Programmieren & Testen
lokal <> remote

Umstellen meiner Entwicklungs-Umgebung von lokal auf entfernt

veröffentlicht: 29.11.2025 · Franziska Köppe | madiko

Bericht aus der Werkstatt 2025-48

Es kommt immer wieder vor, dass Tech-Konzerne quell-offene Programme aufkaufen – vorgeblich, um das Projekt und die Community finanziell zu unterstützen. In der Realität ist längst klar, dass sie die Arbeit über kurz oder lang einstellen. Es ist ihre Strategie, die (freie) Konkurrenz zu eliminieren und uns tiefer in die Abhängigkeit zu treiben. XAMPP von Apache ist so ein Fall. Affinity könnte ein nächster werden… OK, ich möchte nicht munkeln.

Am ausgestreckten Arm verhungert

Der Ablauf dieser feindlichen Übernahmen ist immer gleich: Nachdem die PR-Abteilung ihren Spaß hatte, sinkt zunächst die Rate der Neu-Entwicklungen. Dann hapert es am Aktuell-Halten der Programm-Bausteine. So bröckelt nach und nach die Möglichkeit, die Anwendung sicher im Gesamt-Gefüge der globalen Software-Landschaft nutzen zu können. Nutzende rufen ihre Fehler-Meldungen und Anliegen in ein sich ausbreitendes schwarzes Loch. Auf Antwort warten sie vergeblich. Hilfe-Stellungen innerhalb der Community lassen nach, weil sich die Entwickler:innen, die Ahnung haben, abwenden und längst Alternativen fanden.

XAMPP diente mir lange Jahre dazu, auf meinem Rechner einen lokalen Apache-/mySQL-Server zu betreiben. Für die Nicht-Techniker: Das ist die Software, die die Dienste, Programme, Daten und Ressourcen bereitstellt, um die eigenen Web-Entwicklungen ablaufen lassen zu können. Quasi der Dienst für den Dienst für das, was wir im Browser sehen und damit interagieren. Die Nerds mögen mir die stark vereinfachte Beschreibung nachsehen.

In jedem Fall zeichnete sich ab, dass die XAMPP-Version, die ich nutzte, nicht mehr stabil läuft. Immer häufiger musste ich Fehler ausbügeln. Ende August erreichte mich die Nachricht, dass die Entwicklung an XAMPP komplett eingestellt ist.

Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, zunächst mein AddOn zu Ende zu programmieren, bis ich mir dieses Problems annehme. Nun kam es, wie es in derartigen Fällen so häufig ist: Letzte Woche lief der Server nicht und ließ sich auch nicht durch die gelernten Tricks zum Starten bewegen. Ich bin nur froh, dass ich mir regelmäßig Sicherheits-Kopien meiner Arbeit ziehe.

Also unterbrach ich gezwungenermaßen das Programmieren des AddOns, um mich meinem Werkzeug zu widmen. Die strategischen Vorüberlegungen hatte ich bereits erledigt und mich von meinem Hoster beraten lassen. So war mir die Arbeit zumindest so weit erleichtert, als dass ich die Aufgaben nur abzuarbeiten brauchte.

Schrittweiser Ablauf der Umstellung

Schritt 1: Domain einrichten und sichern

Alles, was wir im Browser anschauen, braucht eine Adresse. Damit mir keine zusätzlichen Kosten entstehen, richtete ich mir eine Sub-Domain ein, die auf einen neuen Ordner in meinem Hosting-Paket verweist. Ordner einrichten nicht vergessen!

Dieser Domain gab ich eine Verschlüsselung via Lets Encrypt mit und wählte die neueste PHP-Version (das ist die Programmier-Sprache, auf der REDAXO basiert).

Ferner sorgte ich dafür, dass über Verzeichnis-Schutz die Domain nur von mir und keinem anderen sonst – insbesondere keinen Such-Maschinen-Bots, Crawlern oder großen Sprach-Modellen – aufgerufen werden kann.

Schritt 2: Datenbank anlegen

Ebenfalls im Hosting-Paket legte ich die Datenbank (MariaDB) an und vergab das Passwort.

Schritt 3: Daten auf den Online-Server hochladen

Anschließend lud ich via WinSCP (geschützte Daten-Übertragung via sFTP) sämtliche Daten hoch, die ich für das von mir verwendete Content Management System REDAXO benötige. REDAXO selbst ist schlank. Da ich jedoch mittlerweile eine ganze Reihe Fotos, Videos, Illustrationen und so weiter redaktionell integriert habe, sind das aktuell 736 MB. Glasfaser sei dank, machte es WUPP und alles war hochgeladen.

