Strategisches Justieren:
Domain-Management

Neu-Ausrichten, unter welchen Adressen ich im Internet zu finden bin

veröffentlicht: 29.11.2025 · Franziska Köppe | madiko

Bericht aus der Werkstatt 2025-48

Mitte Dezember verlängert sich mein Domain-Portfolio. Also schaue ich Ende Oktober, Anfang November drauf und entscheide. Domains, die ich kündige, sind aus meiner Erfahrung “für immer” weg. Das heißt, die Entscheidung will gut überlegt sein. Domains, die ich vor Jahren kündigte, werden mir von Domain-Grabbern regelmäßig zum Rück-Kauf angeboten. Daher beschließe ich alles nicht leichtfertig.

Nutzer:innen-Orientierte Systeme

Domain-Management lernte ich zu einer Zeit als Marken-Schutz im Internet bedeutete, sich sämtliche Top-Level-Domains (.tld) zu sichern, die es zur eigenen Marke gibt und im angestammten Markt-Segment liegen.

Die Domains wurden gebündelt auf ein System gesandt, das als Weiche die Funktion übernahm, die Nutzenden nach ihren Interessen gezielt auf Unterseiten zu senden. Also beispielsweise die .de-Adresse auf das Angebot für Deutschland, .fr auf Frankreich, .pl auf Polen und so weiter, Sprach-Wahl mit inbegriffen.

Wir bauten unser System so, dass wir zentrale Produkte und Dienstleistungen für alle Länder als Kern aufnahmen. Diese Inhalte wurden in enger Kooperation mit den Tochter-Gesellschaften entwickelt und übersetzt in die 25 Sprachen unserer Kund:innen und Geschäfts-Partner:innen weltweit. Unsere Kolleg:innen ergänzten diesen Kern um Vor-Ort-Angebote. All das wurde von mir als Chef-Redakteurin koordiniert.

Regional erfolgreiche Leistungen griffen wir auf und machten sie bei Interesse anderen Tochter-Gesellschaften zugänglich. Im Wechsel-Spiel lokaler und globaler Ambitionen waren wir innovativ, was uns eine führende Rolle am Markt ermöglichte. Im Zentrum stand ein nutzen-orientiertes Angebot für unsere Kund:innen und Partner:innen. Die Pflege war durch die wert-schätzende Kollaboration und das Verteilen der zahlreichen Aufgaben auf alle Schultern effizient. Mit einem erstklassigen Service bewegten wir als Mittelständler etwas für unsere Kund:innenen und mittelbar für die Gesellschaft.

Vermüllung des Internets

Ferner schauten wir im Sinne des Optimierens von Such-Treffern für die eigene Web-Instanz darauf, uns die zentralen Such- und Gattungs-Begriffe unseres Leistungs-Spektrums als Domains für die jeweiligen .tlds zu sichern. Dafür erstellten wir sogenannte “Ziel-Seiten” (landing pages), die passend zum Begriff oder Projekt ein stimmiges Angebot für Nutzende als erste “Anlauf-Stelle” darstellten. Diese Seiten optimierten wir redaktionell und technisch für eine obere Position in Such-Maschinen.

Nutzer:innen wie Such-Maschinen führten wir über Direkt-Links aufs Haupt-Portal. Die sogenannten back-links hoben unsere Reputation im Bewertungs-Mechanismus der Suchen. Es war der schleichende Start, Internet-Auftritte nicht für Nutzende, sondern für Algorithmen zu produzieren. Und es war der Beginn, dass die Zahl von Websites stieg, die mehr oder weniger alle dieselben Inhalte hatten – nur unterschiedlich “verpackt”. Es war der Anfang der Vermüllung des WWW.

Das Internet ist kaputt

Zwei Dekaden später funktioniert das alles nicht mehr. Nicht nur, dass wir in einem extrem hohen Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Menschen stehen. Zunehmend grätschen Big-Tech mit ihren Chat-Bots dazwischen. Bei großen Sprach-Modellen (im allgemeinen Sprach-Gebrauch oft missverständlich als “künstliche Intelligenz” betitelt) geht es nicht um eine Service-Orientierung für Nutzende. Nein. Alles, was die Konzern-Eigner (kein Gendern nötig) interessiert, ist der eigene Profit und dass sie die nächste Milliarde auf ihrem Konto haben. Ob Informationen korrekt oder frei erfunden sind – egal, so lange sie Menschen manipulieren und ihnen das Geld aus der Tasche ziehen können. Und ich wünschte, das das nur ein Verschwörungs-Mythos von mir wäre. Ist es nicht.

