Aus der Werkstatt
Wochen-Rückblick 2025-36
veröffentlicht: 06.09.2025 · Franziska Köppe | madiko

Aus der Werkstatt 2025
[ 2025 Franziska Köppe | madiko ]
Die Sonne scheint. Ich bin ausgeschlafen, entspannt und gesund. Insofern geht es mir gut. Die allgemeine Lage drückt meine Stimmung. Sie macht mir wirklich keinen Spaß und hat leider wenig Aussichten auf Verbesserung. Im Gegenteil: Ich bin zunehmend (geo)politisch frustriert. Ich dachte darüber nach, warum ich das zurzeit weniger gut wegstecke. Es scheint mich doppelt intensiv zu erwischen. Im Folgenden versuche ich zu verstehen, was passiert ist und welche Emotionen das bei mir auslöst. Wie gehe ich damit um? Ich zähle mich zu den Optimisten. Ich möchte eine bleiben. Also suche ich Wege, wie mir dies gelingen kann. Und vielleicht stecke ich Dich damit an. Wohlan!
Akzeptanz des Bestehenden & Strategie der Anpassung
Wie bleibe ich im aktuellen politischen Geschehen in meiner Selbst-Wirksamkeit?
Meine Analyse führt mich darauf zurück, dass ich 2021 Vertrauen in Politik schöpfte. Mir wird erst jetzt bewusst, wie groß diese Hoffnung war. Nach 16 Jahren CDU/CSU – mit Grünen + SPD an der Spitze (FDP nahm ich nicht ernst) – hatte ich die Zuversicht gewonnen, dass Menschen in der Legislative sind, die sich ernstlich um Gemeinwohl, Zusammenhalt und Zukunfts-Robustheit unseres Landes bemühten. Mir gefiel, dass wir mehr Ehrlichkeit, Transparenz und weniger Korruption in der Regierung hatten.
Ich hatte die Hoffnung, nicht nur auf vier passionierte Arbeits-Jahre der neuen Regierung, sondern auf eine Verlängerung. Wie falsch ich lag! Ich unterschätzte, dass da ein Koalitions-Partner mit in der Runde saß, der von Anfang an das Vorhaben torpedierte. So klein das Wahl-Ergebnis dieses politischen “Partners” auch war, er entfaltete enorme Macht. Moralisch kann ich das Verhalten bis heute nicht verstehen. Werde ich auch nicht. Dafür bin ich ein zu konstruktiv und kooperativ denkender und handelnder Mensch.
Kehrtwende zurück ins Unglück der Vielen
In den Anfängen der “Ampel” war die Klima-Bewegung stark und sorgte dafür, dass endlich die Weichen in die richtige Richtung gestellt werden. Insbesondere die Grünen nahm ich wahr als Politiker:innen, die Regierungs-Handeln als Arbeits-Auftrag verstanden. Einzelne Beispiele gab es ebenso in den Reihen der SPD. Sie richteten sich am komplett neuen Mandat ihrer Legislatur aus. Sie krempelten die Ärmel hoch und es kam bei mir Aufbruch-Stimmung an.
Ich war nicht mit allem einverstanden, was wie umgesetzt wurde. Das wäre illusorisch und absolut idiotisch, das als Bürgerin überhaupt nur zu erwarten. Doch ich schöpfte Mut, dass wir stolz auf unsere Errungenschaften sein können. Dass wir den Zusammenhalt spüren und uns gemeinschaftlich den Herausforderungen mit ehrlichem Blick auf die Realitäten stellen. Und dass wir als Land endlich aus der Lethargie, dem Raubbau an unserer Substanz und in ein Miteinander des Gestaltens zurückfinden.
Und jetzt? Alles wieder zurück in die elendige Lage wie vor drei-vier Jahren. Schlimmer noch, da die internationale geo-politische Lage sich noch weiter verschlechtert hat. Man streitet sich “mein Förmchen” – “dein Förmchen”, “er sagt” – “sie sagt”. Die Medien halten unkritisch das Mikro unter und lassen alles unkommentiert – einschließlich der Des-Informationen. Manchmal denke ich, man müsse das politische Berlin einmal komplett austauschen. Vielleicht würde dann der Raum frei für Innovation.
