Schwarm-Finanzierung

Europäische Alternativen: Zahlungsdienst Wero

veröffentlicht: 29.11.2025 · Franziska Köppe | madiko

Bericht aus der Werkstatt 2025-48

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Da es im deutsch-sprachigen Raum weit verbreitet ist, nutze ich aktuell PayPal. Glücklich bin ich schon lange nicht mehr damit. Nicht nur, dass immer weniger Geld bei mir ankommt (von einer Förderung in Höhe von 10 Euro bleiben netto bei mir 7,80 Euro – von denen ich grob noch einmal die Hälfte an staatlichen Abgaben abknapsen muss). Hinter dem US-Konzern stehen faschistoide Libertäre und Imperialisten. Das geht mit meinen Werten und meiner Ethik nicht zusammen.

Mich aus dieser Abhängigkeit zu befreien, ist allerdings extrem schwer. Auch diese Woche scheiterte ich. Ich notiere es hier dennoch, um mein Ergebnis und die Begründung festzuhalten.

Geld senden und empfangen in Echtzeit

Wero ist ein Zahlungsdienst aus Europa mit Stamm-Sitz in Brüssel / Belgien. Sowohl übers Smartphone als auch online kann Geld gesendet und empfangen werden.

Dahinter steht die European Payments Initiative (EPI). Wero gilt als Nachfolger der nationalen Zahlungsdienste GiroPay (DE), PayLib (FR), iDEAL (NL) und PayConiq (BE, LU). Am Projekt wirken verschiedene Banken mit. Um den Anreiz zu erhöhen, sich an Wero zu beteiligen, integrieren die Finanz-Dienstleister den Dienst in ihre eigenen Apps – generieren die Profite also direkt ohne Mittels-Mann. Über die gemeinsame Website wird der Registrierungs-Prozess für die Nutzer:innen zentral gesteuert und zu den jeweiligen Bank-Angeboten gelenkt.

Aufmerksam wurde ich via LinkedIn, Mastodon und kürzlich über eine Information meiner Bank, der GLS Bank. Vor allem der Punkt “Europäische Alternativen” weckte mein Interesse. Gestern nahm ich mir ein halbes Stündchen Zeit, das Angebot zu prüfen. Was mir dabei zu allererst auffiel, ist die spärliche Dokumentation auf der Website. Viel Werbe-Sprech, wenig Info. Da werde ich misstauisch. Ich war jedoch weiter motiviert, mich einzuarbeiten.

Via Talk der Nation – das Forum zum Podcast “Lage der Nation” – stieß ich auf eine Diskussion zu Wero und anderen europäischen Zahlungsdiensten. Es ist die übliche Mischung aus konstruktiven Hinweisen versus abstrusen Meinungsäußerungen und Wunsch-Denken. Und wie immer entdecke ich den ein oder anderen Wissens-Schatz darunter. Im selben Forum findet sich der lesenswerte Beitrag Wero als Beispiel für Digitales Souveränitäts-Washing.

Fehler im System

Nachdem ich mich durch etliche Hinweise arbeitete, sie auf ihren Wahrheitsgehalt prüfte und abwog – verwarf ich Wero. Für mich kommt es aus zwei Gründen leider nicht in Frage:

Exposition meiner Telefon-Nummer und die sämtlicher Kontakte

Meine Festnetz-Nummer ist als Teil des Impressums frei zugänglich. Das ist rechtlich bindend in der Europäischen Union. Und das sehe ich ein. Wie oft habe ich über unzureichende Impressen geflucht.

Meine Mobil-Nummer indes ist geheim. Sie dient in Teilen zur 2-Faktor-Authentifizierung. Ferner möchte ich weder geortet werden können noch anderweitig zu viele Meta-Daten über mich preis-geben. Nur ausgewählte, persönliche Kontakte haben diese Nummer. Allen anderen steht Signal (@madiko.77) und Threema (CTKPPH85) frei zur Verfügung, mich mobil zu erreichen.

Bei Apps bin ich besonders knausrig. Ja, ich nutze ein Android. Schlimm genug, was ich darüber unfreiwillig preis gebe! Aus dieser Nummer komme ich (bzw. wir) wohl nicht mehr raus. Dennoch gibt es Handlungsspielräume, die wir wahrnehmen sollten. Nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch gut. Nicht alles, was bequem ist, ist gut.

Wero erlaubt es, sich mit E-Mail oder Mobil-Nummer zu registrieren – die GLS-Bank jedoch über ihre App nicht. Begründung dort: Dass ich mich mit “meinen Kontakten verbinden” kann. Ja sapperlot! Das will ich aus Daten-Sicherheit ja nun mal erst Recht nicht, dass eine App Zugriff auf alle meine Kontakte im Smartphone hat. Daten gebe ich nach Bedarf ein. Und maximal das, was ich zwingend brauche. Nennt sich Daten-Sparsamkeit und Daten-Schutz.

Ein Konto für alle(s)

Damit stand ein Nein für Wero fest. Es kommt indes ein weiteres Ausschluss-Kriterium hinzu: Es ist nur 1 Bankkonto möglich.

Ich habe getrennte Konten – ein geschäftliches und ein privates. Das hat einen guten Grund: Mit dem Geschäftskonto entsteht mir genug Aufwand für die Buchhaltung. Da habe ich keinen Spaß dran, private Abrechnungen als private Einlagen / Auslagen ausklamüsern zu müssen. Hinzu käme, dass ich auf Zahlungen von Freunden Mehrwert-Steuer plus Einkommenssteuer zahlen müsste. Dem Finanz-Amt ist herzlich egal, ob der Finanz-Strom als “privat” oder “geschäftlich” in einer App markiert wird. So lange er über mein geschäftliches Konto läuft, ist es Teil meiner Freiberuflichkeit.

Fazit & Ausblick

Also suche ich weiter nach einem nachhaltigen und ethisch vertretbaren Zahlungsdienst für madiko und WandelMut. Da die USA – weder die Regierung noch die dort ansässigen Firmen (was im Grunde auch gar nicht mehr so ein großer Unterschied ist) – kein verlässlicher Partner mehr sind, werden sich europäische Alternativen entwickeln und etablieren. Ich behalte das Geschehen weiter im Auge. Und werde neue Erkenntnisse über meine Werkstatt-Berichte gern mit Dir teilen.

Und damit zurück zum Bericht aus der Werkstatt

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Ausblick & Flurfunk

Meine Berichte aus der Werkstatt erscheinen unregelmäßig. Ich strebe an, alle ein, zwei Wochen von meiner Arbeit und dem, was mich beschäftigt, zu erzählen. Meine Erkenntnisse und Einsichten zu teilen.

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