit einem größeren Gefährdungspotenzial in der täglichen medizinischen Versorgung einher. Dieses Defizit muss behoben werden, um künftig geschlechtsspezifische Dosierungsempfehlungen bei Neuzulassungen und eine Anpassung bei bereits zugelassenen Medikamenten zu ermöglichen. Ebenso müssen geschlechtsdifferenzierte Arzneimittelunverträglichkeiten, Wechsel- und Nebenwirkungen systematisch erfasst werden. […]

Im Ergebnis sollte kein Arzneimittel die Hürde der deutschen arzneimittelrechtlichen Zulassung überwinden, ohne die Frage der geschlechtsbezogenen Wirksamkeit untersucht und beurteilt zu haben. Das muss nicht die Probandenzahlen verdoppeln. Häufig reichen präspezifizierte Trendrechnungen und Homogenitätsanalysen aus, um Gendereffekte auszuschließen. Sind sie vorhanden, ist es besser, sie gründlich zu analysieren. […]

Der praktische Aussagewert und die Durchschlagskraft der aktuellen Forschung zur geschlechterdifferenzierten Arzneimitteltherapie ist nach wie vor zu gering. Um eine evidenzbasierte Lehre zu ermöglichen, muss es künftig in der Arzneimittelforschung Forschungsschwerpunkte geben, die Genderaspekte in Pharmakokinetik und -dynamik, Toxikologie, Lebensqualität und der nachhaltigen Nutzung von gesundheitsbezogenen Ressourcen berücksichtigen.

Prof. Dr. med. Vera Regitz-Zagrosek

Charité Universitätsmedizin Berlin / Berliner Institut für Geschlechterforschung

Geschlechtsneutraler Zugang zum Arbeitsmarkt

Zuweilen könnte man den Eindruck gewinnen, dass COVID19 unsere Gesellschaft zurückgeworfen hat auf alte Rollenverteilungen und Muster. In meinem Netzwerk sehe ich beide Trends: Eine bessere, gerechtere Integration und partnerschaftliche Verteilung der Aufgaben, die sich aus dem HomeOffice ergeben mit

  • Fürsorge (Kindererziehung und -betreuung, Zubereiten des Mittagessens für die Familie, Home-Schooling, Eltern/Großeltern versorgen usw.),
  • Administration (Aufbau, Wartung und Pflege des IT-Systems der Familie),
  • Haushalt (Putzen, Waschen, Ordnung halten usw.),
  • Freizeitgestaltung (inklusive der damit verbundenen Dienstleistungen wie beispielsweise der Logistik)
  • und so weiter.

Und das gegenteilige Bild: Eine konservative Verteilung nach Geschlechtern wie aus den 50er Jahren.

Ich werde dies hier an dieser Stelle nicht werten. So lange diese Entscheidungen frei von Zwängen getroffen werden können, ist das alles ok. Doch genau daran mangelt es. Es kann nicht sein, dass dem Individuum die Verantwortung übertragen wird. Das jede:r darauf angewiesen ist, im privaten Umfeld Lösungen auszuhandeln und zu entwickeln. Das ist nicht leistbar und auch ineffizient. Hier sind wir als Gesellschaft – in der Zivilgesellschaft, in den Unternehmen, in Wissenschaften und Politik gleichermaßen gefragt, Lösungen zu entwickeln.

Konzepte

Es gibt verschiedene Ansätze, Ökonomie feministisch zu denken. Anna Saave stellte in ihrem Vortrag den “Subsistenzansatz” von Mies / von Werlhof / Bennholdt-Thomsen vor. Dabei arbeiteten die drei Frauen heraus, dass “Wirtschaft” im kapitalistisch-patriarchal-kolonialen System zwei Ebenen hat: eine sichtbare (entlohnte, bepreiste) und eine unsichtbare, weitgehend unbezahlte, minder geschätzte. Die Sektoren, die über die Wasseroberfläche ragen, sind jedoch getragen von all der Arbeit, dem Engagement und Natur-Dienstleistungen, die unter der materiellen Grenze liegen.

