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Aus der Werkstatt

KW 29 / 2022

veröffentlicht: 22.07.2022 · Franziska Köppe | madiko
aktualisiert: 10.08.2022 · Franziska Köppe | madiko

Aus der Werkstatt 2022

Die Themen der Woche: Papierberge, digitale Ablage, Liquiditätsrechnungen, Wirtschaftlichkeitsprüfung, Bürokratisches, Reiseplanung und Organisatorisches – auch das gehört zur Freiberuflichkeit. 13 Jahre madiko. Wasser- und Brennstoffverbrauch für Halbzeuge, Produkte & Dienste. Zugänglichkeit & Barrierefreiheit für das Bedienen von Internetseiten – Schwerpunkt: psychische Einschränkungen und Resilienz. Ich bin die Armut von Sarah Bosetti.

Foto: Aus der Werkstatt 2022
[ 2022-01-01 Franziska Köppe | madiko ]

Es waren Tage, in denen ich von früh bis spät arbeite und in Sachen Social Impact keinen Zentimeter weiterkomme. Denn es war erneut eine Woche der Administration. Den Großteil meiner Arbeitszeit verbrachte ich damit, Papierberge zu sortieren, zu sichten, zu scannen, abzuheften oder zu schreddern und zu entsorgen. Ich vervollständigte und aktualisierte die digitale Ablage, schaute dort nach dem Rechten. Ich rief Kontoauszüge ab, prüfte und buchte Kontobewegungen. Ich errechnete Liquiditätsprognosen. Und belegte erneut – nicht, dass ich die Info gebraucht hätte –, dass ich beim Thema Wirtschaftlichkeit noch ‘ne Schippe drauflegen muss.

Ich bewundere ja aus tiefstem Herzen Menschen, die Buchhaltung, Steuern, Wirtschaftlichkeitsprüfungen und Ablage voller Inbrunst und Leidenschaft tun. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Für mich fühlt sich das jedes Mal nach verschenkter Lebenszeit an. Vor allem, da es meinem Thema der Wirtschaftlichkeit ja abträglich denn zuträglich ist. Es ist Zeit, die mir fürs Arbeiten am Engpass, den Realexperimenten und Projekten fehlt. Seisdrum. Auch das gehört nun mal zur Freiberuflichkeit. Also nicht grämen. Weitermachen.

Zeitweise war es in meinem Dachgeschoss so heiß, dass meine Konzentration darunter litt. Also beschloss ich: Wenn ich schon bei organisatorischen Dingen bin, arbeitete ich E-Mails ab. Im Posteingang gab es vereinzelt Unbeantwortetes, wo ich eine abschließende Entscheidung treffen konnte. Was nun offen ist, kann erst von mir weiterverfolgt werden, sobald das neue EnjoyWork-Portal online ist. Bis dahin betrachte ich meinen Posteingang als “leer”.

Reiseplanung für September stand ebenso auf dem Aufgabenzettel. Ich wage noch einen Versuch, mich unter Zugreisende zu begeben. Bleibt zu hoffen, dass es nicht so ein Desaster wie meine abgesagte Reise nach Leipzig vor ein paar Wochen wird. Ich bin jedoch guter Dinge. Erstaunt stellte ich dabei fest, dass Mainz nur rund zwei Stunden Zugfahrt von Stuttgart entfernt ist. Intercity macht’s möglich. Bin gespannt auf das Treffen und auf die Stadt. Da war ich noch nicht. Was mir die Chance gibt, meine “Deutschland kennenlernen”-Karte zu vervollständigen.

Nach den extrem langen Werkstatt-Berichten der letzten beiden Wochen werde ich versuchen, mich kurzzufassen. Ich hatte mich am Schreiben festgebissen, musste die Gedanken zu Ende führen – um wieder Klarheit zu finden. Ich war so tief eingetaucht, dass ich Schwierigkeiten hatte, mich im Redefluss zu beschränken. Sollte ich daraus die Erkenntnis ableiten, dass eine 4-Tage-Woche “in der Firma arbeiten” und 1 Tag “an der Firma arbeiten” und “Reflektieren” der gesunde Arbeitsrhythmus für mich ist? Ein wöchentlicher Rhythmus scheint sich jedenfalls positiv auf mein Mitteilungsbedürfnis auszuwirken. Ich erlebe mich als bessere Zuhörerin in Gesprächen.

13 Jahre madiko

Am Mittwoch erinnerte mich mein Kalender ans Firmen-Jubiläum. Ich prostete mir mit Tee zu. Gönnte mir einen Moment der Reminiszenz. Die Höhen und Tiefen, die ich im Kleinen in den letzten Wochen erlebte, ziehen sich durch die ganze Zeit der Selbständigkeit. Ich entwickle die dafür nötige “Teflon-Beschichtung” und das “dicke Fell”, wie es Gebhard Borck einmal ausdrückte. Ja, da ist was dran. Wer es als Unternehmer:in die ersten drei bis fünf Jahre überlebt, hat etwas fürs Leben gelernt. Kurz sinnierte ich über unterschiedliche Entrepreneur:in-Persönlichkeiten. Ich merkte jedoch schnell, dass es mir keine Antwort auf die allgegenwärtige Tagesfrage gibt: Was ist die wichtigste Aufgabe, die Du heute umsetzen wirst? Ein schöner Weckruf, wenn ich in Gedanken abschweife und zurück zur Konzentration finden möchte. Hilft immer.

