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Alle fürs Klima!

Impressionen einer weltweiten Bewegung zum Schutz der Natur und Bewahren der Lebensräume für die Menschheit

veröffentlicht: 24.09.2019 · Franziska Köppe | madiko

Der 20. September 2019 wird mir in bittersüßer Erinnerung bleiben. Ich freue mich, dass es der Fridays For Future Bewegung gelungen ist, allein in Deutschland 1,4 Millionen Menschen für friedliche Demonstrationen zu gewinnen. Weltweit gingen mehr als 4 Millionen in 163 Ländern für den Systemwechsel auf die Straße. Ich bin bewegt und beeindruckt. Es sind vielfältige Elemente, die mir Hoffnung geben und weiter an Humanismus und Aufklärung glauben lassen. Um mir diese Freude zu bewahren, fasse ich die mich begeisternden Impulse des Tages und der letzten Wochen hier zusammen. Zur Erinnerung und als Zeitzeugnis.

Foto: "Our Future on your shoulders"
Global Climate Strikes 2019-09 / Berlin
Fridays For Future Germany

Leider schlägt dieser Aufbruchstimmung gleichwohl ein sogenanntes “Klimapaket” der Politik entgegen, das den Namen nicht verdient. Die Gleichgültigkeit, mit der das “Weiter so!” (was de facto ein “Schlimmer noch!” ist) gegenüber uns Menschen und unseren natürlichen Lebensräumen entgegengebracht wird – es macht mich traurig.

Allem Realitätssinn zum Trotz hatte ich wohl doch in einem kleinen Eck meines Herzens gehofft, dass die Politik sich dazu bewegen lässt, den Klima-Aktivisten zumindest nicht mehr aktiv im Weg zu stehen. Dem ist nicht so. Die Zeiten als Deutschland Vorreiter in Sachen Klimaschutz war, sie scheinen vorbei. Und das beschämt mich und weckt in mir Zorn.

Also bleibt es für mich weiter dabei: Wir müssen der Politik zum Trotz handeln. Wie genau – darüber schreibe ich an anderer Stelle mehr. Heute und hier soll es wie gesagt einen Fokus auf die guten Seiten der Akteure pro Klimaschutz geben.

Fangen wir zunächst mit einem Exkurs an. Die Frage ist nämlich: Was hat “Alle fürs Klima!” mit mir zu tun?

Öko-systemares Denken
von klein auf

Was hat “Alle fürs Klima!” mit mir zu tun?

Meine eigenen Anfänge in Sachen Umweltschutz liegen in den 1980er Jahren. Damals, als Jungpioniere, sammelten wir Altpapier und Altglas für das Recycling, Kastanien und Eicheln für den heimischen Tierpark, Altkleider für die nächsten Nutzer*innen. Es war ungefähr um diese Jahreszeit, dass die große Zeit des Einkochens und Einlagerns des Selbstangebauten oder von öffentlichen Streuobstwiesen Gesammelten begann. Auf einem Dorf groß geworden, gehörte für mich die Mülltrennung in Bio und Restmüll zur Normalität – inklusive dem Wissen, dass manche Bio-Abfälle ewig dauern, bis sie zu neuer Erde verrottet sind. Genauso selbstverständlich war, dass wir alle gemeinsam mit dem Schulbus die 20 km zwischen Elternhaus und Schule fuhren. Elterntaxi? Sie hätten uns was gehustet!

Goldene Stunde am Hohenstaufen / Baden-Württemberg / Deutschland. Bild: copy Franziska Köppe | madiko

Goldene Stunde am Hohenstaufen / Baden-Württemberg / Deutschland
[ 2019-06 Franziska Köppe | madiko ]

Meine Großeltern weckten frühzeitig meine Liebe zur Natur und den Naturwissenschaften. Ich hatte das große Glück, in meinem Großvater ein wandelndes Lexikon der Fauna und Flora zur Seite zu haben. Zugegeben, als Kind war es mir zuweilen lästig, ständig nach Baum und Kraut, Vogel und Wild, Wolken und Wetter gefragt zu werden. Heute bin ich um diesen Wissenschatz froh. Ich merke erst jetzt, wie einleuchtend und wohlvertraut mir dieses Know-how um öko-systemare Zusammenhänge ist. Und wie es mir in der heutigen Zeit nach und nach verloren geht, wenn ich es nicht regelmäßig abrufe und damit neu belebe.

Bis zur Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl im April 1986 war es uns gang und gäbe, Pilze, Beeren und Kräuter in heimischen Wäldern und auf Wiesen zu sammeln. Teilweise streiften wir stundenlang durch die Natur auf der Suche nach den Leckereien. Auch etwas, das gegenwärtig an Erfahrungsschatz verloren geht. Heute gehen wir ins Geschäft und kaufen uns, was wir möchten. Wissen und Aufwand rund um Nahrungsmittel schwinden in einer Gesellschaft, die sich scheinbar alles leisten kann. Besonders absurd, wenn ich beobachte, dass gerade im Lebensmittelbereich ein starker Preiskampf herrscht. Ausgerechnet bei dem Gut, das uns hilft, gesund zu überleben?