Die Politik ist von gestern und rückwärts-gewandt. Sie fokussiert auf die Über-Reichen und ihre Interessen. Mir gruselt. Profite werden großzügig von ihnen abgeschöpft, ohne dass sie auch nur einen verschwindend geringen Anteil davon an die Gesellschaft rück-verteilen oder die Umwelt schützen. Zentrale Frage scheint: Wie lässt sich die Welt noch effizienter ausbeuten? Aufwendungen und das enorm steigende Risiko werden auf die Bevölkerung – insbesondere die jüngere Generation – abgewälzt als gäbe es kein Morgen. Moral und Anstand waren für die CDU/CSU ohnehin nie ein Thema. Jetzt kommen zum Hass auf öko-soziale Aktivisti offener Rassismus, Fremden-Feindlichkeit, Klassizismus, libertäre und misanthropische Züge hinzu. Ich bin einfach nur entsetzt.
Frust & Resilienz
Aus tiefstem Herzen bin ich für Toleranz, für Humanismus und Aufklärung. Ich unterstelle allen Menschen, dem Guten zuzustreben. Ich glaube, Menschen können sich verändern – wenn sie es wollen. Das Wollen wiederum hängt von ihrer Sinn-Kopplung und Resonanz-Erfahrungen mit der Welt ab. Für Gestaltungs-Willen benötigen wir den ergebnis-offenen, ehrlichen und wertschätzenden Austausch. Wir brauchen Inspiration und fakten-basierte Informationen. Wir brauchen das Ausprobieren, Üben und Reformieren. Reformieren als iterativen Prozess der Veränderung, der sich an allgemein-gültige Rahmen-Bedingungen des Handelns hält. Bedingungen, die wir gemeinschaftlich, aufrichtig und fair aushandeln.
Ich bin der Überzeugung, dass es in Veränderungs-Prozessen nicht darum geht, Menschen anzutreiben. Bevormundung war noch nie gut. Viel wirk-mächtiger ist, ihnen den eigenen Prozess zu erleichtern. Ihnen also in erster Linie nicht im Weg zu stehen. Hürden auszuräumen und Menschen zu inspirieren. Alles, was die Regierung bisher erreicht hat, ist, die Gesellschaft zu spalten. Ihr fehlt jegliche Zukünfte-Vision. Es geht ausschließlich um das Bewahren und Ausweiten von Besitz- und Vermögens-Ständen einzelner(!) Personen. In Anbetracht der Multi-Krisen absurd und unverantwortlich.
Progressiven Kräften, die innerhalb planetarer Grenzen auf Basis eines sozialen Fundaments handeln wollen, wird aufs Neue alles schwerer gemacht. Das ist, was mich am meisten ärgert. Und wo ich zudem frustriert bin, dass noch zu wenige Menschen diesen Zusammenhang erkennen. Sie lassen sich belügen, betrügen und gegeneinander aufbringen. Ich möchte sie rütteln und rufe: Wacht auf! Ihr fallt auf Populisten rein. Ein dummes Volk lässt sich besser steuern und ausbeuten. (Siehe unser philosophischer Salon “Angst & Macht”)
Gleichwohl sehe ich: Die Veränderung hin zu einer Anpassung an den Klima-Wandel ist unaufhaltsam – immerhin eines der neun Erd-Systeme wird adressiert, die wir Menschen auf unverantwortliche Weise aus dem natürlichen Gleich-Gewicht bringen. Die Zahl derer wächst, die das perfide Spiel durchschauen. Zu überdeutlich sehen wir die Auswirkungen der Klima-Krise und dass wir an allen Enden und Ecken planetare Grenzen überschreiten. Mir gehen der Erkenntnis-Prozess und vor allem das Umsetzen zu langsam. Mir ist alles zu inkonsequent und un-ambitioniert. Ich könnte mir die Haare raufen und schier verzweifeln. Das will ich aber nicht. Das verunmöglicht mir ein gutes Leben. Wie gehe ich also damit um? So, dass ich meine Freude im Leben stärke?