Ohne das Erfüllen humaner Grundbedürfnisse (Bindung, Selbstwert-Erhöhung & -Schutz, Orientierung & Kontrolle, Lust-Gewinn & Unlust-Vermeidung), ohne Fürsorge und unterstützende Arbeiten, ohne das Sichern der menschlichen Lebensgrundlagen – wozu insbesondere Biodiversität & sämtliche Ökosystem-Dienstleistungen zählen – ist weder ein gutes Leben möglich, noch die Produktion von Gütern oder das Erbringen von (bezahlten) Diensten.

Die Feministische Ökonomik holt damit die von der konventionellen Wirtschaft ausgeblendeten und abgewerteten Bereiche des Wirtschaftssystems zum Vorschein und bezieht sie in eine Gesamtbetrachtung mit ein.

Feministische Ökonomie: Eisberg-Modell <br>(nach Mies / von Werlhof / Bennholdt-Thomsen). Bild: cc Franziska Köppe | madiko sketchnotes

Mit dem “Subsistenzansatz” sollen die “Kräfte der Reproduktion” sichtbar gemacht und die Gesellschaft für die komplexen wie fragilen Abhängigkeiten sensibilisiert werden. Die Narration, wie die Welt funktioniert und was sie im Innersten zusammenhält, wird überarbeitet und neu erzählt – die ganze Geschichte und nicht nur ein Ausschnitt der Wahrheit. Bezeichnend, wenn nicht gar erschreckend, fand ich diese Zitate, die Anna mitgebracht hatte:

The Anthropocene is nothing other than a master’s house: one that imprisons both human and non-human nature in order to make them work for capital. Dismantling this master’s house to liberate humanity and the earth requires formidable new tools, both material and symbolic.

Stefania Barca

Quelle: “The forces of Reproduction”, Cambridge Elements / Environmental Humanities, S. 2

Es ist symptomatisch, dass wir uns heute eher den Untergang der holozänen Welt vorstellen können, als das Ende von Kapitalismus mit seinem fortwährenden Streben nach Wirtschaftswachstum und jährlich gesteigertem Bruttoinlandsprodukt. Wobei mir direkt wieder das Zitat von Harald Welzer zur kognitiven Dissonanz einfällt…

Zwischenfazit

Damit habe ich nur einen Ausschnitt aus dem gestrigen Vortrag und der sich daran anschließenden Debatte aufgegriffen. Der Abend zeigte mir schmerzlich, dass ich noch große Lücken im Wissen rund um Ökofeminismus und ReproduktionsÖkonomie habe. Ich nahm einen Fundus an Buchtipps für die EnjoyWork LeseLust mit. Mein Stapel ungelesener Bücher ist mindestens um einen halben Meter gewachsen.

Doch mit dem Lesen der wissenschaftlichen Theorien ist es nicht getan. Wichtig ist, unsere Praktiken zu überdenken und schrittweise zu ändern. Die Fallbeispiele oben zeigen, dass wir das auf individueller, auf unternehmerischer, auf zivilgesellschaftlicher und politischer Ebene anpacken müssen. Da sind dicke Bretter zu bohren!

Tschüß OpenBikeSensor.
Hallo OpenBikeSensor.

Im August 2019 kam ich erstmals mit dem Projekt OpenBikeSensor in Berührung. Thomas O. und Thijs vom Zweirat Stuttgart steckten mich mit ihrer Begeisterung an. Ich unterstützte seither mit Rat, Tat und Herzblut das Vorhaben. Davon berichtete ich. Viel ist seither passiert und ich freue mich riesig, was rund um Open­Bike­Sensor entstanden ist. Die Bewegung ist großartig und versetzt mich immer wieder in Erstaunen.