Braunkohle vor einem Wohnhaus in Merseburg [ Dezember 1980 ]. Bild: cc Dietmar Rabich / Wikimedia Commons

Braunkohle vor einem Wohnhaus in Merseburg [ Dezember 1980 ]
[ 1980-12 / digitalisiert 2010 Dietmar Rabich / Wikimedia Commons ]

Genauso bewusst waren mir die fatalen Auswirkungen des Braunkohle- und Steinkohle-Abbaus zu DDR-Zeiten. Wer wird die rauchverschmierten Häuser, die aus der Energie-Versorgung resultierenden sauren Regen über den Wäldern mit ihren verheerenden Wirkungen auf den Baumbestand vergessen? Oder die schwindenden Blumen und Hecken zwischen den immer größer werdenden Agrarflächen der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPGs)? Die knatternden 2- und 4-Takt-Motoren mit ihrem atemraubenden Gestank? Oder die mit Laugen schäumenden Flüsse der Elster, Neiße, Saale auf denen dann die Fische mit Bäuchlein nach oben schwammen. Mit eigenen Augen gesehen, mit der eigenen Nase gerochen, mit den eigenen Händen und Haut gefühlt – und als Zusammenhang zu menschlichem Handeln verstanden, lassen mich diese Eindrücke nicht mehr los.

Deutschland / Sachsen: Leipziger Neuseenland: Braunkohlebagger. Bild: copy Franziska Köppe | madiko

Deutschland / Sachsen: Leipziger Neuseenland: Braunkohlebagger
[ 2015-08 Franziska Köppe | madiko ]

So ist es für mich wirklich schwer nachzuvollziehen, dass noch die Mehrzahl der Bevölkerung dem Thema Klimaschutz so gelassen gegenüber steht.

Ich selbst bin 44 Jahre jung. Gemäß der durchschnittlichen Lebenserwartung für Deutschland und den Erfahrungen aus meiner Familie, habe ich gute Chancen, über 80 Jahre alt zu werden. 2060 noch zu erleben, scheint also durchaus realistisch. Vermutlich geht es mir jedoch wie all den Jugendlichen der “Fridays For Future”-Bewegung: Ich werde nicht an Altersgebrechen, sondern aufgrund der klimatischen Lebensbedingungen oder im Kampf um die lebensnotwendigen Ressourcen ums Leben kommen.

Das ist nicht die Welt, in der ich leben will! Vor allem: Das ist nicht mein Erbe, das ich hinterlassen will!

“Skolstrejk för klimatet”

2011, im Alter von 8 Jahren, hörte Greta Thunberg [ˈɡreːˌta ˈtʉːnˌbærj] erstmals vom Klimawandel. Was danach mit ihr geschah und warum sie sich seither – sowohl im Privaten, als auch in der Öffentlichkeit – für ein klimaverantwortliches Verhalten einsetzt, beschreibt sie im obigen Video in ihren eigenen Worten.

Im Mai 2018 wurde Greta (nunmehr 15 Jahre alt) Preisträgerin des Schreibwettbewerbs zur Umweltpolitik, der vom Svenska Dagbladet initiiert worden war. Mit der Veröffentlichung ihres Beitrags entstanden Kontakte zu verschiedenen Personen, die sie zu ihrem Engagement inspirierten. Kurz darauf begann sie, sich aktiv in der Öffentlichkeit für den Klimaschutz einzusetzen.

Am 20. August 2018, dem ersten Schultag nach den Ferien, platzierte sie sich mit einem Schild mit der Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“ („Schulstreik für das Klima“) vor dem Sveriges Riksdag (Schwedischer Reichstag) in Stockholm.

Greta Thunberg mit „Skolstrejk för klimatet“ („Schulstreik für das Klima“) <br>vor dem Sveriges Riksdag (Schwedischer Reichstag) in Stockholm. Bild: copy Adam Johansson

Greta Thunberg mit „Skolstrejk för klimatet“ („Schulstreik für das Klima“)
vor dem Sveriges Riksdag (Schwedischer Reichstag) in Stockholm
[ 2018-08-23 Adam Johansson ]

Dieses Foto ist erst ein Jahr alt! Seither ist unglaublich viel passiert. Greta ist zum Vorbild einer ganzen Generation geworden:

Was ist das Besondere an dieser Bewegung? Nun, offenbar gelingt ihnen (endlich!), woran sich unsere Generation seit Jahrzehnten die Zähne ausgebissen hat: Klimaschutz, Naturschutz, Artenschutz ist als Thema in der Öffentlichkeit angekommen. Aus meiner Sicht ist es jedoch vor allem der verbindende Sinn, der die Bewegung so stark macht:

Es geht darum,
endlich den Worten Taten folgen zu lassen.
Es gilt, auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten,
der Menschheit – uns – einen lebenswerten Planeten
zu erhalten.