Wie in diesem Kontext gestalten?

Was mich zurück zur Ausgangsfrage bringt: Wie gestalte ich mein Online-Angebot? Einen “Online-Marken-Schutz” wie ich ihn einst lernte, gibt es nicht. Das scheint beunruhigend. Denn jede:r kann mein Angebot nachbauen und es wird immer schwerer, die Echtheit nachzuweisen. Finde ich in der Gemenge-Lage überhaupt Gehör? Also schreien alle wild durcheinander. Der Lauteste und der Dreisteste gewinnt?

Virtuelle Heimat

Das sicher nicht. Gleichwohl eröffnet es mir die Chance, mich von all den Domains zu trennen, die ich nur hielt, um eine “feindliche Übernahme” zu erschweren. Es ist ohnehin unmöglich. Oder, um es positiv auszudrücken: Nutzer:innen eine gewisse Fehler-Toleranz beim Eingeben der Domain zuzugestehen. Wie auch immer: Das Geld kann ich mir sparen. Ein Unbehagen bleibt.

Also fokussiere ich mich auf die eigene Heimat. Der Platz im Netz, der mir gehört – von mir gehostet, verantwortet, gepflegt und mit meinen Inhalten befüllt. Das ist die Basis. Diese braucht weiterhin eine Adresse. Eine. Adresse. Ich wählte für mich ein System, das mich autark und so weit wie möglich unabhängig lässt. Ganz frei sind wir nie. Die Grenze gilt es stets aufs Neue auszuloten. Eh klar.

Dasselbe gilt im Übrigen für die sogenannten Social Media: In manchen Werbe-Köpfen ist es noch so drin, dass man überall mitmischen muss. Sie versklaven sich an die Algorithmen in der Hoffnung, ausreichend Aufmerksamkeit zu erhaschen. Dabei ist längst klar, dass “Follower”-Zahlen Reichweiten vorgegaukeln, die es de facto nicht (mehr) gibt. Wir können uns also getrost auf uns zurück besinnen. Nur noch das tun, woran wir Spaß und Freude haben. Die Richtigen werden kommen.

Zentraler Anlauf-Punkt für Projekte, Initiativen, Kooperativen

Die zweite Überlegung, die ich anstellte, ging nach Innen: Welche Vorhaben werde ich umsetzen? Wo halte ich Domains nach obiger Marketing-Strategie, die heute obsolet sind? Ich reduzierte alles auf die Haupt-Domains. Insbesondere trennte ich mich weitest-gehend von den us-amerikanischen .tlds und kehre zurück zu .de sowie .network bzw. .org für die Kooperativen. Das lohnt sich finanziell.

Vermutlich fällt Dir nun auf, dass ich immer noch madiko.com nutze. Tja nun. Die Domain madiko.de ist seit 2001 verwaist. Es scheint dennoch unmöglich, sie auf mich zu übertragen. Also bleibe ich hier.

Das Umstellen führt eine Zeit lang zu Chaos, da ich noch nicht geschafft habe, alle Verlinkungen zu prüfen und ggf. umzustellen. Lass mich bitte wissen, wenn Dir etwas auffällt. Ich bin froh drum. Ein “broken link checker” ist auf meiner Wunsch-Liste. In diesem Feld gibt es einige Schlangen-Öl-Verkäufer. Was nutzt Du? Kannst Du ein open source tool empfehlen? Ich freue mich über sachdienliche Hinweise.

Ferner hatte ich Domains “geparkt” für Ideen. Ein Teil dieser Geschäfts-Modelle läuft seit Jahren auf niedriger Priorität. Meine Berufs-Erfahrung zeigt: Es ist besser, sie loszulassen. Vor allem, wenn sie anfangen an mir zu nagen und mich in ihrem halb-fertigen Stadium zu belasten.

Ist der Entschluss gefallen, wäge ich ab, ob die Domain für eine:n Geschäfts-Partner:in interessant sein könnte. So bot ich auch in diesem Jahr Kolleg:innen Adressen zum Transfer an. Den Preis rufen sie nach eigenem Ermessen auf. Je nachdem, was dabei heraus kam, wickelten wir die Übertragung ab. Alle anderen .tlds kündigte ich zum Ende der Laufzeit.

Fazit & Ausblick

Insgesamt halte ich nun elf Domains. Die finanzielle wie kognitive Last sinkt. Passt. Weitermachen.

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