Wasser- und Brennstoffverbrauch für Halbzeuge, Produkte & Dienste

Apropos Gebhard Borck. Er ruft derzeit zu einer Petition auf, die eine gesetzliche Pflicht fordert, den Wasser- und Brennstoffverbrauch für Halbzeuge, Produkte & Dienste auszuweisen:

Währungspreise, Nutri-Scores, Labels oder Zertifikate sind allesamt Ausdruck von imaginierten Realitäten, die – von der Wirklichkeit abstrahiert – dabei helfen sollen, uns als Bevölkerung zu koordinieren. Allerdings stellt keine dieser Merkmale eine Verbindung zu etwas vital Wirklichem her.

Süßwasser hingegen ist ganz wirklich überlebenswichtig.

Brennstoffe sind ebenfalls ganz wirklich und sorgen für Lebenskomfort und Umweltzerstörung gleichermaßen.

Um die, für unsere Klimaziele und Ähnlichem mehr, nötigen Verhaltensänderungen in gesellschaftlichem Maßstab zu erreichen, ist es nötig, Wirklichkeit sichtbar zu machen. In allen Lebenssituationen. Beim Streamen von Filmen. Beim Autofahren. Beim Arbeiten. Beim Ferien-Machen. Beim Sport. Beim Bier im Biergarten. Bei der Geburtstagsfeier. Bei der Bundestagswahl. Beim Spaziergang mit dem Hund. Auf der Motorradtour. Bei der Betriebsversammlung. Beim Jour fixe. Beim Telefonieren …

Das erreicht eine gesetzlich vorgeschriebene Dokumentations- und Informationspflicht zum H2O- und Brennstoff-Verbrauch. Das sind die wichtigsten Kennzahlen, die wir alle in unserem Alltag, in jedem unserer Verhalten sehen sollten.

Gebhard Borck

Quelle: Gesetzl. verpflichtet Wasser- & Brennstoffverbrauch für Halbzeuge, Produkte & Dienste ausweisen
(Ich nahm sanfte Rechtschreib-/Grammatik-Korrekturen vor, veränderte den Inhalt jedoch nicht.)

Ohne zu Zögern unterschrieb ich mit und würde mich freuen, wenn Du Dich – nach eingehender, konstruktiv-kritischer Prüfung – ebenfalls anschließt.

Zugänglichkeit & Barrierefreiheit für das Bedienen von Internetseiten

Schwerpunkt: psychische Einschränkungen

Am Montag traf sich die technica11y DE Community. In Sachen Barrierefreiheit widmeten wir uns einem strategisch-konzeptionellen Thema, das zudem digitale Geschäftsmodelle hinterfragt. Zu Gast war Kristin Opp von der Hochschule Ansbach. In ihrer Bachelor-Arbeit hat sie sich eingehend mit Zugänglichkeit von Internetseiten für Menschen mit psychischen Einschränkungen beschäftigt.

Das umfassende Regelwerk der World Accessibility Initiative (WAI) bildet ausführlich Hinweise zum Abbau von Barrieren für Behinderungen körperlicher Art ab. Hindernisse psychologischer Restriktionen hingegen erhielten bislang wenig Aufmerksamkeit.

In ihrer Arbeit und ihrem Vortrag fasste Kristin den bisherigen – leider spärlich gesäten – Forschungsstand zusammen. Sie lenkte unseren Fokus auf affektive Störungen wie beispielsweise Depression und Angststörungen – im weiteren Sinne auch posttraumatische Belastungsstörungen, Traumata und Schizophrenie.

Wir alle haben in den letzten Monaten am eigenen Leib erfahren, wie uns das diffuse Gefühl der Angst Kräfte raubt und unsere Fähigkeit zum Denken und klugen Entscheiden beeinträchtigen kann. Es kann also nur in unser aller Interesse sein, wenn wir uns der Resilienz und Gesundheitsprophylaxe im Web widmen und diese über das Gestalten der Bedienerführung und des Webdesigns fördern. Genau dafür bot Kristin Anregungen.

0:00:00 Organisatorisches & Begrüßen

0:06:13 Hallo, allgemeines Begrüßen & kurze Einführung in die gemeinsame “Hausordnung”

0:10:24 Einführung ins Thema durch Joschi und “wie alles begann”

0:14:20 Web Accessibility hinsichtlich psychischer Einschränkungen – Vortrag Kristin Opp

Barrierefreies Webdesign mit besonderem Augenmerk auf Depression und Angststörungen

0:15:00 Zur Person

0:16:03 Barrierefreiheit und Barrieren

  • Definition Web Accessibility und Barrierefreiheit
  • Arten von Barrieren

0:18:48 Richtlinien und Umsetzung

  • Web Accessibility Initiative und WCAG
  • HTML 5
  • Progressive Enhancement und Graceful Degration

0:21:39 Barrieren psychischer Erkrankungen

  • Affektive Störungen
  • Trauma und posttraumatische Belastungsstörungen
  • Schizophrenie

0:45:38 Deceptive Design (Irreführendes Design)

0:55:53 Fazit und Ausblick

1:00:38 Öffnen der Runde für Fragen & Diskussion

Allgemeiner Austausch zum Thema

Zuguterletzt

Sarah Bosetti war zu Gast in “Der Anstalt”. Ihr Monolog ist grandios, wenngleich mir dabei das Lachen im Halse steckenbleibt. Die komplette Sendung gibts drüben in der ZDF Mediathek: Die Anstalt (Video verfügbar bis 18.07.2024).

Ich bin die Armut
[ 2022-07-20 Sarah Bosetti | 4'37'' ]

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