Was war

Dennoch haben zwei intensive Jahre Ehrenamt ihre Spuren bei mir hinterlassen. Im September nahm ich mir die Zeit, mein Engagement zu reflektieren. Welche Rollen hatte ich übernommen? Welche Aufgaben waren mit den Rollen verbunden? Was habe ich daraus für meine Handlungskompetenzen gelernt? Wie viel Zeit, Energie und Herzblut investierte ich? Wo stehe ich und wie kann und soll es weitergehen? Ich war dabei so ehrlich wie möglich mit mir, beschönigte und verharmloste nichts. Es kam einiges zusammen. Obwohl ich es besser weiß, unterschätze ich doch immer wieder, wie viel bei Organisationsentwicklung und Moderation einer Community im Detail an Investition verborgen liegt.

Meine Hauptaufgaben (Aufbauen, Entwickeln, Moderieren und Begleiten der Gemeinschaft und Botschafterin fürs Projekt sein) sind erfüllt. Von Anfang an war uns in Gründung und im Aufbau wichtig, dass wir ein Netzwerk erschaffen, dass sich aus sich heraus unterhält und trägt. Jetzt steht OpenBikeSensor auf eigenen Beinen und steuert, organisiert und moderiert sich weitgehend selbst. Das ist ein Verdienst von allen, die sich im Open Citizen Science-Projekt mit sehr viel Leidenschaft einbringen.

Sofern Ihr mitlest: Euch allen einen großen Dank für die gute Zusammenarbeit und Inspiration. Es war mir ein Vergnügen. Ich habe viel mit und von Euch gelernt.

Was ist und was die Zukunft bringt

Gleichwohl ist jetzt die ideale Gelegenheit für eine Zäsur. Ich gönne mir eine kreative Pause und schöpfe Kraft und Energie für zukünftige Aufgaben. Welche das sein werden, ist offen. Mir ist wichtig, mich nicht sofort ins nächste Vorhaben zu stürzen, sondern das Neue in einem gesunden Maß wachsen und entstehen zu lassen.

Mir schwebt einerseits vor, meine zukünftige Rolle in Einklang mit den Interessen und Aktionen von Enjoy­Work zu bringen. Da ist die Idee, den aufkeimenden Marktplatz rund um Open­Bike­Sensor und den Marktplatz von Enjoy­Work miteinander zu verknüpfen, die Anbieter:innen und Nachfrager:innen zu recherchieren, sie zu vernetzen und individuell zu fördern. Vielleicht auch potenzielle Anbieter:innen darin zu unterstützen, Produkte und Dienstleistungen stimmig zum OpenSource- und OpenInnovation-Charakter von OpenBikeSensor zu entwickeln und – entsprechend des maßgeschneiderten WertVertrags (ggf. mit Black Swan Agreement) – davon zu profitieren.

Zum anderen könnte ich mir vorstellen, selbst Angebote zu entwickeln, die das Ziel von OpenBikeSensor – die Sicherheit und Fahrradfreundlichkeit im Straßenverkehr deutlich zu verbessern – im unternehmerischen Kontext voranbringen. Das hieße, eigene Projekte und Realexperimente anzustoßen. Ich denke da an Fragen und Herausforderungen des betrieblichen Mobilitäts- und Gesundheits-Managements, der Aus- und Weiterbildung bis hin zur Aufwertung von Wirtschaftsstandorten durch eine Alltagsradler:innen-taugliche Infrastruktur. Alles spannende Themen, zu denen die EnjoyWork-Community und ich beitragen könnten.

Wenn Du, liebe Leserin, lieber Leser, Interesse hast, daran mitzuentwickeln: Bitte melde Dich.

madiko.com –
Wartungsarbeiten und die Säge schärfen

Um in meinem großen Vorhaben, der digitalen, nachhaltigen Transformation von EnjoyWork, weiterzukommen, sind aktuell zahlreiche Wartungsarbeiten von mir abzuarbeiten. Bevor ich mich an das große, komplexe Portal wage, nahm ich mir als erstes madiko.com vor.

