Menü

Barrierefreiheit beginnt beim UX Engineering

Rückblende aufs technica11y DE 2021-01 mit Dirk Ginader, Accessibility UX Engineering Manager bei Google

veröffentlicht: 08.02.2022 · Franziska Köppe | madiko

Zu Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft gehören Informationsfreiheit, Wahlfreiheit, Entscheidungsfreiheit und eigenverantwortliches Handeln. Dazu muss ich Menschen ermächtigen. Alle Menschen. Das bedeutet auch, alltägliche Hürden abzuschaffen oder auf das Minimum zu reduzieren. Bei technica11y schauen wir insbesondere auf die Barrieren und Hindernisse, die sich in Digitalien ergeben. Vermeiden wir sie, beziehungsweise bauen wir diese zurück, hilft das uns allen. Im Januar war Dirk Ginader zu Gast. Er gab uns einen Einblick in die Umsetzung von Barrierefreiheit in der Produktentwicklung bei Google.

Foto: Digitale Transformation: Arbeit am Rechner
lizensiert für madiko // Foto: Khanchit Khirisutchalual

Mitte Januar startete technica11y ins neue Jahr. Es war schön, wieder einmal dabei zu sein. Joschi Kuphal von tollwerk, der den Accessibility Club Deutschland organisiert und moderiert, hatte Dirk Ginader von Google eingeladen.

Seit 2021 ist Dirk Manager eines Teams von UX-Engineers1, die exklusiv daran arbeiten, sämtliche Google-Produkte barrierefrei zu realisieren. Sie bauen damit die Brücke zwischen Gestaltung (design) und technischer Realisierung (engineering). Ihr Ziel: allen Menschen die Bedienung der Programme (ux = user experience) so angenehm und barrierearm wie möglich zu machen. Intern streben sie an, dass alle Designer:innen und Programmierer:innen, Barrierefreiheit in ihrer Komplexität verstehen und antizipieren. Also Accessibility von Beginn an mitdenken und Hand in Hand arbeiten.

[ 1 ] “UX Engineers” scheint auch in Deutschland der gängige Fachbegriff zu sein. UX steht für user experience, also den Erfahrungen, die Nutzer:innen mit einem Produkt oder einer Dienstleistung erleben. Engineers sind diejenigen, die die Leistungen technisch realisieren. So wie ich Dirk in seinem Vortrag verstand, erweitert das neu geschaffene Team mit seiner selbstdefinierten Rolle, die übliche Arbeitsteilung in Unternehmen. Schon allein deswegen könnte sich für Dich die Rede beim technica11y lohnen.

Kleiner Tipp, wenn Du das Video hier aufrufst: Der Vortrag beginnt ab 15’47’‘ mit der Vorstellung von Dirk und der Einführung ins Thema von Joschi. Ab 19’45’‘ steigt Dirk dann in User Experience Engineering bei Google ein. Weitere Zeitmarken findest Du drüben bei EnjoyWork. Dort fasse ich meine zentralen Erkenntnisse aus dem Vortrag und der sich daran anschließenden Diskussion mit Dirk und Joschi zusammen. Bitte hier entlang:

Hier noch die Kapitelübersicht als ersten Einblick:

  1. Aufzeichnung des Livestreams
    (Inklusive Zeitmarken in die Themen/Kapitel für das doch recht lange Video)
  2. User Experience Engineering
    1. Perspektive Gestaltung
    2. Perspektive Technische Realisierung
  3. A11Y – Numeronym und Bewegung für freien Zugang für alle Nutzer:innen
  4. Accessibility im User Experience Engineering
    1. Barrierefreiheit während des Design-Prozesses
    2. Barrierefreiheit während der Programmierung
    3. Nicht das Rad neu erfinden
  5. Barrierefreiheit hilft uns allen
  6. Bedienen mit ausschließlich Tastatur
    1. Sichtbarkeit der Fokus-Anzeige
    2. Erwartete Reihenfolge der Tabulator-Sprünge
  7. Bedienen mit Bildschirm-Lese-Geräten
    1. Erweiterte Funktionalität für das Bedienen mithilfe einer Tastatur
    2. Navigieren mithilfe der Orientierungspunkte, Seiten-Regionen und Seiten-Struktur
  8. Barrierefreiheit in der Bedienführung: Struktur, Ablauf und Elemente
    1. Struktur
      1. Orientierungspunkte & Seiten-Regionen (landmarks)
      2. Überschriften
      3. Barrierefreiheit für nicht-lineare, komplexe Seiteninhalte
    2. Ablauf
      1. Navigation im Ablauf mithilfe der Tabulator-Taste
        1. Fokus auf das zentrale Angebot einer Seite (Suche)
        2. Fokus auf den auszuführenden Arbeitsschritt (Link-Eingabe)
        3. Zusammenspiel von Fokus und Vorbelegen von Speicherplätzen (Kalender Teil I)
        4. Durchlaufen von Schleifen und das Setzen des Fokus nach Abschluss des Bedienschritts (Kalender Teil II)
      2. Navigieren im Ablauf mithilfe der Pfeiltasten
      3. Navigieren im Ablauf mithilfe der Leer- oder Enter-Taste
      4. Anwendungsbeispiel “Content Cards”
    3. Elemente
      1. Etiketten (labels) hinzufügen
      2. Gute ‘label’ formulieren
      3. ARIA-Rollen gezielt definieren
  9. Regelmäßig auf die Maus verzichten
  10. Fazit & Ausblick
  11. Weiterführende Links
    1. WAI-ARIA Authoring Practices
    2. Farbkontraste testen und adaptieren
      1. Für Figma-Nutzer:innen: PlugIn “Contrast”
      2. Für MAC oder Windows: Colour Contrast Analyser (CCA) von TPGi
    3. ALLYcasts – YouTube Serie zu Accessibility

