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Stadtbummel durch Mainz

· Teil 2 ·

veröffentlicht: 18.09.2022 · Franziska Köppe | madiko

Nach einem entspannten Sonntags-Brunch gemeinsam mit den “Friends of REDAXO” im Café Das Nest (Nähe Bahnhof) nutze ich die verbleibenden Stunden bis zur Abfahrt meines Zuges, um Mainz zu erkunden. Heute werde ich touristische Orte ansteuern. Zur Orientierung hilft mir ein praktisches Beschilderungsprinzip der Stadt. Die zwei-farbigen Straßennamen waren mir schon am Freitag aufgefallen. Am Wochenende erfuhr ich, was es damit auf sich hat: Blaue Straßenschilder signalisieren, dass der Straßenverlauf parallel zum Rhein, rote Schilder bedeuten, dass die Straße quer zum Rhein verläuft. Klever!

Foto: Mainz – Straßenecke mit zwei Straßenschildern: links in Rot Hintere Bleiche (quer zum Rhein), rechts in Blau Bahnhofstraße (parallel zum Rhein)
Franziska Köppe | madiko

Nachdem ich meinen Koffer am Bahnhof verwahrte – 3,5 Euro kostet das heute für eines der kleineren Schließfächer, 5,5 Euro für große. Das auch mal als Zeitzeugnis festhalten – laufe ich in die Altstadt.

Foto: Mainz Bahnhofstraße
Franziska Köppe | madiko

Auf dem Weg zum Markt komme ich am Theater und am Gutenberg-Denkmal vorbei. Bansky grüßt von fern. Wo ich seine Kunst finde, erschließt sich mir leider nicht. Später im Internet sehe ich, dass die Ausstellung “The Mystery of Bansky” schon weitergezogen ist. Wer die Augen aufhält, wird dennoch viel Graffiti entdecken. Oft fügt sich die Straßenkunst nahtlos ins Stadtbild ein – wie beispielsweise beim Institute Française. Letzteres feierte übrigens 2021 sein 70-jähriges Bestehen und wird aktuell saniert.

Das generelle Stadtbild ist geprägt von hauptsächlich Stein, Gemäuer, Asphalt. Straßenachsen richten sich längs und quer zum Rhein. Eine Stadt auf dem Reißbrett, wobei sich die Höhe der Häuser stets am Dom und den Kirchen orientiert, um ihnen die gewünschte Fernwirkung zu verleihen. Der Himmel ist grau. Die Stadt ist es auch. Bäume am Straßenrand oder auf kleinen Plätzen sind eng eingefasst und der Boden drumherum mit Split versiegelt. Ich frage mich, wie er Wasser aufnehmen soll. Insofern ist nicht verwunderlich, dass die Platanen, Kastanien und Buchen die Blätter traurig hängen lassen. Mich erstaunt, dass die Oliven in den Pflanzkübeln gegenüber vom Theater reife Früchte tragen. Über dem allgegenwärtigen Straßenlärm fällt mir das vielstimmige Kreischen aus den Baumkronen auf. Ich tippe auf Kolkraben, doch sicher bin ich mir nicht.

Stadtbummel durch Mainz: Altstadt. Nebenstraße mit Blick zum Turm des Doms.. Bild: cc Franziska Köppe | madiko

Stadtbummel durch Mainz: Altstadt. Nebenstraße mit Blick zum Turm des Doms.
[ 2022-09-18 Franziska Köppe | madiko ]

Am Markt mit seiner Heunensäule aus Sandstein gibt es alte Bausubstanz.

Ich wende mich nach rechts und betrete den Dom. Das Gemäuer strahlt erstaunlich viel Wärme aus. Der heiße Sommer ist hier noch zu spüren. Mich empfängt dämmriges Licht aufgehellt durch Gebetskerzen und das für Gotteshäuser typische Flüstern der Gäste. Ich wage, “Dona nobis pacem” zu summen und freue mich über die Resonanz. Ungewöhnlich finde ich die Löwen-Statuen im Kirchenschiff. Das Bauwerk selbst vereint verschiedene Baustile von Romantik (10-13. Jahrhundert), Gotik (13.-15. Jahrhundert), Barock (17.-18. Jahrhundert) über Historismus (19. Jahrhundert) bis zur Moderne (heute). Ich lasse alles auf mich wirken und freue mich, dass mir das Gemäuer hilft, zu innerer Ruhe zu finden.