Ich wollte hier nicht am offenen Herzen operieren und so war der erste Schritt, ein “Freeze” des aktuellen Standes zu archivieren. Dieses Backup prüfte ich dann dahingehend, wie ich es in ein neu aufgesetztes Portal (in diesem Fall lokal) importieren kann. Wie so oft ergaben sich dadurch einige Herausforderungen. Ich bin noch dabei, das zu dokumentieren, um im Notfall darauf zurückgreifen zu können. Die enormen Datenmengen (vor allem durch die Medien) machen das nicht gerade einfach. Und ich lerne weiterhin nur sehr langsam die Sprache der Software-Entwickler und Programmierer. Da brauche ich viel Geduld mit mir.

Das Zwischenergebnis von Donnerstag Abend

Alle aktuellen Releases von REDAXO sind implementiert, sämtliche selbst gebauten Module sind geprüft und die offenen Aufgaben notiert. Die kleineren Anpassungen konnte ich schon erledigen. Ab Montag kann ich dann die offenen Punkte abarbeiten, die sich aufwändiger gestalten. Zu meinem Glück erledigten sich einige offene Baustellen durch die großartige Zuarbeit der Community von selbst. Ein hoch auf Open Source!

Dort, wo ich noch Hand anlegen muss, habe ich wieder die Herausforderung, dass ich mich tief reingraben muss. Doch mit jeder gemeisterten harten Nuss, werde ich besser im Programmieren. Das nicht vergessen bei allem Fluchen über die vergessenen Simikolon und meine Schwierigkeiten beim Übersetzen von “Aufgabe” in “Code”.

Wenn ich madiko.com aktualisiert habe, werde ich mich dann dem Portal von EnjoyWork zuwenden. Ist dieses Werkzeug (und als solches sehe ich das Portal) dann auf dem neuesten Stand (Thema “Säge schärfen”,) wage ich mich an die großen Programmierungen. Am wichtigsten und dringlichsten erscheinen mir die Umsetzung des “Veranstaltungsmoduls” und des “Forschungsmoduls”. Und natürlich der “Community-Funktionalität”. Alles sehr komplex und viel zu bedenken. Dazu dann mehr in den folgenden Werkstatt-Berichten, wenn es konkreter wird.

Ich freue mich hier über Rückenwind, über einen selbstgewählten, einmaligen Betrag via PayPalMe oder als kontinuierlichen Beitrag via steady. Herzlichen Dank!

Lesezirkel und Leselernreisen

Guided Reading Guild Lesereise Nachhaltigkeit

Die erst kürzlich angekündigte “Guided Reading Guild Lesereise Nachhaltigkeit” steht wieder auf STOP. Neben uns Organisator:innen (immerhin vier an der Zahl) hatten sich lediglich zwei Teilnehmende angemeldet. Von zweien der anderen fünf wusste ich schon, dass sie nur zuhören werden. Bei einem Dritten war unklar, ob er am Abend dabei sein würde.

Lange Rede: Wir suchen nach einem neuen Termin für den Start. Ob noch in diesem Jahr oder doch erst in 2022 – das werden wir sehen. Ich werde rechtzeitig informieren.

EnjoyWork LeseLust interaktiv

Derweil feile ich an der “EnjoyWork LeseLust interaktiv” – der Lese-Lernreise entwickelt für die EnjoyWork Community. Dafür werde ich das Konzept der “Guided Reading Guild” auf die Bedürfnisse von Mitarbeitenden und Chefs kleiner und mittlerer Firmen justieren und adaptieren. Zudem werde ich das ein oder andere Buch austauschen und weitere Werke ergänzen.

Hier sondiere ich erste Kooperationen. Zwei potenzielle Partner haben bereits Interesse angemeldet. Das wäre klasse, wenn das klappt. Dazu mehr, sobald es spruchreif wird.

Momentan zögere ich die Umsetzung der Lernreise allein schon deswegen heraus, da ich noch keine gute technische Lösung für die Anmeldungen verfügbar habe. Die Übergangslösung, die ich für WalkToTalk nutze ist viel zu aufwändig und verschlingt zu viel Zeit. Daher pressiert es mir, mit der Programmierung voranzukommen (siehe oben). Was bedeutet: Eins nach dem anderen und nicht zu viel auf einmal vornehmen. Dass es zurzeit eine Müdigkeit bei der Teilnahme an Veranstaltungen gibt, spielt mir in die Karten. Danke Universum. Manchmal muss man Glück haben (so abstrus das im Gesamtzusammenhang ist.)