Nein sagen und meine eigene Wirk-Macht finden
Mein erster Schritt ist: Ich ziehe mich zurück aus dem politischen Diskurs. Ich bin nicht bereit, mir diesen Zirkus länger anzutun. Vor allem wehre ich mich, ständig gegen irgendetwas aufgebracht zu werden. Mein Alltag soll nicht von Erschöpfung, Wut und Empörung geprägt sein. Ich will nicht in eine erlernte Hilflosigkeit gedrängt werden.
Stattdessen fokussiere ich mich auf das, was ich aktiv gestalten kann. Ich umgebe mich mit Menschen, die anerkennen, dass wir Teil der Natur sind. Menschen, die ihre Lebenszeit – ja auch während ihrer Arbeitszeit – nutzen, um nach Lösungen zu suchen, wie wir innerhalb der planetaren Grenzen sozial verantwortungs-bewusst wirtschaften können. Wie wir lebenswerte Zukünfte gestalten, auf die wir uns freuen. Weil sie grün, hitze-beständig, mit ausreichend Wasser und Ernährung ausgestattet, in Fülle und in inspirierenden, wert-schätzenden Gemeinschaften sowie für uns gesund sind.
An dieser Stelle war ich schon einmal. In den letzten Jahren ließ ich mich reinziehen in die ermüdenden und frustrierenden Diskurse – unter anderem auch von den Scientists For Future. Es war der Schimmer der Hoffnung, von dem ich oben schrieb: Die Klima-Bewegung hatte den Regierungs-Wechsel erreicht. Endlich wurden unsere Forderungen erhört und unsere Sorgen ernstgenommen, ihnen mit konkretem Regierungs-Handeln begegnet. Das alles wird vom aktuellen Kabinett nun böswillig und in voller Absicht zunichte gemacht. Na ja, zumindest versuchen sie es. Leider hatten wir zu wenig Zeit, dass die Maßnahmen (mehr) Wirkung zeigen konnten. 16 Jahre Fehl-Entscheidungen lassen sich nicht in 3 korrigieren. Was nicht bedeutet, dass ich diese Arbeit klein reden will. Für diese kurze Zeit kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen.
Nun sind wir erneut auf uns zurück geworfen. Ich schreibe dies in vollem Bewusstsein, dass wir die strukturellen Änderungen auf politischer Ebene brauchen. Es ist eine der perfiden Strategien der Klima-Wandel-Leugner und Libertären, dass sie die Verantwortung aufs Individuum verschieben. Doch es hilft ja nix. Wir müssen die Tatsachen anerkennen: Rückenwind einer Regierung mit Sinn fürs Gemeinwohl unter Achtung natur-wissenschaftlicher Realitäten fällt komplett aus. Gleichwohl sehe ich nicht ein, dass wir uns für unsere Überzeugungen verteidigen sollen. Dass uns unsere Zeit gestohlen wird. Allein die vielen Des-Informationen aufzuklären, ist unmöglich. Ich bin es leid. Ich bedauere, dass ich in meiner Grund-Haltung eines nicht-politischen Lebens bestätigt wurde. Weil ich es mir anders wünschte.
Mich trifft das hart, weil es eine kurze Zeit des Hoffnungs-Schimmers gab. Gerade hatte ich mich dafür geöffnet, dass ein politisches Leben (vita activa) auch in meinem Sinne laufen könnte. Das spielt mit rein, wenn ich die aktuelle Lage als frustrierend und enttäuschend empfinde. Es ist wichtig für mich, die Gefühle zuzulassen. Wenn ich sie wahrnehme, kann ich damit umgehen. Wenn ich sie verdränge, fressen sie mich von innen auf. Nun, da es im Bericht aus der Werkstatt ausgesprochen ist, kann ich über Lösungen nachdenken.
Erste Schutz-Maßnahmen & Prophylaxe
Was werde ich konkret tun? Zunächst ein Unterlassen: Ich nahm heute via AntennaPod die automatischen Aktualisierungen sämtlicher politischer Abos raus. Das waren eine ganze Reihe. Ich gönne mir vorerst eine Pause auf unbestimmte Zeit. Sobald ich mich durchringen kann, werde ich mir im Kalender Termine eintragen (ein Mal monatlich?), in denen ich gezielt und mit Zeit-Box ausgewählte Podcasts hören werde. Ferner werde ich mich entwöhnen, täglich bei heute.de reinzuschauen.