Fazit & Ausblick

Vor allem ist mir in diesem Vortrag das Zusammenspiel von Strukturen + Abläufen + Elementen im Spannungsfeld von Design und technischer Realisierung klarer geworden. Gerade diese Übersetzungsarbeit vermisse ich in vielen Tutorien zur Digitalisierung sehr häufig. Ein besonderer Pluspunkt also für diesen Impuls von Dirk Ginader. Ich habe viel mitgenommen und Wissen gefestigt.

Einen Großteil der neuen Erkenntnisse werde ich über eine Verbesserung im Content Management System realisieren können. Da bin ich sehr froh drum. Die Umsetzung wird nicht lange warten müssen, da ich ohnehin aktuell dabei bin, das System auf den neuesten technischen Stand zu bringen. Ein erster automatisierter Accessibility-Check via Tenon ergab Null Fehler für Barrierefreiheit. Das verblüfft mich sehr. Gleichwohl sehe ich ja nach diesem Vortrag die Baustellen. Die Umsetzung ist demnach schon weit gediehen und es sind die Details an denen ich nun arbeiten kann.

Den Teil, der händisch von mir als Redakteurin gepflegt werden muss, werde ich erst nach und nach im Rahmen der weiteren redaktionellen Arbeit angehen und verbessern können. Sowohl EnjoyWork als auch madiko sind mittlerweile zu groß geworden, um sämtliche, publizierten Artikel komplett nachzuziehen. Dies ginge zulasten erweiterter Inhalte, was dem Projekt nicht dienlich wäre. Ich werde diese Verbesserungen dann sukzessive dort umsetzen, wo ich Seiten aktualisiere beziehungsweise ohnehin redaktionell auf den neuen Stand bringe.

Nun bin ich neugierig, was Du zu den Erkenntnissen sagst. Lass’ mich gern wissen, welche Fragen Dich zu Barrierefreiheit und Inklusion in der digitalen Transformation interessieren.

Zum Abschluss fehlt nur die Einladung von Joschi, die ich gern weiterreiche: Schließe Dich technica11y DE an: Jeden dritten Montag im Monat ab 17 Uhr. Thema und Impulsgeber:in gibt Joschi zirka 10 Tage vorab bekannt. technica11y international steht Dir natürlich ebenso offen.

In diesem Sinne: Auf ein Wiedersehen in Digitalien und…

bleib neugierig,

Hast Du eine Anregung
für Deine Aufgabe oder Frage gefunden?

Bitte teile diesen Artikel und werfe gern eine selbstgewählte Gabe in meinen virtuellen Hut. Auch ein kleiner Betrag macht den Unterschied!

Neugierig was mit Deinem Geld passiert?
Mit der Schwarmfinanzierung (einmalig via PayPal oder monatlich via steady)
wirst Du aktiver Teil der Bewegung und Kooperative EnjoyWork. Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft.

Du unterstützt zudem freien, konstruktiven Journalismus und mich in der Moderation der Community. Es ist die Basis für mich, Franziska, Impulsgeber:innen und Vorreiter:innen rund um Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft zu portraitieren, regelmäßig mit Euch, der Community, auf Zukunftsthemen draufrumzudenken und fundiert über unsere Erkenntnisse und Praxiserfahrungen zu berichten.

Weitersagen heißt unterstützen

Ich setze mich für den freien und offenen Zugang zu Wissen ein. Dieser Artikel zahlt auf dieses Ziel ein. Teilst auch Du ihn in Deinem Netzwerk, kann er weitere Verbreitung finden. Danke für Deine Unterstützung!

Vielen Dank!

Was wirst Du als nächstes tun?

Ein erstes Kennenlernen

und miteinander persönlich ins Gespräch kommen
(Gratis, jedoch nicht umsonst)

Dein Anliegen klären

inklusive Ad-hoc-Beratung und Rückenwind für Dein Vorhaben
als persönliches Gespräch via Telefon, zoom oder BigBlueButton (senfcall).

Teil der Community werden

Die Herausforderungen unserer Zeit bewältigen wir in besserer Qualität und schneller, wenn wir uns zusammentun, voneinander lernen und uns gegenseitig inspirieren.