Fragen? Anregungen? Wünsche? Beteiligung jedweder Art? Gern melden!

Zuguterletzt

Vergangenen Sonntag stellten wir – zum letzten Mal? – von Sommer- auf Winterzeit um. Mein Biorhythmus hat sich auch nach einer Woche noch nicht daran gewöhnt. Es wird wohl eine Weile dauern, bis ich wieder meine innere Uhr fragen kann, wie spät es ist und mit der Antwort richtig liege.

Die Tage sind deutlich kürzer. Ich trinke mehr Tees und brauche zuweilen bereits tagsüber künstliches Licht. Ein Hoch auf meine LED-Tageslicht-Schreibtischlampe! Und auf meine erstklassige Webcam. Beides Ausgaben, die sich nun bewähren.

All die Technik steht jedoch in keinem Vergleich zur Sonne und der Natur. Am Donnerstag strahlte der Himmel für fünf Minuten so. Was für ein Schauspiel!

Bürofensterblicke: Goldener Sonnenuntergang über Stuttgart Süd. Bild: cc Franziska Köppe | madiko

Bürofensterblicke: Goldener Sonnenuntergang über Stuttgart Süd
[ 2021-11-03 Franziska Köppe | madiko ]

Soweit für heute!

Bleib neugierig, gesund und munter,

mehr davon?

Beiträge “Aus der Werkstatt 2021” siehe unten oder auch in der Komplettübersicht für alle Jahre.

Aus der Werkstatt: Wochenrückblick KW46
Konzeptionell arbeiten, ein Klima – viele Disziplinen, Wissenschaftskommunikation, Freundschaften pflegen

Franziska Köppe | madiko


veröffentlicht: 2021-11-20
letztes update: 2021-11-20

Aus der Werkstatt: Wochenrückblick KW45
COVID19, GuidedReadingGuild, Auftrag nachhaltige Transformation, Forschungsprojekt Peer Innovation

Franziska Köppe | madiko


veröffentlicht: 2021-11-13
letztes update: 2021-11-23

Geführter Lesezirkel zu Nachhaltigkeit
Guided Reading Guild – Lesereise Nachhaltigkeit

Franziska Köppe | madiko


veröffentlicht: 2021-10-27
letztes update: 2021-11-11

Aus der Werkstatt: Wochenrückblick KW39
Sprunginnovationen, Global Goals LAB, Geschäftsmodell EnjoyWork und Schwarmfinanzierung, EnjoyWork Marktplatz, Arboretum

Franziska Köppe | madiko


veröffentlicht: 2021-10-02
letztes update: 2021-11-08

Aus der Werkstatt: Wochenrückblick KW36
WalkToTalk, Mobilität, Klimawandel, Nachhaltigkeitstage BaWü, schöne Gespräche, Social Media, Bücher und so weiter

Franziska Köppe | madiko


veröffentlicht: 2021-09-11
letztes update: 2021-11-08

Aus der Werkstatt: Wochenrückblick KW35
Controlling, Digitalisierung, FAHRRADkultur, LeseLust und mehr

Franziska Köppe | madiko


veröffentlicht: 2021-09-05
letztes update: 2021-11-08

Aus der Werkstatt: Dramatik vorm Bürofenster
Bürofensterblicke 2021-05

Franziska Köppe | madiko


veröffentlicht: 2021-05-24
letztes update: 2021-09-30

Interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Kreativ- und Sozialwirtschaft
Nightshift Nordbaden

Franziska Köppe | madiko


veröffentlicht: 2021-04-24
letztes update: 2021-04-24

FAHRRADkultur: CityBike in metalic-blau
FAHRRADkultur: CityBike in metalic-blau

Franziska Köppe | madiko


veröffentlicht: 2021-01-08
letztes update: 2021-01-08

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