Aus der Werkstatt

Wochenrückblick KW30 / 2023

veröffentlicht: 30.07.2023 · Franziska Köppe | madiko

Zeichnung eines Bunsenbrenners mit Kolben an einem Stativ, Reagenzglas mit Setzling und ein Prisma als Symbole für eine wissenschaftliche Werkstatt / Wissensarbeiter:innen. Dazu der Titel Aus der Werkstatt 2023.

Die Themen der Woche: Biorhythmus durcheinander. Gehdanken zum Ordnen. Kognitive Dissonanzen. Befreien von Belastungen mit drei einfachen, effektiven Maßnahmen. WandelMut Projekt-Arbeit. Zuguterletzt: ein Liedchen der Hoffnung.

Aus der Werkstatt 2023
[ 2023 Franziska Köppe | madiko ]

Ja, wo ist die Woche hin?! Am Donnerstag konnte ich das Gefühl nicht abschütteln, es wäre Freitag. Gestern wiederum fühlte sich mehr so an wie Dienstag. Heute nun bin ich vollends verwirrt. Es gibt so Wochen, die mein Zeitgefühl komplett durchrütteln. Ich führe es darauf zurück, dass mein Schlaf die letzten Tage unruhig war. In Abstimmung mit meinem Hausarzt schraube ich an der Einstellung meiner Medikamente. Das bringt meine Schilddrüse aus dem Konzept. Ich bin optimistisch, sie versteht bald, worum’s geht und stellt sich drauf ein. Dann sollte das wieder geordneter laufen. Hoffe ich. Nun, wir werden sehen. Alldieweil heißt’s geduldig mit mir sein. Tja, das sagt sich immer so einfach…

Gehdanken

Richtig schön diese Woche war, dass ich jeden Tag “vor die Tür” kam. Endlich die Verspannungen aus dem Rücken laufen, mich mit Freude bewegen. Nicht alle Tage waren gut. Die Schilddrüse regelt ja sämtliche Kreisläufe im Körper. Von daher fühlte es sich für mich an wie völlig übermüdet Achterbahn-Fahren. Das hielt mich zum Glück nicht ab, meinen inneren Schweinehund Gassi zu führen. Mal waren es kleine Runden im Viertel oder ein ausgedehnter Gang zum Bäcker. Drei von sieben Tagen gelang ein größerer Spaziergang mit ein paar Höhenmetern ums Quartier. Es wird. Es wird. Das nun verstetigen. Erfreut stelle ich fest, dass ich spätestens am Nachmittag – nach langem Sitzen am Rechner – die Sehnsucht nach Bewegung spüre. Das bewusst wahrnehmen und ihr nachgeben. So schön! Das hatte ich vermisst. Nun kehrt diese intrinsische Motivation zurück.

Kognitive Dissonanzen

Von der allgemeinen Lage der Nation, in Europa und der Welt bekam ich nicht viel mit. Es gelang mir, das Zeitgeschehen auszublenden. Ich fokussierte mich auf meine Themen. Dazu gleich mehr. Einzig die Umwelt-Katastrophe rund um die havarierte “Fremantle Highway” in der Nordsee ging nicht spurlos an mir vorbei. Das Frachtschiff hat(te) 3.783 Autos geladen. 500 Elektro-Autos sind darunter. Noch ist nicht abschließend geklärt, ob eines davon die Ursache des Unglücks war. Batterie-Technologie gepaart mit einer auf Kosten optimierten Schiffs-Konstruktion machen das Löschen des Brandes auf hoher See extrem schwierig und gefährlich für die Einsatzkräfte.

Leider wurde diese Unsicherheit sofort von Gegnern der Mobilitäts-Wende politisch missbraucht. Wie so oft bei Falsch-Meldungen, wurden Tatsachen behauptet, die nicht erwiesen sind. Nur, um Stimmung zu schüren und Zweifel zu säen. Die Medien – selbst die öffentlich-rechtlichen – griffen die “Sensation” bereitwillig auf. Die übliche Diskurs-Logik ist kaputt. Das macht mich so mütend. Insofern war eine weitgehende Abstinenz von Mastodon Prophylaxe für meine Psyche.