Mit Sicherheit werde ich zukünftig weniger informiert sein. Da ich nicht mit geschlossenen Augen durch die Welt laufe, werde ich die wichtigsten Entwicklungen mitbekommen. Ich kenne die Quellen für fundierte, gute Informationen. Bei Bedarf werde ich mich schnell reinfinden. Das beruhigt mich in diesem Vorhaben. Ignoranz halte ich für problematisch. Es wird ein Umlernen, denn ich gewöhnte mich stark an die Leute, denen ich bisher so aufmerksam zuhörte. Sie und ihre Analysen werden mir fehlen.
Und dann auch wiederum nicht: Ich werde Zeit haben für die schönen Dinge. Für Freunde. Für Partner. Für mich. Gerade kam eine große Lieferung Nachschub für die WandelMut LeseLust (dazu gleich unten mehr). Die Wissenschafts-Podcasts und Angebote der Bewegung – sie bleiben mir ja ebenso erhalten. Es wird einige Zeit dauern, bis ich meine Kräfte regenerieren konnte. Ich hoffe sogar ein wenig darauf, dass ich wieder die Energie für zitatinte und draufrumdenken finde. Und fürs Bloggen natürlich.
WandelMut
Aus der Manufaktur der Bewegung und Kooperative
Nachdem ich letzte Woche meine umfangreiche Rückblende zur ersten Staffel WandelMut ImpulsZeit veröffentlicht und den Bericht via LinkedIn und Mastodon geteilt hatte, war ich zufällig auf eine Stellen-Ausschreibung gestoßen. Ich dachte: Potzblitz, das passt ja wunderbar zu meinen Kompetenzen! Also setzte ich mich hin und bewarb mich für eine Mitarbeit im Team. Raus aus einem Einzelkämpferin-Dasein ist auch mal schön.
Die soziale Wirkung der Organisation fokussiert sich auf Bio-Diversität, Umwelt-Schutz und klima-resiliente Stadt-Entwicklung. Die Tätigkeit ist auf 16 Stunden pro Woche (40%) ausgelegt. Das harmoniert mit meinem Vorhaben und würde mir wirtschaftliche Stabilität ermöglichen in ungewissen Zeiten. Jetzt heißt es Daumen drücken, dass die Ausschreibenden mit meinem Angebot sinn-koppeln. Mal schauen.
Egal wie es ausgeht: Für mich war schön, dass ich mir – im Abgleich von gewünschten Qualifikationen und eigenen Kompetenzen – einen Überblick verschaffte, was ich in den letzten Jahren an Real-Projekten eigenständig und mit anderen umsetzen konnte. Wenn wir immer nur den Berg Arbeit vor uns sehen, vergessen wir, was hinter uns liegt. Wir drehen uns zu selten um.
Programmieren wieder aufgenommen
Seit Montag bin ich zurück in der digitalen Manufaktur. Das AddOn “WandelMut Index”, an dem ich nun schon einige Wochen – verteilt über mehrere Monate – arbeite, ist fast fertig. Rein funktional ist es bereit, es in die Staging-Instanz des neuen Portals einzubauen.
Indes hatte ich die Idee, für sämtliche php-Klassen Test-Seiten zu programmieren. Quasi die Qualitäts-Kontrolle für mich, um anhand realer Daten zu sehen, ob alle Klassen das ausspucken, was ich erwarte. Mir fielen Fehler auf, die ich direkt korrigierte. Ich bin sicher, dass mein Code sauber läuft. Das ist gut!
Gleichwohl werde ich zukünftig diesen enormen Aufwand fürs Code-Testing nicht mehr betreiben. Er steht nicht im Verhältnis zum Nutzen. Das Assistenz-System hat in dieser Aufgabe im Übrigen total versagt. Der VSCode Copilot halluziniert. Es war überdeutlich, dass das Sprach-Modell mit Wahrscheinlichkeiten seine Ergebnisse ausspuckt. Hinterlegten Code im Projekt und System-Anweisungen ignoriert die aktuelle Version. Die Antworten kann ich nicht verwenden. Da kam nur Blödsinn raus. Ich bin auch nicht die Einzige, der das auffällt. Dennoch schade! Ich hatte mir da deutlich mehr Arbeits-Erleichterung erwartet. Bekommen habe ich das Gegenteil davon.