Nun passte ich die Konfiguration für REX auf den Online-Server und die neue Datenbank an. Schließlich gab ich ebenda dem System die Anweisung, beim ersten Aufrufen der Seite im Browser das Setup durchzuführen.

Schritt 4: REDAXO in Betrieb nehmen

Geschrieben – getan: Ich wechselte zu FireFox, rief die Seite auf und durchlief die Erst-Inbetrieb-Nahme von REDAXO. Die fünf Arbeitsschritte dort liefen glatt durch und ich konnte mich als Admin am System anmelden.

Nun lud ich meine Sicherheits-Kopie der lokalen Datenbank ins noch leere CMS. Auch das hat reibungslos geklappt. Das hat mich sehr erleichtert. Wäre die redaktionelle Arbeit flöten gewesen, hätte mich das viel zusätzlichen Aufwand gekostet.

Als nächstes prüfte ich, dass alle AddOns installiert und aktiviert sind. Da gab es kleinere Lücken, die schnell behoben waren.

Weil ich schon dabei war, führte ich die Updates aus, die zur Verfügung standen. Mein herzlichster Dank an die Friends Of Redaxo (FOR), die mit viel Engagement und Professionalität für Aktualisierungen und das Schließen von Sicherheitslücken sorgen!

Schritt 5: Kurze Stichprobe, ob alles wie gewünscht funktioniert

Rudimentär prüfte ich, ob redaktionell und in den Funktionen fürs Back-End alles so läuft, wie gedacht. Ich arbeite seit 2009 mit dem System. Im Verlauf der Zeit entwickelte ich eine gewisse Routine und Intuition, wo ich schauen muss. Mit Mut zur Lücke – alles kann ich nicht prüfen, sonst werde ich nie fertig.

Schritt 6: Sichere Daten-Übertragung für Visual Studio Code einrichten

Nun war fürs Online-System (remote) alles eingerichtet. Jetzt brauchte ich noch die verschlüsselte Verbindung meiner lokalen Entwicklungs-Software Visual Studio Code mit dem Remote-Server. Mir wurde dafür das VSCode-PlugIn sFTP von Natizyskunk empfohlen.

Rüdiger von GN2 (mein Hoster) hatte mir ferner dazu geraten, einen private key für SSH einzurichten. In der Kombination von öffentlichem und privatem Schlüssel wird eine sichere Daten-Übertragung von lokal auf remote und vice versa ermöglicht.

Ich vergab zusätzlich ein Passwort für meinen privaten Schlüssel. Das ist die höchste Stufe der Daten-Sicherheit. Auch wenn das bedeutet, dass ich ein Mal pro Tag dieses Kennwort in VSCode eingeben muss.

Etwas länger knobelte ich an den Grund-Einstellungen des PlugIns. Diese werden als JSON (Daten-Austausch-Programm) hinterlegt. Beim Justieren kam es mir darauf an, so viel wie möglich zu Automatisieren und so wenig wie nötig fix festzulegen. Ergonomie ist ein fragiles Zusammenwirken von Bequemlichkeit und dem Aufwand, der durchs Ausbügeln von Schussel-Fehlern entsteht. Ich habe einen gewissen Hass für Fehler-Suche entwickelt. Das sind Zeitfresser ohne Ende. Also lieber etwas weniger Komfort, dafür seltener Krabbeltiere (bugs).

Fazit & Ausblick

Mein Arbeitsablauf ist noch nicht eingespielt. Die Routine kommt mit der Zeit.

Einen Knoten ins Hirn bekam ich prompt diese Woche. Ich wollte die Updates, die ich online durchgeführt hatte, aufs lokale System übertragen – ohne mir meine lokalen neuen Entwicklungen zu überschreiben. Ich hatte nicht mehr auf dem Schirm, an welchen Dateien ich einem Geistesblitz folgend Änderungen vorgenommen hatte. Und VSCode zeigte es mir im Veränderungs-Management (GitHub-PlugIn) nicht mehr an. Letztlich lief es auf ein manuelles Daten-Übertragen ausgewählter Dateien via WinSCP in die ein und die andere Richtung hinaus.

Dieser hohe händische Aufwand wird relevant, wenn ich Sicherheits-Updates kurzfristig einbauen muss. Es ist also die Ausnahme und nicht die Regel. Der Normal-Fall wird sein, dass ich an meinen Projekten baue, diese hochlade und im System teste. Und dann erst die nächste Aufgabe angehe – was in regelmäßigem Turnus das Aktualisieren der anderen Apps sein wird. Sagte ich schon, dass ich auf meine alten Tage Mono-Tasking schätzen gelernt habe?

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