Es nieselt. Es ist dieser feine Sprühregen, bei dem Du den Schirm zulässt und bald durchnässt bist. Hmpf. Ich laufe weiter durchs Stadtzentrum, überquere den Neubrunnenplatz und schmunzle über die Mainzelmännchen-Ampel. Der kleine Park auf dem Schillerplatz steht in voller Blüte und duftet. Eine fleißige Biene fliegt emsig jede Dolde und jeden Kelch an, in der Hoffnung, dass Nektar zu holen ist. An der nächsten Kreuzung ragt der Fassnachtsbrunnen mit seinen 200 Figuren in die Höhe. Auf der anderen Straßenseite steht der Gardetrommler. Es ist ein seltsames Licht zum Fotografieren, grell und kaum formgebende Schatten. Ich versuche es dennoch.

Vom Schillerplatz laufe ich den Hügel zu Sankt Stephan hoch. In Bezug auf die Architektur ist dies eher ein Stadtviertel, wo ich mich wohlfühlen würde. Zahlreiche Fahrräder stehen am Wegesrand. Wie viele davon fahrtüchtig sind? Ich habe Zweifel, dass es auch nur die Hälfte ist. Was ebenfalls zum Stadtbild gehört ist der Müll, der oft neben den Fahrradbügeln steht. Schön ist was anderes. Zum Beispiel die Chagall-Fenster im Sankt Stephan. Mit meinem 50er Objektiv fange ich die Stimmung so gut es geht ein. Das war in jedem Fall der beste Tipp, den ich für Mainz erhalten habe! Danke Tobias.

Mainz Altstadt: St. Stephan . Bild: cc Franziska Köppe | madiko

[…] Hier beeindrucken die zwischen 1978 und 1985 eingebauten Glasfenster in Ostchor und Querhaus. Marc Chagall (1887 … 1985), französischer Staatsbürger russischer Herkunft und jüdischen Glaubens, schuf diese Fenster nach mehrjährigem Briefwechsel und Gesprächen mit dem Pfarrer der Gemeinde Klaus Mayer in Verbindung mit dem Atelier Jacques Simon in Reims. Sie zeigen in Darstellungen der Bibel die enge Verbundenheit zwischen jüdischem und christlichem Glauben und setzen ein Zeichen für Völkerverständigung und Frieden.

Quelle: Stele Historisches Mainz an der Kirche Sankt Stephan

Foto: Mainz Altstadt: St. Stephan (Stele Historisches Mainz)
[ 2022-09-18 Franziska Köppe | madiko ]

Vom Hügel aus schaue ich über die Dächer der Stadt. Hier ist es erstaunlich ruhig. Der Wind raschelt in den Bäumen und Sträuchern. Der Kies knirscht unter den Schuhen. Wenn das Wetter nicht so ungemütlich wäre, würde ich mich in diesen Garten hier setzen und lesen.

Ich aber wende mich wehmütig vom Ausblick ab, steige hinab ins Zentrum und laufe gemächlich zum Bahnhof. Unterwegs gönne ich mir noch eine ausgesprochen leckere vietnamesische Van-Than-Suppe (vegan) im LÚC (Bahnhofstraße 4-6). Im Restaurant sitzen wenig Menschen. Dennoch herrscht eifrige Betriebsamkeit. Das Liefergeschäft floriert.

Auf dem Sofa sitzen und die Füße hochlegen würde ich jetzt auch gern. Bevor ich loslaufe zum Zug, prüfe ich, zu welchem Bahnsteig ich muss. Über die App erfahre ich, dass mein Zug ausfällt. Zum Glück gebe ich nicht resigniert auf, sondern habe die Intuition, auf den Text zu klicken – und siehe da: Die Bahn bietet direkt einen Ersatzzug knapp 25 min später. Das lässt sich verschmerzen. Ich kann also noch ein Weilchen länger hier sitzen bleiben. Die Rückfahrt selbst verläuft ruhig. Es ist wenig los und der Großwagen fast leer. Vermutlich wichen die Fahrgäste auf andere Zugverbindungen aus. Ich höre Podcasts, lese und hänge meinen Gedanken nach. So komme ich entspannt in Stuttgart an. Es war eine schöne Reise. Die Abwechslung tat gut.

Soweit für heute!

Bleib neugierig, gesund und munter,

Alle Fotos als Bildergalerie:

Stadtbummel Mainz

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