Jetzt, wo das zentrale Grund-Gerüst der Programmierung steht, werde ich auf das Prinzip des iterativen Ausrollens, live Testens und bei Bedarf Korrigierens setzen. Meine Energie und Kraft muss darauf gerichtet sein, das Portal online zu bringen. Perfekt wird es ohnehin nie sein.
Daten eingegeben
Für den Test hatte ich Daten meiner umfangreichen Recherche und wissenschaftlichen Vor-Arbeit eingegeben. Die Logik des Index fordert mich fachlich wie methodisch – also unabhängig vom Programmieren meine ich. Wie strukturiere ich komplexe Systeme, damit wir sie uns von verschiedenen Seiten anschauen und Erkenntnisse gewinnen können? Wie schaffe ich das so, dass es für Menschen aus kleinen und mittleren Organisationen nachvollziehbar und verständlich sowie aus Sicht der Wissenschaftler:innen korrekt bleibt? Und das so allgemein-gültig, dass ich viele Disziplinen und Sektoren damit abdecken kann?
Ich hatte aufgrund der zahlreichen anderen Projekte und Aufgaben die inhaltliche Arbeit am Portal und am Index eine Weile ruhen lassen. So schaute ich diese Woche mit neuem Blick drauf. In der Praxis muss es sich noch erweisen, doch ich bin stolz, was ich da gebaut habe. Das wird wirklich gut.
Nachschub für die WandelMut LeseLust
Neben dem Programmieren wandte ich mich diese Woche der Frage zu, welche Bücher ich als Erstes und Zentrales ins neue Portal aufnehme. Sie werden der Grad-Messer fürs Publizieren des Portals. Sind sie in der LeseLust drin, gehe ich online. Alles Weitere kann sukzessive folgen.
Ich führe eine Liste der Werke, die aus meiner Sicht dem Grund-Verständnis unserer Ansätze dienen. Bücher, die mich begeistern und inspirieren. Literatur, die ich auch beim zehnten Mal lesen instruktiv und zum Nachdenken anregend finde. Bücher, die mein (Arbeits)Leben veränderten.
Diese Liste umfasst aktuell 14 Werke – jeweils im Original und bis auf eine Ausnahme gegebenenfalls in deutscher Übersetzung. Von manchen gibt es zudem Hörbücher. Eines kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit im Januar dazu. Ich kenne den Autor und weiß um dessen Klasse. Dennoch möchte ich es natürlich erst einmal lesen. Es wird ein Geschenk zu meinem Geburtstag. Vorfreude – so wichtig! ;-)
Bei einem der Werke hadere ich indes sehr mit mir. Das Buch ist klasse. Es zeigt den Weg der Entwicklung einer Firma durch die Transformation. Es ist ehrlich, offen und gibt aufschluss-reiche Impulse. Viele Jahre wurde die beschriebene Transformation aus vollem Herzen, mit Erfolg und aus Überzeugung gelebt. Alle glaubten daran. Doch während der letzten Monate hat sich im Betrieb etwas verändert. Inzwischen klaffen Wünsche und Realität auseinander. Einer der Autoren ist nach Rechts gerutscht. Wie das passieren konnte, ist mir unverständlich. Es ist nun mal aber so.
Am besten wird sein, ich stimme mich mit dem zweiten Autor dazu ab. Ist es wirklich möglich, Werk von Autor(en) zu trennen? Wie geht es Leserinnen und Lesern, wenn sie nach der Lektüre merken, dass die Firma mittlerweile ganz anders ist? Fangen sie an, am Konzept zu zweifeln? Dann würde dieser Buch-Tipp genau das Gegenteil von dem bewirken, was meine Intension wäre. Nehme ich das Buch auf und mache meine Bedenken direkt bei der Buch-Beschreibung bekannt? Schwierig, das abzuwägen.
Ferner bestellte ich diese Woche weitere Fach- und Sach-Literatur. Ich fand inspirierende Werke von Autorinnen. Da hatte ich mich schon an den Lese-Proben festgelesen. Heute kam die Lieferung. Ich freue mich auf diese Bücher, weil sie konstruktiv an die Herausforderungen unserer Zeit heran gehen. Sie konfrontieren uns mit harten Realitäten. Sie bieten Ideen, wie wir die Probleme lösen und mutig lebenswerte Zukünfte gestalten. Damit erfüllen sie genau das, was mir als Kuratorin der WandelMut LeseLust wichtig ist.