Wir haben die Lösungen. Sie sind seit Jahrzehnten (seit den 80er Jahren und schon länger) bekannt. Und ja: Der technologische Fortschritt hat dazu beigetragen, dass wir heute effizient wie nie, Energie gewinnen, verteilen, speichern und nutzen können. Wir nutzen sie jedoch nicht. Das gilt es zu ändern!

Lange wurden wir die “Null-Bock-Generation” genannt. Jetzt stehen wir zu Hunderttausenden auf den Straßen und appellieren an etwas, das an eine Null-Bock-Regierung erinnert.

Luisa Neubauer

Klima-Aktivistin der Fridays For Future Deutschland

Außergewöhnlich an der “Fridays For Future”-Bewegung und all den sie unterstützenden Vereinen ist zudem die Art, sich zu organisieren, zu kommunizieren und Entscheidungen zu treffen. Es ist ein neues, soziokratisches Verständnis von Demokratie. Das schließt das voneinander Lernen, miteinander Gestalten und auch Auszuprobieren mit ein.

Es geht um Lernen. Es geht um Selbstorganisation. Und vor allem auch um Neues Arbeiten. Parallel zum dem, was wir beruflich tun, läuft dort [bei Parents For Future für die Fridays For Future] ehrenamtlich etwas ab, das eine Dynamik entwickelt, die noch stärker ist. Die in der Sache, im Zweck viel vereinter ist.

Alles, was getan wird, wird unter das Ziel “Wir wollen etwas fürs Klima tun!” gestellt. So sind die Wege einfacher, können schneller sein. Da man für die gemeinsame Sache kämpft, ist man sich in der Sache immer einig, oder man tritt zurück beziehungsweise geht in den Kompromiss, oder man akzeptiert den Konsens. Sonst kommen wir ja nicht weiter. […]

Man kann jederzeit seine Bedenken vorbringen. Wenn keine*r mehr einen sachlichen Einwand hat, dann wird die Entscheidung akzeptiert. […] Es gibt immer etwas, das wichtiger ist. Das wird auch gern immer wieder betont. Es gibt auch etwas Wichtigeres als dass wir uns streiten, nämlich, dass wir etwas tun. Das ist etwas, das alle verstanden haben und das nicht mehr diskutiert wird. […]

So diskutieren sie beispielsweise auch deswegen nicht mehr, weil es nichts mehr zu diskutieren gibt auf der Grundlage dessen, was die Wissenschaft sagt. Darauf wird sich berufen. Das ist ein ganz einfacher, kurzer Weg. Die Kinder sehen das gesamte Bild in der Zukunft und das kaputte Bild jetzt. Also lass uns nicht über das kaputte Bild reden, sondern über das, was in der Zukunft uns allen schöner erscheinen soll.

Es ist genug Raum da, um so vorzugehen. […] Es ist keiner, der sagt “Du musst jetzt das machen.” Die Frage ist zuerst: “Was möchtest Du machen? Such Dir was aus! Wir haben genug zu tun.”

Martin Marx

Lernfuturist, Storyteller & Techno Optimist

… im Gespräch mit Karlheinz Pape beim Corporate Learning Camp CLC19KO zu seinen Eindrücken zum Lernen bei “Fridays for Future” und “Parents for Future”.

Der gesamte Podcast ist sehr hörenswert: CLP076: Lernen von den Klima-Aktivisten

Global Climate Strike
am 20.09.2019

Damit genug der Worte!
Die Bilder der Fridays For Future-Bewegung sprechen für sich.
Ich freue mich und bin stolz, unterstützender Teil zu sein.

Global Climate Action!
Global Climate Action!

Die schönsten, besten, pointiertesten und pfiffigsten Statemtents, Motive, Poster, Plakate und mehr der Fridays For Future-Bewegung weltweit.

Transparente mit Botschaft


veröffentlicht: 2019-09-20
letztes update: 2019-10-01

Global Climate Strike 20.09.2019
Global Climate Strike 20.09.2019

Mehr als 1,4 Millionen Menschen in ganz Deutschland

Deutschland


veröffentlicht: 2019-09-20
letztes update: 2019-09-29

Global Climate Strike 20.09.2019
Global Climate Strike 20.09.2019

Mehr als 4 Millionen Menschen aus 163 Ländern rund um den Globus

International


veröffentlicht: 2019-09-20
letztes update: 2019-10-01

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In diesem Sinne:
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