Bleibt zu hoffen, dass die Umwelt-Schäden so mild wie möglich ausfallen, die durch die Havarie im Wattenmeer und an den reisenden, sich derzeit vor Ort mausernden Zugvögeln entstehen. Die Konsequenzen menschlichen Handelns bleiben mir so oft unbegreiflich. Das alles aus Profit-Gier. Derweil sendet mir mein Bruder Fotos von der dänischen Nordsee-Küste, einem wahren Natur-Paradies in unmittelbarer Nachbarschaft. Schon schräg, wie die Welt zuweilen um uns tickt.

Befreien von Belastungen

Apropos Medien-Nutzung: Steffen gab mir gestern einen wichtigen Stubbs. Danke dafür!

Social Media: Apps gelöscht
und offene Tabs geschlossen

Ich hadere schon länger mit einer nervigen Angewohnheit. Erst letzte Woche hatte ich davon berichtet: In jeder Arbeitspause neige ich dazu, zum Smartphone zu greifen. Der initiale Gedanke: Nur schnell mal schauen, ob es Antworten auf Fragen oder neue (An)Fragen gibt. Ob ein kleiner Plausch meiner Community entstanden ist – so wie ich ihm in einer Kaffee-Küche begegnen würde. Ein Herzchen oder Sternchen an meinem letzten Blog-Beitrag vielleicht? Mich vergewissern, nicht komplett “hinterm Mond” zu leben. Doch dabei bleibt es ja nicht. Einmal online werde ich hineingezogen ins Blättern und Scrollen. Dabei sträubt sich alles in mir dagegen. Aus oben genannten Gründen. Und weil mein Kopf mit eigenen Gedanken voll – übervoll – ist. Er braucht die Pause.

Fünfhundert Zeichen Tröt sind mir im Grunde schon zu viel. Social Media sind “Lese-Medium” – auch wenn ich mir mit Landschafts- und Natur-Fotographie, Kunst und Kultur die Startseite bunt anpinsle. Auf die Frage der Krautreporter “Welche Gewohnheit, die du dir zugelegt hast, hat dein Leben wirklich verändert?” antwortete Steffen: “Kein Social Media mehr auf dem Handy. Keine News mehr per App o.ä. Stattdessen mehr längere Artikel oder Bücher.” Auf meine Nachfrage, wie ihm gelingt, konsequent zu bleiben, ergänzte er: “Ich such mir etwas anderes zu tun. Lesen, Musik hören, Gedanken abschweifen lassen, aus dem Fenster gucken…” Stimmt, Letzteres gönne ich mir zu selten.

Nach kurzem Zögern (Soll ich wirklich?!) löschte ich Tusky und die Slack-App. Über der App von Perspective Daily schwebte lang der Finger. In den letzten Tagen waren gute Artikel dabei. Also wurde ich schwach, ließ die Hand sinken. Sie schaffen es immer, mich bei der Stange zu halten. Immer dann, wenn sich das Verhältnis von “Ratgeber”-Artikeln zu Hintergrund-Berichten und Reportagen dreht. Ich nahm jedoch die Benachrichtigungen raus. Ein erster Schritt. Und ich schloss die offenen Browser-Fenster mit den “Mitteilungen” aus Mastodon und LinkedIn sowie den Feed-Reader.

Downloads aus AntennaPod gelöscht

Bei der Gelegenheit zog ich Konsequenzen in Sachen Podcasts. Ich hatte schon erzählt, dass ich diese kleinen Zahlen an Apps hasse, die mir “Ungelesenes” anzeigen. Wenn Entwickler:innen es zulassen, schalte ich sie am liebsten ab und behalte nur die, die ich für meine Arbeit brauche.

Via AntennaPod gewöhnte ich mir an, den Posteingang regelmäßig durchzugehen und einzuteilen in: aus dem Posteingang löschen und herunterladen. Ähnlich zu meinem Kanban schaute ich, dass ich nicht mehr als fünf bis sieben Folgen unter Downloads stehen hatte.

Da ich zurzeit weniger Neues verarbeiten kann, geriet dieses Prinzip aus dem Ruder. Beim Auswählen, was ich als Nächstes hören möchte, spürte ich Erfolgsdruck und stand vor einer Qual der Wahl. Also löschte ich gestern alles, bis ich bei sieben Folgen landete.

Der Podcast “Keine Jungpioniere” von Lucas, den ich zurzeit mit viel Interesse höre, hat noch zwei Folgen. Dann bin ich wieder bei maximal fünf als Standard. Das fühlt sich gut an.