Drei, vier Meter Ordnung
Apropos LeseLust. In unserem Quartier gibt es eine voll-automatisierte Mini-Filiale einer Bank. Konto-Auszugsdrucker (wird tatsächlich genutzt) und Geld-Automat. Ein kleines Räumchen an einer Haus-Ecke mit zirka fünf auf fünf Metern. Je ein breites Fenster-Brett zu beiden Straßen-Seiten hin.
Nach und nach legten Leute Bücher, CDs und Magazine auf die Fenster-Bänke. Zunächst als Stapel, dann wurden sie mit dem Rücken nach oben geschlichtet. Es wurden immer mehr. Es waren die üblichen ausgelesenen Krimis und Romane aller Genre. Es gibt Sach-Literatur von Natur-Wissenschaften über Linguistik bis hin zu Wirtschaft. Kinder- und Jugend-Bücher, Gedicht-Bände sind dabei. Ab und an finde ich Geschichts-Wälzer und ausrangierte DDR-Propaganda. Hin und wieder bläht sich die Ratgeber-Ecke auf, bis sie erneut in verdienter Bedeutungslosigkeit verschwindet. Die Werke sind verfasst von Deutsch (vermutlich der Haupt-Anteil) über Englisch, Französisch, Ungarisch, Russisch. Ukrainische Literatur habe ich ebenso schon entdeckt.
Ende letzten Jahres hatte sich jemand die Mühe gemacht, ein Regal zur Verfügung zu stellen. Die großzügig bemessenen Fächer waren binnen 10 Tagen komplett belegt – in doppelter Reihe. Ich musste lachen, als Beschriftungen am Rack auftauchten – fein säuberlich ausgedruckt mit einem Etiketten-Schreib-Gerät. Da versuchte ein Mensch tatsächlich, in Genre zu unterscheiden und Ordnung ins Chaos zu bringen. Dabei fiel mir erstmals Reise-Literatur und das Wörterbuch-Register auf. Sollte je etwas alphabetisch sortiert worden sein, war es zum Zeitpunkt, da ich mit schräg geneigtem Kopf davor stand, wohl schon wieder in Unordnung geraten.
Von Ernst Hemingway und Mark Twain (beide im Original), Alexandre Dumas, Jules Verne – über Platon, Immanuel Kant und Ludwig Wittgenstein bis hin zu Loriot-Geschichten- und Hesse-Gedicht-Bänden habe ich dort bereits selbst zugelangt. Werke aus meiner Sammlung hinzugefügt. Und ja, die peinlichen Bücher meiner Jugendzeit wurde ich dort auch los.
Kürzlich kam ich zur Tür herein und traf auf einen dieser fleißigen Bibliothekare. Vier Kisten sortierte er. Er sagte mir, dass er die Lektüre über alle “Wilde Bücher”-Regale in Stuttgart zirkuliert. Ein Satz. Dann drehte er sich zurück zum Regal und war erneut vertieft in Bücher. Wie er das genau macht, ist mir also weiterhin schleierhaft. Er scheint sich zu notieren, welche Werke über längere Zeiträume an einem Ort verhungern. Diese bringt er an einen anderen Standort. So rolliert bei uns das Angebot. Soweit das Ergebnis meiner staunenden Observation, wie er da fleißig vor sich hin tüftelte, schlichtete und räumte.
Ist es nicht schön, wie jeder in unserer Gesellschaft eine sinn-stiftende Aufgabe für sich entwickeln kann? Etwas beitragen kann zum Gemeinwohl? Ich jedenfalls finde das großartig. Und ich mag diese Geschichten aus dem Alltag. Vielen Dank an Max Buddenbohm. Seine Geschichte vom Bibliothekar des Bücher-Schranks in der Telefon-Zelle war mir Inspiration für diese Anekdote.
Zuguterletzt
Soweit für heute! Draußen ist es so schön. Ich freue mich jetzt auf einen ausgedehnten Abend-Spaziergang im letzten Licht der goldenen Sonne.

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