100+ Browser-Fenster abgearbeitet

All das zahlt ein auf einen freien Denk-Raum. Offenheit schaffen, dass sich die eigenen Gedanken entfalten können und nicht erdrückt werden von Fremdsteuerung.

Nachdem ich mich die vergangenen Wochen mühsam durch meine offenen Browser-Tabs im Smartphone quälte, nahm ich mir diese Woche die Recherche-Treffer am Hauptrechner vor. Einen nach dem anderen prüfte ich, wog ihn ab und führte die Infos bei weitergehendem Interesse meiner umfangreichen Ideen-Datenbank zu.

Gerade die Verschlagwortung ist enorm aufwändig. Ich reichere meine Sammlung um den Wert an, der mir die redaktionelle Arbeit erleichtern und die Qualität steigern wird. Das kommt nicht von ungefähr. Allen, die mir jetzt “künstliche Intelligenz” an den Kopf werfen: Maschinelles Lernen geht nie ohne diese händische Ausarbeitung von Menschen. Das vergessen sie nämlich dabei oder übersehen es geflissentlich.

Gestern Abend, so gegen sieben, hatte ich sämtliche(!!) offenen Browser-Fenster abgearbeitet. Zufrieden und erleichtert gönnte ich mir ein leckeres Abendessen. Dabei saß ich dummerweise nicht weit weg vom Bildschirm. Was mich dazu verleitete, mich danach noch einmal hinzusetzen und auch den letzten Arbeitsschritt des Aufräumens zu beginnen: Ich sortierte und strukturierte mein Kanban auf Basis der Erkenntnisse, die ich im Weiterentwickeln der Navigation und Bedienerführung für WandelMut erarbeitet hatte. Kurz vor neun hatte ich zirka 80 Prozent geschafft. Den Rest erledige ich nächste Woche.

Mein virtueller Arbeitsplatz ist nun aufgeräumt. Jetzt habe ich nur noch das Kanban offen so, wie ich es benötige. Gut so!

WandelMut Projekt-Arbeit

Es klang schon an: Diese Woche feilte ich weiter an Navigation und Bedienkonzept der Internet-Plattform für die Bewegung und Kooperative. Was ich letzte Woche in einem großen Wurf zusammengetragen hatte, gab ich einen zweiten Feinschliff. Mein Ziel war, das Gesamt-Konstrukt zu vereinfachen und zu verbessern. Es praktikabler, handhabbarer zu gestalten. Den Fokus zu schärfen und es zu optimieren für die technische Grundausstattung. Es konsistenter zu durchdenken und zu justieren.

Nächsten Montag bin ich verabredet mit den ersten Kooperationspartner:innen. Ich bin neugierig auf ihre Einschätzung und habe doch auch ein wenig Bammel davor. Meine Ideen müssen sich an der Realität prüfen. Vertieft sich die Resonanz oder ebbt sie ab? Nun, ich werde es sehen.

Es gäbe mehr zu berichten. Beispielsweise suche ich nach einem fundierten Video-Hosting. Gar nicht so einfach! Ebenfalls stellt sich die Auswahl einer zweckdienlichen Newsletter-Integration als anspruchsvoll heraus. Zu beidem werde ich zu gegebener Zeit meine Erkenntnisse zusammentragen. Für heute soll es das erst einmal gewesen sein. Ich übe mal das mit dem “Kurzfassen”. ;-)

Zuguterletzt

Für ein Liedchen ist noch Zeit? Gern. Es spielen auf: Erdmöbel zusammen mit Judith Holofernes. Das Lied heißt “Hoffnungsmaschine”. Es ist die 2021-Impf-Version. Schon verrückt, wie schnell die Zeit der Pandemie aus der Wahrnehmung rückt, nicht wahr? Das Lastenrad ist übrigens cool. Guckst und hörst Du:

Bleib neugierig,
Franziska (handschriftliche Signatur)

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Aus der Werkstatt [ KW31 ]

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2023-07-30

Die Themen der Woche: Biorhythmus durcheinander. Gehdanken zum Ordnen. Kognitive Dissonanzen. Befreien von Belastungen mit drei einfachen, effektiven Maßnahmen. WandelMut Projekt-Arbeit. Zuguterletzt: ein Liedchen der Hoffnung.


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